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30. Juni 2022 |

Gefühlte Temperatur

Gefühlte Temperatur

Datum 30.06.2022

Aktuell haben wir Nachmittagstemperaturen von 28 bis 32 Grad. Gefühlt liegen die Werte aber mit 32 bis 38 Grad deutlich höher. Warum sich feuchte Luft bei hohen Temperaturen unangenehmer anfühlt und warum man im Wind bei niedriger Temperatur schneller friert, soll heute Thema sein.

Eine der Schattenseiten der aktuellen heißen sommerlichen Witterungsperiode ist die hohe Wärmebelastung. Nicht nur, dass die Höchstwerte von über 30 °C für viele schon etwas zu viel des Guten sind, sie fühlen sich durch die derzeit hohe Luftfeuchtigkeit auch deutlich wärmer an. Denn die gefühlte Temperatur liegt aktuell bei 32 bis 38 °C. Doch wie kommt man zu einer gefühlten Temperatur?


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Die gefühlte Temperatur ist die von einem Menschen wahrgenommene Temperatur, die sich aufgrund der Luftfeuchtigkeit und der Windgeschwindigkeit häufig von der realen Temperatur unterscheidet. Liegt die Hauttemperatur über der Umgebungstemperatur, so wird die wärmere, hautnahe Luft vom Wind weggeblasen. Zusätzlich wird dadurch die Verdunstungsrate, die für eine weitere Abkühlung sorgt, an der Hautoberfläche erhöht. Dadurch kühlt der Körper bei Wind deutlich schneller aus. Man nennt diesen Effekt Windchill- oder auch Windabkühlungseffekt. Die Windchill-Temperatur ist diejenige Lufttemperatur, die ohne Wind den gleichen Abkühlungseffekt hätte. Weht bei einer Temperatur von 0 °C ein mäßiger Wind um 25 km/h, so kommt einem die Temperatur wie -6 °C vor. Bei -10 °C sind es schon -19 °C.

Bei höheren Temperaturen spielt die Feuchtigkeit eine große Rolle. Von schwüle spricht man wenn Luftfeuchtigkeit und Temperatur gleich hoch sind. Durch die hohe Feuchtigkeit kann Schweiß, durch dessen Verdunstung der Körper gekühlt und der Wärmehaushalt reguliert wird, schlechter verdunsten. Deshalb empfindet man die Temperatur als höher. Das Maß für die empfundene Temperatur ist der Hitzeindex. 33 °C fühlen sich bei einer Luftfeuchtigkeit von 60 % beispielsweise wie 40 °C an.

Für die gefühlte Temperatur verwendet der DWD ein komplexes Modell, den sogenannten "Klima Michel". Für den Durchschnittsmenschen (Michel) wird ein 35 Jahre alter, 1,75 m großer und 75 kg schwerer Mensch angenommen. Für diesen wird ein Energiebilanzmodell gerechnet, um die Temperaturempfindung in Abhängigkeit von der Lufttemperatur und Feuchtigkeit, der Windgeschwindigkeit, der Sonnenstrahlung und der Bekleidung festzustellen.

Doch wie geht es in den nächsten Tagen weiter mit den Temperaturen? Vor allem der Westen und die Mitte erleben zum morgigen Freitag einen regelrechten Temperatursturz. Mit Höchstwerten von 19 bis 24 °C ist es bis zu über 10 Grad kälter als noch heute. Zeit also, um mal wieder richtig durchzulüften. Am Wochenende bringt dann ein neues Hochdruckgebiet den Sommer zurück. Am Sonntag werden wieder teilweise 30 °C erreicht. Diese fühlen sich jedoch in der trockneren Luft deutlich angenehmer als jetzt an. Wie geht es nun nächste Woche weiter? Am Rande eines kräftigen Azorenhochs wird von Nordwesten zunehmend kühlere, aber meist trockene subpolare Luft herangeführt. In der Nordhälfte stellt sich dadurch ein etwas kühlerer Witterungsphase ein, während es im Süden sommerlich bleibt. Die schwülwarmen Tage mit Temperaturen über 30 °C und wiederholten Gewittern sind aber erst einmal vorbei.

Dipl.-Met. Christian Herold

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 30.06.2022

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