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03. April 2024 | M.Sc. Kai-Uwe Nerding, RWB Stuttgart

Der Sturmwarndienst am Bodensee – Blinklichter, die Leben retten

Der Sturmwarndienst am Bodensee – Blinklichter, die Leben retten

Datum 03.04.2024

Am 1. April ging es wieder los: Die Sommersignalisationszeiten der Sturmwarnleuchten am Bodensee verlängerten sich von 7 – 20 Uhr (Wintersaison: 1. November bis 31. März) auf die Zeit von 6 – 22 Uhr.
Aber um was geht es eigentlich dabei?

Die Gründung des Sturmwarndienstes Bodensee geht auf ein Sturmereignis im Jahr 1937 zurück. Damals starben am 18. Juli sieben Menschen. 1957 wurde dann die Vereinbarung über den Sturmwarndienst gefasst. In den Jahren darauf bildete sich eine Arbeitsgruppe, welche sich mit den Windsystemen am Bodensee befasste: Die sogenannte Internationale Sturmwarnkonferenz. Und Windsysteme gibt es am Bodensee einige, alleine aufgrund der Nähe zu den Alpen. Beispielhaft lässt sich hier der Föhn nennen, welcher regelmäßig auf den Ostteil und – bei besonders kräftigen Föhnereignissen – sogar bis auf den Mittelteil des Sees ausgreift. Der föhnreichste Monat im Jahr ist übrigens der aktuelle April.


Abbildung 1: Sturmwarnleuchte Dingelsdorf (Quelle: deutsche-leuchtfeuer.de) (Quelle (Quelle: deutsche-leuchtfeuer.de))


Die Aufteilung des Sees in West, Mitte und Ost fand übrigens erst im Jahr 2000 statt, als die Mitglieder der Internationalen Sturmwarnkonferenz beschlossen, ein kleinräumigeres und detailliertes Warnmanagement umzusetzen, was durch eine Aufteilung von bisher zwei (West/Ost) auf die genannten drei Seeteile gelang. So kann den Bedürfnissen der Seenutzer sowie der Wasserschutzpolizei Rechnung getragen werden. Diese profitieren in großem Maße vom Sturmwarndienst Bodensee, was sich in Lob und Dank gegenüber den zuständigen Wetterdiensten MeteoSchweiz, GeoSphere Austria und dem Deutschen Wetterdienst äußert.

Die aktive Ausübung des Sturmwarndienstes führen MeteoSchweiz und der Deutsche Wetterdienst in gemeinsamer Absprache durch. Das heißt, es werden Warnungen je nach Windstärke in zwei Stufen ausgesprochen und im Sommerhalbjahr zwischen 6 und 22 Uhr über Sturmwarnleuchten entlang des Ufers signalisiert:

• Stufe 1: Starkwindwarnung. Ab 25 Knoten (46 km/h).
• Stufe 2: Sturmwarnung. Ab 34 Knoten (63 km/h).

Bei großen Festlichkeiten im Sommer findet zum Teil eine Ausweitung der Signalisationszeiten bis auf 24 Uhr statt. Großereignisse wie das Seenachtfest Konstanz/Kreuzlingen und die „RundUm” werden sogar die ganze Nacht hindurch betreut.
Die Signalisation zeigt an insgesamt 30 installierten Leuchten ein zu erwartendes Windereignis der Stufe 1 mit 40 Blitzen pro Minute und ein Windereignis der Stufe 2 mit 90 Blitzen pro Minute an. So ist für den Seenutzer auf dem Wasser direkt zu erkennen, welche Maßnahmen er einleiten sollte, um sich und seine Mitmenschen in Sicherheit bringen zu können. Meist bleibt hierfür noch genug Zeit, da der Sturmwarndienst Bodensee vorausschauend agiert und in der Regel etwa eine Stunde vor Erreichen bzw. Überschreiten der Warnschwellen tätig wird.


Abbildung 2: Aufteilung des Bodensees in die Gebiete West, Mitte und Ost (Quelle: deutsche-leuchtfeuer.de) (Quelle (Quelle: deutsche-leuchtfeuer.de))


Neu seit 2024 ist eine rundum erneuerte Software und Ansteuerungstechnik der Warnbeleuchtung, die durch die Stadtwerke Konstanz unter Federführung des Schifffahrtsamtes Konstanz entwickelt und umgesetzt wurde. Damit wurde es auch möglich, dass von nun an der Deutsche Wetterdienst am Standort Stuttgart die Signalisation der Leuchten auf baden-württembergischer, bayrischer und österreichischer Seite übernimmt. Zuvor wurde diese Aufgabe von der Wasserschutzpolizei Konstanz wahrgenommen. So wurde nicht nur die Lampensteuerung optimiert, sondern durch die Einsparung eines Zwischenschrittes und damit wertvoller Zeit auch die Effizienz erhöht. Damit kann sich die Wasserschutzpolizei nun noch intensiver um in Seenot Geratene kümmern und ihren anderen wichtigen Aufgaben nachkommen.
Der Deutsche Wetterdienst wünscht allen eine gute und sichere Sommersaison am oder auf dem Bodensee.



© Deutscher Wetterdienst

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