04:04 MESZ | 23.07.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
Drucken
11. Dezember 2015 |

Das Brockengespenst und andere Nebelerscheinungen

Das Brockengespenst und andere Nebelerscheinungen

Datum 11.12.2015

Am gestrigen Donnerstag versanken weite Teile der Südhälfte Deutschlands im Nebel oder Hochnebel. Nur wer oder was ist das Brockengespenst und was hat das mit Nebel zu tun? Welche Erscheinungen können noch bei Nebel auftreten?

Am gestrigen Donnerstag war in der Südhälfte Deutschlands wieder verbreitet der winterliche Hochdruckeinfluss spürbar. Denn weite Teile versanken den ganzen Tag über in Nebel oder Hochnebel und die Sonne war dort höchstens zu erahnen. Daher soll es heute um besondere optische Erscheinungen gehen, die bei Nebel auftreten können.


Zum Vergrößern bitte klicken


Herrscht dichter Nebel vor, so kann ein aufmerksamer Beobachter mit der Sonne im Rücken etwas ganz spezielles, nämlich das sogenannte "Brockengespenst" (s. Abbildung "A") entdecken. Der Schatten des Beobachters erscheint dann stark vergrößert und dreidimensional. Da die Wolken- oder Nebelwand keine glatte Oberfläche besitzt und ständig in Bewegung ist, schwankt der Schatten gespenstisch hin und her, obwohl sich der Beobachter selbst nicht rührt.

Somit wäre der zweite Teil des Begriffs "Brockengespenst" erklärt. Der erste hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass auf dem Brocken das oben genannte Phänomen zuerst beschrieben wurde. Trotz ca. 300 Nebeltagen im Jahr tritt dort die Erscheinung nicht so häufig auf wie in den Alpen. Allerdings ist doch auch eine andere Bezeichnung geläufig. Das sogenannte "Sudelfeldmonster", benannt nach dem Sudelfeldpass in den Bayerischen Alpen (1123 m ü. NN.), beschreibt aber dasselbe Phänomen.

Entsteht ein solches "Brockengespenst" oder "Sudelfeldmonster", so kann häufig eine farbige, ringförmige Leuchterscheinung um den "Kopf" beobachtet werden. Diesen "Heiligenschein" nennt man "Glorie" (s. Abbildung "B"). Die Glorie entsteht dadurch, dass an den winzigen Wassertropfen des Nebels bzw. der Wolken (Berge in Wolken) die Sonnenstrahlen gestreut und anschließend in die Spektralfarben aufgespalten werden.

Da der Schatten und damit auch die Glorie im Gegenpunkt der Sonne entstehen, ist ein ganz bestimmter Blickwinkel notwendig. Der Beobachter kann also eine Glorie um den Kopf des "Gespenstes" am besten von einem erhöhten Standpunkt ausmachen. Je weiter die Nebelwand vom Beobachter entfernt ist, desto kräftiger sind die Farben und desto größer ist die Glorie. Dabei wird der Schatten des Beobachters, also das Brockengespenst, aber kleiner.

Das Brockengespenst und vor allem die Glorie können vom Flugzeug aus besonders gut beobachtet werden. Denn dann ist ein geeigneter erhöhter Standpunkt gegeben. Hierbei gilt auch: Je weiter in diesem Fall die Hochnebel- oder Wolkendecke vom Flugzeug entfernt ist, desto kleiner wird zwar der Schatten des Flugzeuges, aber desto größer und farbenprächtiger die Glorie.

Neben dem Brockengespenst und der Glorie lässt sich noch ein weiteres optisches Phänomen im Nebel beobachten: der Nebelbogen (s. Abbildung "C"). Dieser ist dem Regenbogen sehr ähnlich. Das Band des Nebelbogens ist meistens doppelt so breit und erscheint nicht in den typischen Regenbogenfarben. Die Wassertropfen im Nebel sind deutlich kleiner als Regentropfen, sodass sich die Spektralfarben bzw. einzelnen Farbanteile zu einem weißen Bogen überlagern. Auch hier gilt die Devise: ein erhöhter Standpunkt, z. B. bei Bodennebel ein Hügel, bewirkt eine bessere Beobachtung des optischen Phänomens.

M.Sc.-Met. Anna Wieczorek

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 11.12.2015

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

22.07. - Nordströmung hält die Hitze auf Abstand

21.07. - Zwischen Physik und Künstlicher Intelligenz – Wie KI die Wettervorhersage verändert

20.07. - Spanien - Olé

19.07. - Deutliches Nordost-Südwestgefälle bei der Temperatur

18.07. - Von Trockenheit und rekordniedrigen Wasserständen

17.07. - Warum ziehen die Gewitter immer an mir vorbei?

16.07. - Kleines Höhentief, große Wirkung – eine Gewitternachlese

15.07. - Vom Scheren und schweren Gewittern

14.07. - Vom Höhenei bis hin zu schweren Gewittern

13.07. - Wie lange hält die hochsommerliche Hitze an?

12.07. - Geschichte der Meteorologie – Teil 10: Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts (a)

11.07. - Supertaifun BAVI

10.07. - Trockenheit im Südwesten Deutschlands

09.07. - Neue Hitze im Südwesten

08.07. - Sommersturm an der Ostsee

07.07. - Zwischen Sommerhoch und Tiefdruckeinfluss – Deutschland bleibt von der großen Hitze verschont

06.07. - Ein Blick auf die Pflanzenwelt - Phänologie

05.07. - Erwartet uns eine neue Hitzewelle?

04.07. - Geschichte der Meteorologie – Teil 9: Meteorologie um 1750

03.07. - Endlich wieder Durchlüften - aber wie lange?

02.07. - Deutschlandwetter im Juni 2026

01.07. - Von Regenbekleidung und Gewitterenergie

30.06. - Luftmassenwechsel bringt teils heftige Gewitter und Starkniederschläge

29.06. - Wie das Wetter die Waldbrandgefahr bestimmt

28.06. - Eine Hitzewelle für die Geschichtsbücher – Eine erste vorläufige Bilanz

27.06. - Hitze, Blitz und Donner!

26.06. - Geschichte der Meteorologie – Teil 8: Meteorologie um 1700 und erste meteorologische Messnetze zur Wetterbeobachtung

25.06. - Heiß, heißer, HARTMUT!

24.06. - Nur noch 6 Monate

23.06. - Sechsunddreißig Grad und es wird noch heißer