10:15 MESZ | 07.05.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
Drucken
06. Mai 2026 | M.Sc.Felix Dietzsch

Endlich (zu viel) Regen

Endlich (zu viel) Regen

Datum 06.05.2026

Die Wetterwoche setzt ihren turbulenten Kurs auch heute fort. Vergangene Nacht fielen bereits teils erhebliche Mengen Regen.

Am Ende haben die Modelle einen guten Riecher gehabt. Bereits am gestrigen Dienstag berichteten wir über die bevorstehende Starkregenlage, die vor allem zentrale Landesteile treffen sollte, ausgehend von Ostwestfalen über das nordhessische Bergland sowie Eichsfeld/Kyffhäuser hinweg ins Harzumfeld. Dort sind letzten Endes auch die höchsten Mengen gefallen. Spitzenreiter war dabei die Station in Gräfentonna (Thüringen) mit 67,2 mm in 24 Stunden, gefolgt von Witzenhausen (Hessen) mit 65,1 mm und am Possen (Thüringen) mit 63,1 mm. Das entspricht ziemlich genau den numerischen Vorhersagen, die Mengen von bis zu 70 mm im Gepäck hatten, wobei der Großteil der Niederschläge in einem wesentlich kürzeren Zeitraum gefallen ist. Dementsprechend hoch war auch der sogenannte "Impact", also die Folgewirkungen des Niederschlags. Insbesondere in Nordthüringen kam es zu überfluteten Straßen und Kellern und einigen notwendigen Feuerwehreinsätzen.

Auch abseits dieser unwetterartigen Mengen fielen verbreitet wenigstens 20 bis 40 mm Niederschlag, die damit der vorhergehenden und bereits seit einiger Zeit andauernden Trockenperiode zunächst mal ein Ende bereiteten. Für die meisten dürften die Niederschläge in diesem Fall also mehr Segen als Fluch bedeutet haben.


24-stündige Niederschlagsmenge von Dienstag, 5. Mai, 8 Uhr bis Mittwoch, 6. Mai, 8 Uhr. (Quelle:DWD)



Heute setzt sich der "Spuk" erst noch einmal fort. An der Wetterlage hat sich im Vergleich zu gestern nur sehr wenig geändert. Beachtlich ist mittlerweile die Ausprägung der Luftmassengrenze, die sich im Norden Deutschlands befindet. Dort hat sich seit vielen Stunden ein Regenband formiert, aus dem sich allmählich ein Wellentief zu formen beginnt, gleichzeitig befindet sich am Alpenrand ein veritables Leetief mit deutlich ausgerägtem Druckzentrum und entsprechendem Windfeld um den Tiefkern herum. Das Ergebnis: Während man in und um Bremen bei nasskalten und dauerverregneten 8°C bibbern muss, sind am östlichen Alpenrand mit etwas Föhnunterstützung bereits 24 °C zu verzeichnen. Von dort erstreckt sich eine feuchtwarme Luftmasse bis zum Regenband im Norden, und genau in diesem Bereich hat bereits das große "Geblubber" begonnen. Hauptaugenmerk liegt zunächst auf dem Alpenrand, wo sich bereits zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Beitrags eine unwetterträchtige Gewitterzelle in Form einer Bogenlinie aus den Bergen herausgelöst hat und Richtung München zieht. Mit im Gepäck: Größerer Hagel, Starkregen und (schwere) Sturmböen im Bereich 9-10 Bft, etwa 80 - 90 km/h, im "worst case" auch bis 100 km/h.


Kräftige Superzelle im Radarbild (16:25) mit Zugbahn Richtung München. (Quelle:DWD)



Weitere kräftige Entwicklungen - wenngleich nicht zwingend unwetterträchtig - sind u.a. im Nordthüringer Raum absehbar, wo sich entlang des Südharzes vermehrt Labilität unter ebenfalls günstigen Scherungsbedingungen (Windzunahme mit der Höhe) aufgebaut hat. Auch hier besteht Potential für die Entstehung einer Superzelle, mit Hagel und Sturmböen im Gepäck.

Bis in die Nacht hinein bilden sich anschließend immer mehr Schauer und Gewitter, die schließlich miteinander "verklumpen" - unter Meteorologen als "Cluster" bezeichnet - und schließlich in ungewittrigen Starkregen übergehen. Dieser ergießt sich dann über die nachfolgenden Stunden vor allem über die östlichen Landesteile, bevorzugt vor allem von Thüringen bis nach Oberfranken. Dabei kommen weitere 20 bis 30 mm Niederschlag zusammen, die auch die Regionen betreffen, in denen bereits letzte Nacht schon viel Regen fiel.

Am morgigen Donnerstag ist die eigentlich gar nicht mal so potente Luftmasse dann allmählich "ausgelutscht". Die Luftmassengrenze im Norden löst sich zunehmend auf und die Zahl der Schauer und Gewitter nimmt in der Folge ab. Dort, wo sich nochmals welche bilden, fallen diese auch eine ganze Nummer im Vergleich zu gestern und heute schwächer aus. Ab Freitag übernimmt dann Hochdruckeinfluss das Zepter und hält über das kommende Wochenende hinweg an.



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

06.05. - Endlich (zu viel) Regen

05.05. - Unwetterpotenzial in der Mitte: Starkregen und Gewitter

04.05. - Ausblick in die Wetterwoche

03.05. - Geschichte der Meteorologie – Teil 5: Meteorologie im Spätmittelalter an der Schwelle zur Renaissance

02.05. - Deutschlandwetter im April 2026

01.05. - Facettenreicher Schönwetterhimmel

30.04. - Geschichte der Meteorologie – Teil 4: Meteorologie im Früh- und Hochmittelalter

29.04. - Hoch WINFRIED bestimmt das Wetter – Umstellung zum Wochenende

28.04. - Einheitenchaos - Teil 3: Niederschlag

27.04. - Wettergötter und -propheten Teil 1: Wenn Petrus die Himmelspforte öffnet

26.04. - Hagelereignisse in Deutschland

25.04. - Hochdruck ohne Ende

24.04. - Wie Wetter Geschichte schrieb

23.04. - Flache Kaltluftschicht und große Tagesgänge

22.04. - Über Erhaltungsgrößen - und eine grell-bunte Animation

21.04. - Hoch ULI und die späten Nachtfröste

20.04. - Heftige Regenfälle im Osten und Nordosten

19.04. - Petrichor – Der Duft des Regens

18.04. - Einheitenchaos - Teil 2: Wind

17.04. - Der April auf Achterbahnfahrt!

16.04. - Geschichte der Meteorologie − Teil 3: Meteorologie der Spätantike sowie im europäischen Frühmittelalter

15.04. - Zwischen Hoch und Tief im meteorologischen Niemandsland

14.04. - Hinweise auf ungewöhnlich starken El-Niño im Laufe des Jahres

13.04. - Aktions- und Ehrentage mit meteorologischem Bezug

12.04. - Eine Rückschau und eine Vorschau - wie bewölkt ist es über Deutschland

11.04. - Findet die Trockenheit ihr Ende?

10.04. - Von Türmchen, Fasern und Linsen

09.04. - Tiefs "Saskia" und "Tamina" leiten Wetterumschwung ein

08.04. - Hana-Matsuri

07.04. - Einheitenchaos - Teil 1: Temperatur