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30. April 2019 | Dipl.-Met. Lars Kirchhübel

Hexentanz und "Kampftag der Arbeiterklasse" mit Blick durch die Wetterbrille

Hexentanz und "Kampftag der Arbeiterklasse" mit Blick durch die Wetterbrille

Datum 30.04.2019

Tanz in den Mai und Tag der Arbeit! Politik und Brauchtum im Brennpunkt und mit Blick durch die Wetterbrille.

Kommende Nacht sind die Hexen wieder los und feiern ein großes Fest auf dem Blocksberg (auch Brocken) oder anderen erhöhten Orten. Die Vorstellung beruht auf den Ausführungen des Hexensabbats aus dem 15. und 16. Jahrhundert, der entsprechend Hexentheoretikern der frühen Neuzeit "regelmäßige, geheime, nächtliche Hexentreffen mit dem Teufel" bezeichnet.


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Aber auch in der Realität hat der "Tanz in den Mai" als sogenannte "Walpurgisnacht" am Vorabend des Maifeiertags als traditionelles und modernes Festereignis Eingang in die Gesellschaft gefunden. Der Name "Walpurgisnacht" leitet sich dabei von der heiligen Walburga ab, deren Gedenktag ursprünglich am Tag ihrer Heiligsprechung am 1. Mai gefeiert wurde. Die Walpurgisnacht war schließlich das Nachtoffizium der Feierlichkeiten. Vielerorts finden demnach bis heute private und kommerzielle Veranstaltungen statt, die zu Tanz und Geselligkeit einladen. Je nach Region werden diese mit unterschiedlichen Bräuchen und Traditionen gefeiert. In weiten Teilen Deutschlands will man beispielsweise durch das Entzünden der sogenannten "Maifeuer" die bösen Geister vertreiben. Ist das Feuer weitgehend heruntergebrannt, findet in einigen Gegenden der Maisprung statt, bei dem junge verliebte Paare gemeinsam über die Feuerreste springen. In anderen Regionen des Landes gehen Gruppen durch die Orte und treiben Schabernack oder begrüßen den Mai mit Gesang und einem Glas Maibowle.

Der 1. Mai steht dann ganz im Zeichen der Arbeit und gilt als "Kampftag der Arbeiterbewegung" und ist in Deutschland, Liechtenstein, Luxemburg, Österreich, Belgien, Teilen der Schweiz sowie weiteren Staaten ein gesetzlicher Feiertag. Der Ursprung reicht dabei bis ins 19. Jahrhundert zurück. Der 1. Mai wurde damals als Tag auserkoren, an dem von der Arbeiterbewegung Arbeitsrechte eingefordert wurden. Die Anfänge sind in der Massendemonstration für einen Achtstundentag am 1. Mai 1856 in Australien zu finden. In den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts schwappte die Bewegung nach Amerika, wo in Anlehnung an die Demonstrationen in Australien, die nordamerikanische Arbeiterbewegung aus dem gleichen Anlass ebenfalls am der 1. Mai zum Generalstreik aufrief. Während eines mehrtätigen Streiks eskalierte schließlich die Gewalt und führte zu zahlreichen Todesopfern. Zum Gedenken an die Opfer wurde der 1. Mai auf dem Gründungskongress der "Zweiten Internationale" 1889 zum "Kampftag der Arbeiterbewegung" ausgerufen. Am 1. Mai 1890 wurde zum ersten Mal dieser "Protest- und Gedenktag" mit Massenstreiks und Massendemonstrationen in der ganzen Welt begangen. In Deutschland wurde der 1. Mai schließlich in der Zeit des Nationalsozialismus zum gesetzlichen Feiertag, der nach dem Krieg zunächst vom Alliierten Kontrollrat bestätigt und schließlich von der Bundesrepublik Deutschland übernommen wurde.

Der 1. Mai hat neben den politischen Ursprüngen aber auch andere geschichtliche Bräuche zu bieten. Schon die Römer feierten zu Beginn des Mais ein Fest zu Ehren der Blumen-Göttin Flora. In Europa wurde im Mittelalter am 1. Mai offiziell der Frühling begrüßt. Auch in der Gegenwart wird das Brauchtum zum Mai vielfältig gelebt. In vielen Orten wird zum 1. Mai ein bunt geschmückter Maibaum aufgestellt und früher verbreitet Volkstänze aufgeführt. In einigen Regionen des Landes werden dagegen die typischen Maitouren oder Maiwanderungen durchgeführt, bei denen hauptsächlich jüngere Menschen mit Bollerwagen ausgestattet durch Orte und Landschaft ziehen.

Doch egal ob sich nun Hexen treffen, Paare über Feuerreste springen, Arbeitnehmer demonstrieren oder Wandergruppen durch das Land ziehen, vom Wetter sind sie alle abhängig. Dieses zeigt sich in der Nacht von Dienstag zum Mittwoch sowie der Mittwoch selber nach derzeitigem Stand sehr differenziert. Während im Osten und Südosten häufig dichte Wolken über den Himmel ziehen und zeitweise auch etwas Regen abladen können, bleibt es im restlichen Land abgesehen von einem geringen Schauerrisiko im Mittelgebirgsraum weitgehend trocken. Vor allem im Westen und Südwesten ist bei längerem Sonnenschein die Sonnenbrille Pflicht. Dabei steigen die Temperaturen auf frühlingshafte Werte zwischen 15 Grad im Norden und bis 23 Grad im Südwesten an, an der See kühler. In der Hexennacht sollten sich vor allem die Bürger in der Südhälfte des Landes bei Temperaturen zwischen 6 und 0 Grad wärmer kleiden.

Dieses Jahr werden durch die "Maifeuer" aber wohl nur die Hexen ausgetrieben, denn der Winter will sich noch nicht richtig nach Norden verabschieden. Stattdessen steht ein "ungemütliches" und kaltes erstes Maiwochenende an. Im Bergland kann der Winter nochmals zuschlagen, vereinzelt ist aber auch in tiefen Lagen ein winterlicher Gruß durchaus möglich.



© Deutscher Wetterdienst

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