Facebook Twitter
Drucken
05. August 2022 |

Wespen - nützliche Nervensägen oder nervige Nichtsnutze?

Wespen - nützliche Nervensägen oder nervige Nichtsnutze?

Datum 05.08.2022

Ganz klar - dieses Jahr ist ein Wespenjahr! Stimmt das wirklich? Was Wespen lieben und wofür sie gut sind, lesen sie hier.

Was für ein Hitzesommer! An dieser Stelle haben wir in den vergangenen Tagen und Wochen bereits mehrfach auf die außergewöhnlich heiße und trockene Witterung in weiten Teilen Deutschlands hingewiesen. Gerade im Zuge verstärkter Freizeitaktivitäten hat man mittlerweile aber mehr "Begleiter" um sich herum als einem lieb ist. Die Rede ist vom derzeitigen "Ansturm" der Wespen.


Zum Vergrößern bitte klicken
Zum Vergrößern bitte klicken


Egal ob beim gemütlichen Grillfest mit der Familie, im Freibad mit Freunden oder beim Gassi gehen mit dem Hund, die Plagegeister sind überall - und damit sind nicht die eigenen Kinder gemeint ;)! Da spielen gefühlt weder die Tageszeit noch die Frage ob pralle Sonne und komfortabler Schatten eine Rolle - sie kreisen bereits hartnäckig um ihr Objekt der Begierde. Da die Wespe tagaktiv ist, gibt es in den frühen Morgen- und späten Abendstunden allerdings schon ein Minimum des surrenden Flugverkehrs. Dabei sind nur wenige Unterarten (Deutsche und Gemeine Wespe) Menschen gegenüber aufdringlich und aggressiv - die meisten leben "friedlich" in Wäldern und auf Wiesen und ernähren sich von Nektar und zuckerhaltigen Pflanzensäften. So verwundert es nicht, dass auch die penetranten Vertreter vor allem Jagd auf zuckerhaltige Lebensmittel machen - die Klassiker schlechthin sind süße Limonaden und Obstkuchen (Apfel, Birne, Zwetschgen). Aber auch Deftiges wie Bratwürste und Pommes stehen auf der Speisekarte ganz oben. Sie folgen also lediglich ihrem Instinkt.

Doch lässt sich statistisch überhaupt belegen, dass wir es in diesem Jahr mit einer besonders hohen Wespenpopulation zu tun haben? Nein. Eine Wespenzählung oder zumindest grobe Schätzung wäre aufgrund der Vielzahl und Verbreitung der Nervensägen viel zu aufwändig und ungenau. Daher muss die subjektive Wahrnehmung herhalten, die naturgemäß sehr unterschiedlich sein kann. Schädlingsbekämpfer vermelden allerdings volle Auftragsbücher und kommen teilweise kaum hinterher - zumindest ein Indiz. Widmen wir uns im Folgenden einmal unserer Hauptexpertise. Waren denn die meteorologischen Bedingungen in den vergangenen Monaten förderlich für die Wespenvölker? Die Insekten lieben Wärme und Trockenheit, am besten schon während des Larvenstadiums im Frühjahr.

Zur Erinnerung: Das war in diesem Jahr zwar nicht rekordverdächtig warm, wie beispielsweise 2018, mit einer deutschlandweiten Mitteltemperatur (März, April, Mai) von mehr als 10 Grad aber vor allem sehr sonnenscheinreich und trocken. Diese Witterung setzt sich - bis auf wenige Ausnahmen - in den Sommermonaten bisher nahtlos fort. Gerade im Südwesten des Landes, wo es im Juli so gut wie gar nicht geregnet hat und die Sonne über 300 Stunden schien, häufen sich derzeit die Berichte über besonders viele und aggressive Wespen. Natürlich tragen auch die heftigen, wenngleich zum Glück meist nur kurzen Hitzeeinschübe mit Rekordwerten nahe 40 Grad ihren Teil dazu bei.

Fällt zu viel Regen, schimmeln die Nester und die Völker sterben. Den eigenen Flüssigkeitsbedarf ziehen sie aus ihrer Nahrung. Wasser benötigen sie eigentlich nur für ihre Nester: Zum Bau (Papiernester aus Zellulosefasern) sowie zur Kühlung (siehe DWD Wetterlexikon "Verdunstung"). Mit den tieferen Temperaturen im Herbst - spätestens mit den ersten Nachtfrösten - sterben die Völker. Nur die Königin überlebt, überwintert und gründet im Frühjahr ein neues Wespenvolk. Etwa ab Mai bauen sie ihre Nester und schwärmen wieder aus. Dann beginnt die Jagd auf ein leckeres Stück Kuchen und einen Schluck Limo aufs Neue.

Bei allem Groll soll aber dringend darauf hingewiesen werden, dass Wespen unter Artenschutz stehen (nicht jedoch Deutsche und Gemeine Wespe!) und in der Natur wichtige Aufgaben übernehmen - wie die Beseitigung von faulem Obst, morschem Holz und toten Insekten. Ziehen Sie demzufolge im Falle eines ortsnahen Wespennestes immer einen Experten zu Rate, damit Sie den Rest des Sommers entspannt genießen können. Oder sorgen sie abseits der Sitzgelegenheiten für ein gezieltes Ablenkungsmanöver, an dem sich die Wespen fröhlich laben dürfen. Und aufgepasst: In vielen Bundesländern steht auf das grundlose Töten von Wespen inzwischen ein sattes Bußgeld von mehreren tausend Euro, im Einzelfall sogar bis weit in den fünfstelligen Bereich hinein.

Dipl.-Met. Robert Hausen

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 05.08.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

21.01. - Inversionen soweit das Auge reicht

20.01. - Eisnebelhalos - ein himmlisches Phänomen auf Erden

19.01. - Sturmtief „Harry“ und seine Auswirkungen im Mittelmeerraum

18.01. - Eine abwechslungsreiche Fahrt durch Deutschland

17.01. - Sonne rauf, Temperaturen runter, Niederschlag Fehlanzeige

16.01. - Jahresvorausschau 2025 - Ein Rückblick

15.01. - Sicher auf dem Eis?!

14.01. - Mildes Zwischenspiel ohne Winterrückkehr

13.01. - Rückblick und Warnmanagement

12.01. - Wie geht es weiter mit dem Glatteis?

11.01. - Überregionale Glatteislage - Winterabschied mit der Brechstange

10.01. - Rückblick auf Sturmtief ELLI

09.01. - Bergland oder Tiefland? Wozu gehöre ich?

08.01. - Die Außenkugel

07.01. - Vollkorn oder Graupel?

06.01. - Brisante Wetterlage im Anmarsch?!

05.01. - Winterwunderland Deutschland – aber nicht überall!

04.01. - Gekommen, um zu bleiben

03.01. - Deutschlandwetter im Jahr 2025

02.01. - Deutschlandwetter im Dezember 2025

01.01. - Turbulente erste Tage im Jahr 2026!

31.12. - Das Wetter in der Silvesternacht – der Winter zeigt viele Facetten!

30.12. - Jahresvorausschau 2026

29.12. - Silvesterwetter

28.12. - Schneeflocken nicht nur aus Papier

27.12. - Nicht aufs Glatteis führen lassen

26.12. - Kleines meteorologisches Weihnachtsgedicht

25.12. - Kaltes Hochdruckwetter prägt Weihnachten

24.12. - Weihnachten vor 15 Jahren: "Scarlett" schneite den Süden Deutschlands ein

23.12. - Wie lange hält das hochdruckdominierte Wetter an?