21:05 MESZ | 16.05.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
Drucken
13. Juni 2021 |

Streuselkuchenwetter in der letzten Woche

Streuselkuchenwetter in der letzten Woche

Datum 13.06.2021

Die "sumpfige" Gewitterlage ist vorbei. Lokal fiel dabei in der vergangenen Woche durch starke Gewitter einiges an Niederschlag, häufig in kurzer Zeit. Doch wie war die Niederschlagsverteilung? Dies erfahren Sie im heutigen Thema des Tages.

Bilder von vollgelaufenen Kellern, überfluteten Straßen und Unterführungen prägten die Medien in den vergangenen Tagen. Schuld daran waren schwere Gewitter, die sich gar nicht oder nur sehr langsam von Ort und Stelle bewegten. Teils mussten die Feuerwehren in einem Ort Keller auspumpen, weil sich beispielsweise kleine Bäche in reißende Ströme verwandelten, während man es im Nachbarort zwar donnern hörte, aber es kaum regnete. Verantwortlich hierfür waren die Tiefdruckgebiete "Peter" und "Olger". Sie führten warme und sehr feuchte Luftmassen nach Deutschland. In der kräftigen Junisonne konnten dann vor allem tagsüber rasch Quellwolken in die Höhe schießen, die sich schnell zu ausgewachsenen Gewittern formierten. Dadurch, dass in der Höhe kaum Wind herrschte (teils unter 20 km/h), verlagerten sich diese Gewitter nur sehr langsam und brachten lokal hohe Niederschlagssummen.


Zum Vergrößern bitte klicken


Am 5.6.2021 fielen beispielsweise in Wertingen in Bayern 138 l/qm, davon 71 l/qm innerhalb von nur einer Stunde. Wenn man bedenkt, dass in etwa 100 l/qm der mittlere Monatsniederschlag im ganzen Juni für diese Gegend ist, dann wird einem sehr schnell klar, wie stark die Regenfälle in kurzer Zeit tatsächlich gewesen sind. Auch in Dillingen an der Donau, ebenfalls in Bayern, regnete es am selben Tag heftig. Hier prasselten rund 100 l/qm vom Himmel. In etwa die Hälfte fiel davon innerhalb von zwei Stunden. In Niederstetten (Baden-Württemberg), Waltershausen (Thüringen) und Bautzen (Sachsen) trat vor allem zur Wochenmitte heftiger Starkregen auf. Dort kamen in kurzer Zeit zwischen 40 und 50 l/qm zusammen.

Dies waren exemplarisch nur wenige Orte, an denen tatsächlich auch offiziell anerkannte Messstellen des Deutschen Wetterdienstes stehen. Lokal kann durchaus auch noch mehr Niederschlag gefallen sein. Selten halten sich nämlich die Niederschläge genau an die Messstandorte. Um eine Abschätzung in der Fläche tätigen zu können, gibt es jedoch ein Radarprodukt, mit dem man aus Radarmessungen, die an Messstationen angeeicht sind, Niederschlagssummen berechnen kann. In der Grafik sind dabei die Niederschlagssummen vom 04.06, 06 UTC bis 11.06, 06 UTC dargestellt. Besonders im Süden und Teilen der östlichen Mitte sind einige Hotspots auszumachen. Rein aus dem Radarprodukt fielen hierbei bis zu 170 l/qm innerhalb einer Woche. Das Muster, das einem Streuselkuchen ähnelt, zeigt aber auch teilweise die Kleinräumigkeit der Schauer und Gewitter auf. Besonders deutlich wird dies im Nordosten Baden-Württembergs oder an der Grenze zwischen Hessen und Thüringen (jeweils in der Grafik rot eingekreist), wo es innerhalb von 30 km Unterschiede von 90 l/qm gibt. Im Nordosten des Landes und in einigen Gebieten im Westen gab es kaum Niederschläge in den vergangenen Tagen. Dort herrscht also eine größere Trockenheit. Wer sich ein Bild über die aktuelle Bodenfeuchte machen will, der wird unter: bit.ly/3iDOmuS fündig. In den kommenden Tagen bleibt es landesweit trocken und es wird zunehmend heiß. Im Süden können die Pflanzen dabei noch von den gefallenen Niederschlägen profitieren, während sie besonders im Nordosten unter zunehmendem Trockenstress leiden werden.

Dipl.-Met. Marcel Schmid

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 13.06.2021

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

16.05. - Geschichte der Meteorologie – Teil 6: Meteorologie im Zeitalter der Renaissance und Anfänge der quantitativen Meteorologie

15.05. - König Fußball und das Wetter

14.05. - Kühles "Aprilwetter" an den Eisheiligen

13.05. - Wo ist der Polarjet hin?

12.05. - Der Geruch von Regen

11.05. - Turbulente und kühle Maitage

10.05. - Pannekoek in der Kalahari – wenn die Savanne wieder zum Leben erwacht

09.05. - Die Eisheiligen: Nur ein Mythos?

08.05. - Warmes Wochenende, kühler Wochenstart

07.05. - Wie funktioniert eine Gewittervorhersage?

06.05. - Endlich (zu viel) Regen

05.05. - Unwetterpotenzial in der Mitte: Starkregen und Gewitter

04.05. - Ausblick in die Wetterwoche

03.05. - Geschichte der Meteorologie – Teil 5: Meteorologie im Spätmittelalter an der Schwelle zur Renaissance

02.05. - Deutschlandwetter im April 2026

01.05. - Facettenreicher Schönwetterhimmel

30.04. - Geschichte der Meteorologie – Teil 4: Meteorologie im Früh- und Hochmittelalter

29.04. - Hoch WINFRIED bestimmt das Wetter – Umstellung zum Wochenende

28.04. - Einheitenchaos - Teil 3: Niederschlag

27.04. - Wettergötter und -propheten Teil 1: Wenn Petrus die Himmelspforte öffnet

26.04. - Hagelereignisse in Deutschland

25.04. - Hochdruck ohne Ende

24.04. - Wie Wetter Geschichte schrieb

23.04. - Flache Kaltluftschicht und große Tagesgänge

22.04. - Über Erhaltungsgrößen - und eine grell-bunte Animation

21.04. - Hoch ULI und die späten Nachtfröste

20.04. - Heftige Regenfälle im Osten und Nordosten

19.04. - Petrichor – Der Duft des Regens

18.04. - Einheitenchaos - Teil 2: Wind

17.04. - Der April auf Achterbahnfahrt!