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18. Dezember 2021 |

Kleine Synoptikkunde (11) - Wann schneit es eigentlich?

Kleine Synoptikkunde (11) - Wann schneit es eigentlich?

Datum 18.12.2021

Passend zur Jahreszeit bietet es sich an, mal in die gĂ€ngige Vorhersage-Praxis zu schauen um die folgende Frage zu beantworten: Welche Voraussetzungen braucht es fĂŒr Schneefall und wie lĂ€sst sich die Höhe der Schneefallgrenze abschĂ€tzen?

Es steht mal wieder das Weihnachtsfest vor der TĂŒr. Damit kommen entsprechend auch - wie jedes Jahr so ĂŒblich - die gĂ€ngigen Fragestellungen wieder auf. Eine davon kennt mit Sicherheit jeder unserer geneigten Leser: Wird es in diesem Jahr weiße Weihnachten geben? Nun, fĂŒr das laufende Jahr ist das noch gar nicht klar, wie bereits im gestrigen Beitrag zum Thema des Tages ausfĂŒhrlich erlĂ€utert wurde (https://t1p.de/dwdtdt211217). Da liegt es nahe, im Zuge dieses Kapitels der "Kleinen Synoptikkunde" etwas RĂŒstwerkzeug an die Hand zu geben, um sich selber ein zumindest grobes Urteil ĂŒber die Chancen auf Schnee bilden zu können.


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ZunĂ€chst muss man dafĂŒr die Frage beantworten, unter welchen Bedingungen ĂŒberhaupt Schnee fallen kann. Rein intuitiv wĂŒrde man jetzt sagen: Klar, wenn am Boden die Temperatur unter 0 Grad fĂ€llt. Das ist zumindest nicht falsch, aber auch nicht die ganze Wahrheit. Viel wichtiger - und das gilt oft auch allgemein - ist, was sich in der Höhe abspielt. Eine Grundbedingung fĂŒr Schneefall ist entsprechende KĂ€lte in der Höhe.

Niederschlagsbildung in Wolken findet in unseren Breiten meist bei Temperaturen von unter -10 Grad statt. Damit dieser Niederschlag aber auch in Form von Schnee am Boden ankommt, sollte es bis zum Boden möglichst auch nicht wĂ€rmer als 0 Grad werden. Um eine solche AbschĂ€tzung treffen zu können, bedient man sich der Temperaturkarte im Druckniveau von 850 hPa. Dieses Niveau befindet sich als grobe Faustformel etwa 1,5 Kilometer ĂŒber dem Meeresspiegel. Der Grund fĂŒr die Wahl dieser Höhe ist die Tatsache, dass es sich noch oberhalb der darunterliegenden Grenzschicht im Bereich der freien AtmosphĂ€re befindet und somit frei von bodennahen StöreinflĂŒssen ist. Aber zunĂ€chst zurĂŒck zur Temperatur. Ausgehend vom Niveau 850 hPa und der dazugehörigen Höhe kann man bis BodennĂ€he einen feuchtadiabatischen Temperaturgradienten annehmen, insbesondere bei Vorhandensein von Niederschlag. Dieser betrĂ€gt etwa 0,65 Kelvin pro 100 m Höhenunterschied. Das heißt, dass die Temperatur mit 100 m Höhenzunahme im Mittel um 0,65 Grad abnimmt. Somit lĂ€sst sich aus der bekannten Temperatur in 850 hPa und dem feuchtadiabatischen Gradienten auf die Höhe schließen, in der die Temperaturmarke von 0 Grad Celsius erreicht wird.

Einen Fakt darf man dabei aber nicht vernachlĂ€ssigen: Die Höhe der 850 hPa-DruckflĂ€che selber liegt eben nicht exakt in 1,5 Kilometern Höhe, sondern schwankt mit den generell herrschenden DruckverhĂ€ltnissen. Das bedeutet, dass man sich zur AbschĂ€tzung der Schneefallgrenze neben der Temperatur auch das Geopotential der 850 hPa-FlĂ€che betrachten muss, aus dem man deren Höhe ablesen kann. BezĂŒglich genauerer AusfĂŒhrungen ĂŒber das Geopotential sei hierbei auf das Kapitel 1 der "Kleinen Synoptikkunde" unter t1p.de/geopot verwiesen. Der Einfachheit halber kann man annehmen, dass die geopotentielle Höhe mit der geometrischen Höhe identisch ist und der dabei gemachte Fehler vernachlĂ€ssigt werden kann, gerade im Hinblick auf die generelle Ungenauigkeit der durchgefĂŒhrten AbschĂ€tzung.

Noch eine weitere Schwierigkeit gilt es zu berĂŒcksichtigen, wenn man eine halbwegs realistische SchĂ€tzung der Schneefallgrenze treffen will. TatsĂ€chlich geht der Schnee beim Erreichen der 0 Grad-Grenze nicht urplötzlich in Regen ĂŒber, sondern beginnt erst ganz allmĂ€hlich zu schmelzen und fĂ€llt dabei weiter nach unten. Als geeignete Referenz bietet sich daher eher die sogenannte Feuchttemperatur an. Diese Temperatur ist ein Maß dafĂŒr, auf welche Temperatur eine OberflĂ€che durch Verdunstung mit der anwesenden Luftmasse abgekĂŒhlt werden kann und liegt zwischen Taupunkt und tatsĂ€chlicher Temperatur. Eine Faustregel lautet hier, dass der Niederschlag bis zu einer Feuchttemperatur von etwa 1 bis 1,3 Grad Celsius als Schnee fĂ€llt. Da die Feuchttemperatur aber wesentlich schwieriger zu bestimmen ist als die tatsĂ€chliche Temperatur, trifft man hier einfach die Annahme, dass bis zu einer Lufttemperatur von +2 Grad der Niederschlag als Schnee fĂ€llt. Das bedeutet fĂŒr unser AbschĂ€tzungsverfahren, dass nicht die Grenze von 0 Grad, sondern von +2 Grad als Schneefallgrenze mit Hilfe des feuchtadiabatischen Temperaturgradienten bestimmt wird. Als ganz einfache Faustregel fĂŒr die Flachlandbewohner lĂ€sst sich abschließend noch ausfĂŒhren, dass fĂŒr Schneefall bis "ganz runter" die 850 hPa-Temperatur wenigstens -5 Grad, besser aber -7 Grad oder weniger betragen sollte.

M.Sc. Felix Dietzsch

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 18.12.2021

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