17:59 MESZ | 08.04.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
Drucken
15. September 2021 |

Regen - in Deutschland und in Ostasien

Regen - in Deutschland und in Ostasien

Datum 15.09.2021

Der heutige Mittwoch präsentiert sich, im Gegensatz zum Wochenbeginn, verbreitet regnerisch. Das ist aber nichts im Vergleich zu den Regenmengen des Tropensturms CHANTHU, die in den kommenden Tagen über Südkorea und Japan erwartet werden.

Nachdem die vergangenen Tage weitgehend trocken verlaufen sind, kommt heute wieder reichlich Nass von oben - wenn man einmal von den überwiegend trockenen Gebieten an Oder und Neiße sowie im Südosten absieht.



Den Regen bringt uns das kleine Tief ROLAND, das heute über der Deutschen Bucht nach Nordosten zieht. Es bringt sehr feuchte Luft zu uns, die im Hochsommer bei entsprechenden Temperaturen wohl verbreitet zu einer energiegeladenen Schwergewitterlage geführt hätte. Die aktuellen atmosphärischen Bedingungen lassen zwar auch Gewitter zu, oft ziehen aber auch "nur" Schauer oder schauerartiger Regen übers Land. Immerhin: neben ein paar starken Böen und kleinerem Hagel können sowohl die Schauer als auch die Gewitter Starkregen, also Niederschlagsmengen von 15 l/m² bis 25 l/m² innerhalb von einer Stunde im Gepäck haben. Punktuell sind auch Mengen über 25 l/m² und damit Unwetter möglich - diese bleiben aber die Ausnahme. Am stärksten vom Niederschlag und damit auch vom potentiellen Starkregen betroffen ist ein Streifen, der vom Westen in den Nordosten reicht.

Da hat der pazifische Wirbelsturm CHANTHU, auch wenn er seine "besten Tage" schon hinter sich hat, mehr zu bieten. Aktuell bewegt sich CHANTHU im Bereich des Ostchinesischen Meeres und damit sozusagen "in Sichtweite" Chinas, Japans und auch Südkoreas (https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2021/9/15.html). Recht untypisch für tropische Wirbelstürme schickt er sich aktuell an, seinen Kurs mehrmals in kurzer Zeit abrupt zu ändern. Nachdem es zuletzt nach Norden ging, soll CHANTHU jetzt mehr nach Südosten vorankommen. Das ist allerdings nur ein kurzes Intermezzo, denn schon morgen ist wieder ein Schritt nach Norden geplant, bevor die Aktivität dann nach Nordosten gerichtet ist.

Bezüglich seiner Verlagerung kann man CHANTHU also als "kleinen Chaoten" bezeichnen. Das "Kreiseln" hat für ihn aber den Vorteil, dass er sich weiter über Meeresgebieten bewegt, die eine Wassertemperatur von etwa 27 Grad aufweisen. Damit kann sich der Wirbelsturm nochmal intensivieren. So prognostiziert das Europäische Zentrum für Mittelfristige Wettervorhersage (EZMWF) in der Nacht zum Freitag einen Kerndruck von etwa 960 hPa, was etwa 30 hPa unter dem aktuellen Niveau liegt. Damit verbunden ist natürlich auch eine Zunahme des Windes. Mittelwinde von etwa 35 Knoten, was 65 km/h entspricht, werden von den meisten Wetterdiensten nach den neuesten Berechnungen avisiert. Die Böen liegen dabei deutlich jenseits der 100 km/h-Schwelle. Das ist für einen Wirbelsturm aber alles andere als eine "Spitzenleistung", weshalb CHANTHU genau genommen auch nur noch als Tropischer Sturm und nicht mehr als Wirbelsturm bezeichnet wird.

Aber eigentlich sollte der Blick ja zu den Regenmengen gehen. Und diesbezüglich werden in Südkorea und Japan in den kommenden Tagen, jeweils in Verbindung mit CHANTHU, verbreitet Regenmengen von 30 bis 70 l/m² auftreten. Lokal werden die Mengen aber auch bis zu 200 l/m² erreichen. Die Schwierigkeit besteht darin, diese Niederschlagsschwerpunkte genau zu lokalisieren. Denn durch das "Kreiseln" über dem Meer lässt sich die genaue Zugbahn nur schwer erfassen. Sowohl das Joint Typhoon Warning Center (Grafik) als auch unser DWD-Modell "ICON" lassen CHANTHU über die Meerenge zwischen Japan und Südkorea ins Japanische Meer ziehen. Das Modell des Europäischen Zentrums für Mittelfristige Wettervorhersage dagegen setzt einen südlicheren Kurs an, womit CHANTHU über Japan ziehen würde. Letzteres hätte dann natürlich auch über Japan die stärksten Regenmengen zur Folge, während die erstgenannten Lösungen die höchsten Niederschläge über Südkorea simulieren. Diesbezüglich bleibt es also spannend...

Dipl.-Met. Martin Jonas

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 15.09.2021

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

08.04. - Hana-Matsuri

07.04. - Einheitenchaos - Teil 1: Temperatur

06.04. - Start in die neue Woche: Freundlich und im Prinzip störungsfrei

05.04. - Geschichte der Meteorologie − Teil 2: Meteorologie im letzten Jahrtausend vor der christlichen Zeitenwende

04.04. - Warum ist der Himmel blau? – Und was hat die Luftfeuchtigkeit damit zu tun?

03.04. - Geschichte der Meteorologie − Teil 1: Von den Anfängen zur Meteorologie in den verschiedenen Hochkulturen des Altertums

02.04. - Deutschlandwetter im März 2026

01.04. - DWD trifft auf Filmlegende!

31.03. - Polynjen - besondere Orte in polaren Gebieten

30.03. - Das "Aprilwetter"

29.03. - Blick in die Karwoche

28.03. - Wie weit fortgeschritten ist die Vegetation?

27.03. - Was ist das für ein Theater?!

26.03. - Wie trocken ist es in Deutschland?

25.03. - Genormt bis unters Dach: Die Standardatmosphäre

24.03. - Harry Houdini

23.03. - Auf Bilderbuchfrühling folgt jäher Absturz

22.03. - Die Vegetationsbrandgefahr im Frühjahr

21.03. - Geografie und Topografie

20.03. - Hitzewelle in den USA erreicht vorläufigen Höhepunkt

19.03. - Das Wetter zum Frühlingsanfang

18.03. - Als Deutschland im Schnee versank: Der strenge Winter 2005/2006

17.03. - Christian Andreas Doppler

16.03. - Nach turbulentem Wochenstart kehrt der Frühling zurück

15.03. - Gezeiten an Nord- und Ostsee, Windstau- und Sturmflutwarndienst und amphidromische Punkte

14.03. - Aprilwetter - der März übt schon mal

13.03. - Wie wahrscheinlich ist die Hitzewelle im Westen der USA?

12.03. - Luftmassen

11.03. - Wetterumstellung ante portas!

10.03. - Frag doch mal die Maus