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01. Mai 2026 | Dr. rer. nat. Markus Übel

Facettenreicher Schönwetterhimmel

Facettenreicher Schönwetterhimmel

Datum 01.05.2026

Hochdruck, Sonne und weiß-blauer Himmel. Auch schönes und sonniges Wetter hat am Himmel einiges zu bieten – von Haarbüscheln über Flocken bis hin zu Wellen.

Hochdruckwetter ohne Ende – das ist das dominierende Thema beim aktuellen Wetter. In vielen Landesteilen machte die Sonne in den letzten Tagen ordentlich Überstunden und auch am heutigen Maifeiertag herrscht bestes Ausflugswetter. Fans von mehr Action beim Wetter durchleben gerade eine lange Durststrecke und wir Warnmeteorologen leiden aktuell nicht an Überarbeitung. Das für manche scheinbar völlig langweilige Wetter hat aber mehr spannende Wetterphänomene zu bieten als man meinen mag. Schon der weiß-blaue Schönwetter-Himmel liefert reichlich interessante, facettenreiche und mitunter sogar kunstvoll anmutende Wolkenformationen.

Bei meinem ersten Blick aus dem Fenster, am Morgen des letzten Montags (27. April 2026), erweckten sofort wunderschöne faserige Cirrus-Wolken meine Aufmerksamkeit, die den azurblauen Himmel schmückten. Da zögerte ich nicht lange und zückte mein Smartphone für ein „Guten-Morgen-Foto“. Als ich später am Vormittag ganz andere Wolkenmuster am Himmel entdeckte, kam mir die Idee, meine Eindrücke zu den unterschiedlichen Wolkenformationen im Laufe eines sonnigen Tages in einem Thema des Tages zu beschreiben und ein paar meteorologische Erläuterungen dazu zu geben.


Abbildung 1: „Cirrus fibratus“ und „Cirrus spissatus“ am Morgen des 27. April 2026 im südlichen Rhein-Main-Gebiet.


Schauen wir uns zunächst das Foto am Morgen an (Abbildung 1). Wie Federn oder leuchtend weiße Haarbüschel überzogen Cirrus-Wolken den morgendlichen Himmel. Die Bezeichnung „Cirrus“ (Plural: Cirren) kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Haarbüschel“. Genau genommen handelt es sich hierbei um die Wolkenart „Cirrus fibratus“, faserige Cirrus-Wolken. Cirren sind reine Eiswolken. Sie bestehen also aus feinen Eiskristallen und sind in der oberen Troposphäre anzutreffen, in etwa 7 bis 11 Kilometern Höhe. Charakteristisch ist ihre feder- oder haarähnliche Struktur. Enthalten die unterhalb der Cirren befindlichen Atmosphärenschichten relativ wenig Feuchtigkeit und steht die Sonne in einem geeigneten Winkel, sind die faserigen Federwolken – wie im gezeigten Foto – besonders schön anzusehen. In Hintergrund zeigen sich die Cirren etwas kompakter, man spricht dann von der Wolkenart „Cirrus spissatus“ (lateinisch für „verdichtet“).


Abbildung 2: „Cirrocumulus“ mit Wolkenschatten und Nebensonne am Vormittag des 27. April 2026 im südlichen Rhein-Main-Gebiet.


Etwa zwei Stunden später bot der Himmel im südlichen Rhein-Main-Gebiet ein ganz anderes Bild (Abbildung 2). Anstelle der federartigen Cirren dominierten nun Cirrocumulus-Wolken (von lateinisch cumulus „Anhäufung“) den Himmel. Auch hierbei handelt es sich fast ausschließlich um Eiswolken, wobei ein kleiner Anteil unterkühlter Wassertröpfchen in den Wolken enthalten sein kann. Sie entstehen ebenfalls in der oberen Troposphäre. Die wie kleine Wattebäusche anmutenden Wolken treten, wie auch im gezeigten Foto, häufig in größeren Feldern auf. Etwa in der Bildmitte ist ein Band etwas dichterer Bewölkung zu erkennen, das auf seiner linken Seite einen Schatten auf die Cirrocumuli wirft. Schaut man ganz genau hin, erkennt man in diesem Wolkenband sogar eine schwach ausgeprägte Nebensonne. Diese leicht regenbogenfarbigen Flecke entstehen in einem horizontalen Winkel von 22° zur Sonne. Sie werden durch Brechung des Sonnenlichts in Eiskristallen der Wolken hervorgerufen, wodurch das weiße Sonnenlicht in seine Spektralfarben aufgespalten wird.


Abbildung 3: „Cirrocumulus undulatus“ und Schattenwurf eines Kondensstreifens am Vormittag des 27. April 2026 im südlichen Rhein-Main-Gebiet.


Nur eine halbe Stunde später veränderte sich der Himmel erneut (Abbildung 3). Die eher gleichmäßig verteilten Cirrocumuli ordneten sich zunehmend in gerippten Bändern an. Die Rede ist dann von „Cirrocumulus undulatus“ (lateinisch für „wellenförmig“). Diese Muster werden durch Wellenbewegungen der Luft verursacht, die eine Folge von mit der Höhe veränderten Windgeschwindigkeiten (d.h. Windscherung) sind. Rechts oben im Bild ist zudem der Schattenwurf eines Kondensstreifens auf die Cirrocumulus-Wolken zu sehen.


Abbildung 4: „Cirrus fibratus“ mit besonders langen Wolkenfäden, überquert von einem Kondensstreifen am Vormittag des 27. April 2026 im südlichen Rhein-Main-Gebiet.


Fast zeitgleich konnte ich in einem anderen Himmelssektor besonders lange Fasern einer Cirrus-Wolke einfangen (Abbildung 4). Diese ausgedehnten Fäden sind natürlich keine Haarbüschel von greisen Engeln mit Haarausfall. Sie entstehen vielmehr durch eine Verdriftung von fallenden Eiskristallen bei hohen Windgeschwindigkeiten in der Höhe. Beim Fallen ändert sich auch die Windrichtung, wodurch die Kristalle abgelenkt werden und sich im unteren Bereich der Wolke ansammeln. Die Wolke wird zudem von einem Kondensstreifen eines Flugzeugs überquert.


Abbildung 5: „Cirrocumulus undulatus“ mit unterschiedlichen Wellenlängen und Ausrichtungen (rote Markierungen) am Mittag des 27. April 2026 im südlichen Rhein-Main-Gebiet.


Wieder einige Minuten später präsentierte sich der Himmel fast chaotisch (Abbildung 5). Cirrocumulus-undulatus-Wolken zeigten sich in unterschiedlichsten Wellenrichtungen und -längen. In manchen Bereichen überlagerten sich diese Wolken zu karoförmigen Mustern. Die unterschiedlichen Ausrichtungen und Wellenlängen sind das Resultat von Wolken in verschiedenen Höhen mit variierenden Windrichtungen und Wellenbewegungen.


Abbildung 6: „Cirrocumulus undulatus“ am frühen Abend des 27. April 2026 im südlichen Rhein-Main-Gebiet.



Abbildung 7: „Cirrocumulus floccus“ und „Cirrostratus“ am frühen Abend des 27. April 2026 im südlichen Rhein-Main-Gebiet.


Nicht nur der vormittägliche Himmel war facettenreich. Auch in den Abendstunden hatte der Himmel noch einiges zu bieten. Zum einen zog ein Wolkenfeld mit besonders großen und langgezogenen Wellen über den Himmel (Abbildung 6). Die Wellenlänge der atmosphärischen Schwingung war zu diesem Zeitpunkt offenbar besonders groß. Zudem konnte man beim Blick nach Nordwesten weitere Wolkenarten und -gattungen erkennen (Abbildung 7). Zum einen sind in der oberen Bildhälfte die flockenartigen Strukturen des sogenannten „Cirrocumulus floccus“ zu sehen, zum anderen ein „Cirrostratus“ in weiterer Entfernung im unteren Bereich des Fotos. Dabei handelt es sich um eher gleichmäßige und mal mehr, mal weniger dichte Wolkenschichten aus Eiskristallen in der oberen Atmosphäre. Auch eine Nebensonne konnte ich nochmals sichten (nicht gezeigt).

Wie Sie sehen, genügt schon ein kurzer Blick gen Himmel, um selbst bei ruhigem und freundlichem Hochdruckwetter interessante Wettererscheinungen zu entdecken. Wenn Sie mögen, können Sie bei Ihrem nächsten Sonnenbad in der Gartenliege oder beim abendlichen Gassigehen mit dem Hund mal den Himmel beobachten. Vielleicht können Sie einige der hier beschriebenen Formationen aufspüren.



© Deutscher Wetterdienst

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