22:46 MESZ | 07.04.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
Drucken
21. September 2023 | M.Sc Sebastian Altnau

Tagundnachtgleiche lÀutet (kalendarischen) Herbstbeginn ein

Tagundnachtgleiche lÀutet (kalendarischen) Herbstbeginn ein

Datum 21.09.2023

Mit der unmittelbar bevorstehenden Tagundnachtgleiche geht der Sommer auf der Nordhalbkugel zu Ende und am kommenden Samstag beginnt der kalendarische Herbst. Was eine Tagundnachtgleiche ist und wie sie die Jahreszeiten verursacht, klÀren wir im heutigen Thema des Tages.

In den vergangenen Wochen war es deutlich spĂŒrbar: Die Tage wurden merklich kĂŒrzer und die NĂ€chte lĂ€nger. Besonders in den Abendstunden ist es am ehesten wahrnehmbar, dass die Sonne zeitiger untergeht. Aber auch den morgendlichen Arbeitsweg beginnen viele nun schon im Dunkeln oder zumindest in der DĂ€mmerung. Ein untrĂŒgliches Zeichen, dass das Jahr fortgeschritten ist und wir uns dem kalendarischen Herbstbeginn nĂ€hern.

Am kommenden Samstag, den 23. September 2023, ganz genau um 08:50 Uhr MitteleuropĂ€ische Sommerzeit beginnt der Herbst. Zu diesem Zeitpunkt zieht die Sonne direkt ĂŒber den ErdĂ€quator hinweg. Die Sonne geht an diesem Tag ĂŒberall auf der Erde fast genau im Osten auf und im Westen unter. Man spricht dabei von der Tagundnachtgleiche oder dem Äquinoktium (von lat aequus – gleich und nox – Nacht). WĂ€hrend bei uns auf der Nordhalbkugel also die dritte Jahreszeit beginnt, markiert das Äquinoktium auf der SĂŒdhalbkugel den Beginn des FrĂŒhlings. Am Tag des Äquinoktiums dauern somit lichter Tag und Nacht ĂŒberall auf der Erde zumindest theoretisch gleich lang.

Jedem ist bekannt, dass Jahreszeiten existieren. Aber wodurch entstehen sie? Das ist eine Frage, bei deren Beantwortung viele Menschen regelmĂ€ĂŸig in eine kleine Falle tappen. Oft hört man, dass es auf der Erde kĂ€lter wird, wenn sie sich weiter von der Sonne entfernt, und wĂ€rmer, wenn sie nĂ€her an unsere WĂ€rmequelle herankommt. Schließlich reist unser Planet auf einer Umlaufbahn um die Sonne, die kein perfekter Kreis, sondern eher eine Ellipse ist. Die Schlussfolgerung aus dieser Tatsache ist jedoch falsch. Unser Erdorbit weicht nur zu drei Prozent von einem Kreis ab. Im nördlichen Winter ist die Sonne der Erde eigentlich am nĂ€chsten und im Sommer am weitesten entfernt. An der unterschiedlichen Entfernung zur Sonne liegt es also nicht. Was beschert uns dann die Jahreszeiten?


Äquinoktien im September und MĂ€rz (Quelle Wikimedia Commons, Horst Frank)


Die Antwort ist schlicht gesagt: die Neigung! Die Erdachse ist relativ zur Sonne gesehen nicht senkrecht ausgerichtet, sondern steht in einem leicht schrĂ€gen Winkel von etwa 23,5 Grad. WĂ€hrend sich die Erde um die Sonne dreht, bleibt dieser Winkel erhalten, weshalb das Licht der Sonne nicht direkt auf die komplette ErdoberflĂ€che trifft (Abbildung 1). Wenn die NordhemisphĂ€re der Sonne weggeneigt ist, werden deren Lichtstrahlen nur in einem schrĂ€gen Winkel aufgefangen. WĂ€hrend dieser Phase herrschen kĂŒrzere und somit in der Regel auch kĂŒhlere Tage. Gleichzeitig ist die sĂŒdliche HemisphĂ€re der Sonne zugeneigt, weshalb ihre Strahlen in einem steileren Winkel eintreffen und fĂŒr lĂ€ngere Tage sorgen. Nur zweimal im Jahr wird die Erde gleichmĂ€ĂŸig in das Licht der Sonne getaucht - nĂ€mlich zu den Tagundnachtgleichen. Das zweite Äquinoktium findet um den 21. MĂ€rz statt, wenn sich die eben beschriebenen Gegebenheiten auf der nördlichen und sĂŒdlichen HemisphĂ€re umkehren. Die Äquinoktien selbst definieren nur den Zeitpunkt eines Ereignisses. Sie finden nicht wirklich statt, wenn der Tag und die Nacht gleich lang sind, obwohl man das vielleicht annehmen wĂŒrde. Eigentlich ist es der Zeitpunkt, zu dem die Sonne am Äquator genau im Zenit und die Sonnenstrahlen dort im 90 Grad Winkel auf die ErdoberflĂ€che treffen. Dann sind Tag und Nacht ĂŒberall auf der Erde nahezu gleich lang.

In unseren Breiten allerdings sind zum Äquinoktium Tag und Nacht nicht exakt gleich lang und es ergibt sich ein Unterschied von einigen Minuten. Der Tag erscheint tatsĂ€chlich etwas lĂ€nger als die Nacht. Zum einen erklĂ€rt sich diese Diskrepanz durch die Ausdehnung der Sonnenscheibe. WĂ€hrend der Äquinoktien wird der geometrische Mittelpunkt der Sonnenscheibe betrachtet, der an diesen Tagen etwa 12 Stunden oberhalb des Horizontes steht. Da allerdings die ersten und letzten Sonnenstrahlen eines Tages vom oberen Rand der Sonnenscheibe ausgehen, dauert der Tag also etwas lĂ€nger. Zum anderen spielt die Brechung des Sonnenlichts durch die AtmosphĂ€re eine Rolle. Die ErdatmosphĂ€re beugt das Licht, weshalb es aussieht, als befĂ€nde sich die Sonne noch ĂŒber dem Horizont, obwohl sie bereits untergegangen ist. Der Kalendertag, an dem tatsĂ€chlich zwölf Stunden lichter Tag und zwölf Stunden Nacht herrschen, ist somit um ein paar Tage in Richtung Wintersonnenwende verschoben. Dieser Tag wird als Equilux bezeichnet und liegt fĂŒr den 50. Breitengrad (geografische Breite von Frankfurt am Main) um den 25 September.


Vorhersage Wetter und Höchstwerte in Deutschland am Samstag, den 23.09.2023


Zur diesjĂ€hrigen Tagundnachtgleiche hĂ€lt sich das Wetter zumindest ein wenig an die Vorgaben (Abbildung 2). Der Samstag gestaltet sich vor allem in der NordwesthĂ€lfte mit einzelnen Schauern leicht wechselhaft. Insbesondere an der See kann auch mal ein kurzes Gewitter dabei sein. SĂŒdlich der Donau muss man sich bei dichter Bewölkung mit zeitweisem Regen begnĂŒgen. In den Regionen vom SĂŒdwesten bis in den Nordosten hingegen zeigt sich neben einigen Quellwolken hĂ€ufiger die Sonne bei nur geringer Schauerneigung. WĂ€hrend in AlpennĂ€he die Höchstwerte unter 15 Grad verharren, klettert das Quecksilber in den ĂŒbrigen Regionen auf 16 bis 21 Grad.



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

07.04. - Einheitenchaos - Teil 1: Temperatur

06.04. - Start in die neue Woche: Freundlich und im Prinzip störungsfrei

05.04. - Geschichte der Meteorologie − Teil 2: Meteorologie im letzten Jahrtausend vor der christlichen Zeitenwende

04.04. - Warum ist der Himmel blau? – Und was hat die Luftfeuchtigkeit damit zu tun?

03.04. - Geschichte der Meteorologie − Teil 1: Von den AnfĂ€ngen zur Meteorologie in den verschiedenen Hochkulturen des Altertums

02.04. - Deutschlandwetter im MĂ€rz 2026

01.04. - DWD trifft auf Filmlegende!

31.03. - Polynjen - besondere Orte in polaren Gebieten

30.03. - Das "Aprilwetter"

29.03. - Blick in die Karwoche

28.03. - Wie weit fortgeschritten ist die Vegetation?

27.03. - Was ist das fĂŒr ein Theater?!

26.03. - Wie trocken ist es in Deutschland?

25.03. - Genormt bis unters Dach: Die StandardatmosphÀre

24.03. - Harry Houdini

23.03. - Auf BilderbuchfrĂŒhling folgt jĂ€her Absturz

22.03. - Die Vegetationsbrandgefahr im FrĂŒhjahr

21.03. - Geografie und Topografie

20.03. - Hitzewelle in den USA erreicht vorlÀufigen Höhepunkt

19.03. - Das Wetter zum FrĂŒhlingsanfang

18.03. - Als Deutschland im Schnee versank: Der strenge Winter 2005/2006

17.03. - Christian Andreas Doppler

16.03. - Nach turbulentem Wochenstart kehrt der FrĂŒhling zurĂŒck

15.03. - Gezeiten an Nord- und Ostsee, Windstau- und Sturmflutwarndienst und amphidromische Punkte

14.03. - Aprilwetter - der MĂ€rz ĂŒbt schon mal

13.03. - Wie wahrscheinlich ist die Hitzewelle im Westen der USA?

12.03. - Luftmassen

11.03. - Wetterumstellung ante portas!

10.03. - Frag doch mal die Maus

09.03. - Ozeanische Strömungen