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16. November 2022 | MSc.-Met Sebastian Schappert (Meteorologe)

Wasser - wichtig und spannend zugleich - Teil 5

Wasser - wichtig und spannend zugleich - Teil 5

Datum 16.11.2022

Nicht erst seit dem erneut sehr trockenen Sommer wissen wir, wie kostbar und wichtig unser Wasser ist. Im heutigen Thema des Tages dreht sich alles um das atmosphÀrische Wasser.

Im fĂŒnften und letzten Teil der Reihe "Wasser - wichtig und spannend zugleich" schauen wir heute noch einmal auf einen Teilbereich des Wasserkreislaufs, der fĂŒr die Arbeit von uns Meteorologen eine besondere Bedeutung hat: die AtmosphĂ€re.

Der grundlegende Motor fĂŒr die Prozesse in der AtmosphĂ€re ist die Sonne, die Land und Ozeane unterschiedlich erwĂ€rmt und fĂŒr die Verdunstung des Wassers sorgt, wodurch sich Wolken bilden. Die Schwerkraft fĂŒhrt schließlich zum Ausfallen angewachsener Wassertröpfchen. Ohne das Wasser gĂ€be es keine Wolken, keinen Niederschlag, also folglich auch kein Wettergeschehen auf der Erde.

Der grĂ¶ĂŸte Teil des verdunsteten Wassers stammt aus den riesigen Ozeanen, wohin dieses spĂ€ter weitgehend wieder als Niederschlag zurĂŒckfĂ€llt. Netto wird aber auch ein kleiner Teil des verdunsteten Meerwassers ĂŒber Land transportiert und dort als Niederschlag ausgefĂ€llt. Insgesamt macht dies rund 35 Prozent des ĂŒber Land fallenden Niederschlages aus.

Das Wasservolumen der AtmosphĂ€re umfasst rund 12.900 Kubikkilometer, was lediglich 0,0009 Prozent des auf der Erde vorhandenen Wassers entspricht. Der Durchsatz an Wasser in der AtmosphĂ€re ist mit rund 500.000 Kubikkilometern pro Jahr allerdings deutlich grĂ¶ĂŸer. In der Folge lĂ€sst sich leicht berechnen, dass das Wasser der AtmosphĂ€re jedes Jahr rund 39-mal komplett ausgetauscht wird, also etwa alle 9 Tage. Dies hat beispielsweise auch Einfluss auf biochemische KreislĂ€ufe. Mit den NiederschlĂ€gen werden unter anderem Gase und Aerosolpartikel ausgewaschen, die AtmosphĂ€re reinigt sich selbststĂ€ndig.


Durch die blÀulich erscheinende AtmosphÀre oberhalb eines Wolkenmeeres erkennt man die schwach schimmernde Mondsichel. (Quelle NASA Earth Oberservatory (https://eol.jsc.nasa.gov/SearchPhotos/photo.pl?mission=ISS013&roll=E&frame=54329))


Der grĂ¶ĂŸte Teil des atmosphĂ€rischen Wassers liegt in gasförmiger Form, also als Wasserdampf vor. Nur etwa 0,3 Prozent davon ist in flĂŒssiger oder fester Form in Wolken gebunden. Allerdings ist die Verteilung rund um den Globus sehr unterschiedlich. WĂ€rmere Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen als kalte. So kann ein Kubikmeter Luft bei 10 Grad 9 Gramm Wasser aufnehmen, die gleiche Menge Luft schafft bei 30 Grad schon etwa 30 Gramm. So ist es auch wenig verwunderlich, dass auch die AtmosphĂ€re rund um den Äquator mehr Wasserdampf enthĂ€lt als beispielsweise an den eisigen Polkappen – vorausgesetzt dieser steht auch zum Verdunsten zur VerfĂŒgung. In sehr trockenen Regionen der Erde kann der Wasserdampfgehalt trotz hoher Temperaturen gering sein. Auch in der Vertikalen ist die Verteilung des Wasserdampfes sehr unterschiedlich. Der grĂ¶ĂŸte Anteil befindet sich in den bodennahen Schichten der TroposphĂ€re unterhalb von 1,5 Kilometer. In der Schicht oberhalb der TroposphĂ€re, der sogenannten StratosphĂ€re, befinden sich nur noch 1 Prozent des Wasserdampfes.

Wasserdampf ist ĂŒbrigens das wichtigste natĂŒrliche Treibhausgas, da er entscheidend die Strahlungsbilanz und somit auch das Klima modifiziert. Zum einen wird die von der Erde ausgehende langwellige WĂ€rmestrahlung absorbiert und wieder in Richtung ErdoberflĂ€che abgegeben, ein die ErdoberflĂ€che erwĂ€rmender Effekt. Umgekehrt sorgen Wolken (mit Ausnahme hoher Wolken) wiederum fĂŒr eine erhöhte Reflexion der einfallenden kurzwelligen (solaren) Strahlung in den Weltraum, wodurch die ErdoberflĂ€che gekĂŒhlt wird. Netto wird dem Wasserdampf insgesamt eine kĂŒhlende Wirkung zugeschrieben. Einen signifikanten Anteil am anthropogenen (menschengemachten) Klimawandel besitzt das Gas jedoch nicht.

Auch der Energiehaushalt und folglich die Dynamik der AtmosphĂ€re werden insbesondere bei den Phasenumwandlungen erheblich beeinflusst. So wird beim Übergang von Wasserdampf zu Wasser (Kondensation) latente WĂ€rme frei. Soll dieses Wasser schließlich wieder verdampft werden (Verdunstung), wird hierfĂŒr entsprechend WĂ€rmeenergie benötigt.

Es gĂ€be noch so viele verschiedene faszinierende PhĂ€nomene in der AtmosphĂ€re, an deren Entstehung Wasserdampf beteiligt ist. Diese aber hier aufzuzĂ€hlen, wĂŒrde den Rahmen des Tagesthemas sprengen. Falls Sie jedoch neugierig geworden sind, stöbern Sie gerne im Themen-des-Tages-Archiv (www.dwd.de/.../thema_des_tages_uebersicht_node.html). Dort werden Sie mit Sicherheit fĂŒndig.



© Deutscher Wetterdienst

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