05. Februar 2014 |
Olympische Winterspiele 2014 im frühlingshaften Sotschi
Am Freitag ist es soweit, dann werden die XXII. Olympischen Winterspiele im russischen Sotschi eröffnet. Gestern, am Dienstag, hat sich der größte Teil der deutschen Delegation auf den Weg in Richtung Osten zur russischen Schwarzmeerküste aufgemacht, um bei den Wettkämpfen um Gold, Silber und Bronze auf Schnee und Eis mitzumischen.
Jedoch ist die Küstenstadt Sotschi nicht gerade bekannt für winterliche Bedingungen mit Schnee und Eis. Vielmehr können lokal sogar Palmen begutachtet werden, die ein Symbol für ein maritimes und mildes Klima sind. Aus diesem Grund wurden für die Kufen-Disziplinen große Hallen gebaut und die Schneewettkämpfe in die etwa 30 km nördlich gelegene Schneeregion um "Krasnaja Poljana" in Höhengebieten zwischen 500 und 1000 m ausgegliedert. Doch auf welches Wetter müssen sich nun die Athleten einstellen?
Derzeit wird das Wetter in der Region um Sotschi noch von einem
ausgeprägten Hochdruckgebiet mit Schwerpunkt über der Ukraine
beeinflusst. Bei meist schwachen östlichen bis nordöstlichen Winden
herrscht eine trocken kühle Witterung vor.
An der Schwarzmeerküste um Sotschi stiegen dabei die Temperaturen am
Dienstag (04.02.) auf +9 Grad. Auch in der Schneeregion weiter
nördlich wurden in 600 m Höhe milde +5 Grad gemessen, also wesentlich
zu hohe Temperaturen für Schnee, was sich auch bei den Schneehöhen
bemerkbar macht. Denn eine nennenswerte Schneehöhe wird lediglich in
Lagen oberhalb von etwa 1500 m erreicht. So liegen z.B. in "Teberda"
auf 1328 Meter über NN ganze 5 cm. Größere Mengen gibt es weiter gen
Norden auf dem "Shadzhatmaz" (2069 m) mit 32 cm. Im Raum "Krasnaja
Poljana" findet man die weiße Pracht aber nur noch in exponierten
oder sehr geschützten Lagen an.
Auch in den nächsten Tagen stehen die Weichen für den Raum
Sotschi/Krasnaja Poljana eher auf Frühling als auf Winter. Das
wetterbestimmende Hoch verlagert sich unter Abschwächung weiter nach
Osten, sodass der Einfluss von tieferem Luftdruck aus Westen zunimmt.
Die Strömung dreht dabei von einer östlichen auf eine südliche
Richtung. Infolgedessen wird die noch etwas mildere Schwarzmeerluft
in die Olympiaregion "angesaugt". Bis Sonntag soll die
Höchsttemperatur in Sotschi kontinuierlich auf Werte um 12 Grad
steigen. Auch nachts soll es bei Werten zwischen 0 und +5 Grad
weitestgehend frostfrei bleiben. In den höher gelegenen Regionen (um
600 m) nördlich von Sotschi steigen die maximalen Werte ebenfalls
teils deutlich an. Bei Werten im mittleren einstelligen positiven
Bereich ist kein Schneezuwachs in Sicht. Die Nullgradgrenze liegt
dabei auf etwa 1500 bis 1700 m!
Erst ab Montag kommen aus Westen vermutlich Niederschläge auf, die
allerdings durch die frühlingshaften Temperaturen nur oberhalb von
etwa 1000 bis 1200 m in der festen "weißen" Phase fallen können. Auch
die zahlreichen Schneekanonen werden es bei den milden Temperaturen
schwer haben, das wichtige "Weiß" zu produzieren.
Dipl.-Met. Lars Kirchhübel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.02.2014
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