Social
Drucken
10. Juli 2015 |

Tief Thompson und Hoch Clara

Nachdem eine Hitzewelle in den ersten Julitagen nicht nur für schweißtreibende Temperaturen sondern auch für teils schwere Gewitter sorgte, erweckte der gestrige Donnerstag schon fast einen frühherbstlichen Eindruck.

So lagen die Höchstwerte vor allem in der Nordhälfte Deutschlands verbreitet unter 20 Grad. Dazu wehte ein starker bis stürmischer West- bis Nordwestwind, der vor allem an den Küsten von Nord- und Ostsee deutlich zu spüren war. Etwas wärmer und weniger windig blieb es in der Südhälfte, wo die Temperatur meist auf Werte zwischen 19 und 23 Grad anstieg.


Auslöser für die Zufuhr der kühleren Luftmasse war Tief Thompson,
übrigens das gleiche Tief, das am vergangenen Dienstag nochmal für
einen kurzen, aber kräftigen Warmluftschub gesorgt hatte. Doch wie
kommen diese Temperatursprünge zustande?

Noch am Dienstag befand sich Tief Thompson mit seinem Kern über
Schottland. Da ein Tief auf der Nordhalbkugel gegen den Uhrzeigersinn
umströmt wird, wurden auf der Ostflanke des Tiefs die warmen
beziehungsweise heißen Luftmassen mit einem südwestlichen Wind von
der Iberischen Halbinsel zu uns geführt. Am Mittwoch zog das Tief
schließlich über die Nordsee hinweg Richtung Südskandinavien und lag
am gestrigen Donnerstag mit seinem Kern über Schweden beziehungsweise
über der Ostsee. Dadurch gelangte Deutschland auf die Südwestflanke
des Tiefs, was mit einer Winddrehung zunächst auf West und
schließlich auf Nordwest einherging. Die Luft kam nun also nicht mehr
aus dem Süden, sondern aus dem Nordwesten und Norden Europas zu uns.
Die ist auch zu dieser Jahreszeit relativ kühl und auf dem Weg über
die Nordsee mit Wassertemperaturen zwischen 14 und 17 Grad kann sie
auch nicht viel Wärme aufnehmen.

Eine frische Nacht liegt hinter uns. In der Tabelle sind die Spitzenreiter der Tiefsttemperaturen in Deutschland aufgelistet. Die Temperatur in Bodennähe sank sogar teilweise bis auf 1 °C ab.


Die Zufuhr der kühleren Luft hielt auch in der vergangenen Nacht noch
weiter an. So war es wenig verwunderlich, dass die Nachttemperaturen
mit nur wenigen Ausnahmen unter 10 Grad lagen. Die tiefsten
Temperaturen mit Werten um 4 Grad wurden in den westlichen
Mittelgebirgen erreicht.

Am heutigen Freitag verbleibt Tief Thompson zunächst noch über der
nördlichen Ostsee. Von Westen folgt aber schon Hoch Clara, das heute
Mittag mit seinem Schwerpunkt bereits über dem Westen Deutschlands
liegen wird. Da ein Hoch im Uhrzeigersinn umströmt wird, bedeutet
das, dass der teils kräftige Nordwestwind im Norden und Nordosten
heute zunächst noch anhält. Sonst dreht der Wind bereits auf östliche
Richtungen beziehungsweise später auf Südost, so dass die
Temperaturen im Süden und Westen mit Unterstützung der Sonne wieder
leicht ansteigen werden. Am morgigen Samstag verlagert sich das Hoch
voraussichtlich in den Nordosten Deutschlands. Mit einer Winddrehung
ist dort zwar noch nicht zu rechnen, der Wind lässt aber deutlich
nach und unter Hochdruckeinfluss kann sich die Luft wieder auf Werte
über 20 Grad erwärmen. In die anderen Regionen Deutschlands gelangt
auf der Westseite des Hochs mit einer auf Süd drehenden Strömung
deutlich wärmere Luft. Im Südwesten werden erneut Höchsttemperaturen
über 30 Grad erwartet, örtlich sind bis zu 33 Grad möglich.


Dipl.-Met. Johanna Anger
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.07.2015

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

03.11. - Gekommen um zu bleiben

02.11. - Deutschlandwetter im Oktober 2026

01.11. - Geschichte der Meteorologie − Teil 24: Meteorologie im 19. Jahrhundert (d)

31.10. - Geschichte der Meteorologie − Teil 23: Meteorologie im 19. Jahrhundert (c)

30.10. - Geschichte der Meteorologie − Teil 22: Meteorologische Polarforschung sowie Erkundung des tropischen Afrikas im 19. Jahrhundert

29.10. - Wo bewegt sich der Herbst 2026?

28.10. - Von der Feder zur digitalen Analyse - Die Wetterkarte Teil 1

26.10. - Herbstwetter mit zwei Gesichtern

25.10. - Geschichte der Meteorologie − Teil 21: Meteorologie im 19. Jahrhundert (b)

24.10. - Tief Manja: Schnell unterwegs, nicht nur beim Wind, sondern auch in der Entwicklung

23.10. - Sturmtiefs im Doppelpack

22.10. - Teils immer noch sehr trockene Böden

21.10. - Wer hatte Recht?

20.10. - Kulinarisches im Herbst

19.10. - Geschichte der Meteorologie − Teil 20: Meteorologie im 19. Jahrhundert (a)

18.10. - Mission impossible

17.10. - Bunte Satellitenbilder zur Unterscheidung von Wolkentypen

16.10. - Es grünt so grün

15.10. - Kaltfront in Lauerstellung

14.10. - Verifikation von Wettermodellen - Teil 2

13.10. - Tropische Wirbelstürme und ihre Benennung - Teil 2

12.10. - Tropische Wirbelstürme und ihre Benennung - Teil 1

11.10. - Geschichte der Meteorologie − Teil 19: Übertragung meteorologischer Daten mit Telegraphie im 19. Jahrhundert

10.10. - Geschichte der Meteorologie − Teil 18: Aerologie im 18. und 19. Jahrhundert

09.10. - Herbstgewitter über der Nordsee – Das Meer als Gewittermotor

08.10. - Endlich Regen!

07.10. - Ist der Himmel wirklich blau?

06.10. - Niederschlagsdefizit - Was bringt der Wetterwechsel

05.10. - Wetterentwicklung

04.10. - Der dritte im Bunde - MTG-I2