15:08 MESZ | 24.09.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
Drucken
13. Dezember 2019 |

Stürmische Zeiten im Mittelmeerraum

Stürmische Zeiten im Mittelmeerraum

Datum 13.12.2019

Eine starke Tiefdruckaktivität sorgt in einigen Mittelmeerregionen für recht stürmisches und unbeständiges Wetter. Nachfolgend werden die Details erläutert.

Stürmische Zeiten im Mittelmeerraum. Nicht nur hier in Deutschland ist der Wetter recht unbeständig und zum Teil recht windig, auch in der beliebten Urlaubsregion im Mittelmeerraum sorgt eine regelrechte starke Tiefdruckaktivität für Sturm und zum Teil starke Regenfälle.



Während Tief "Toni II" aktuell unser Wettergeschehen beeinflusst mit Regen, Schnee und starkem Wind, bringt Tief "Uwe" in Italien und später in den Regionen im östlichen Mittelmeerraum alles, was die Wetterküche zu bieten hat: Regen, Schnee, Gewitter und Sturm.

Tief "Uwe" ist ein sogenanntes "Genuatief". Ein Genuatief ist ein sich vor allem durch den Einfluss der Alpen (Lee-Effekt) entwickelndes Tiefdruckgebiet über dem Golf von Genua. Die Voraussetzungen sind das Einfließen von Kaltluftmassen in den westlichen Mittelmeerraum und das Überströmen von orografischen Hindernissen wie die Alpen.

Tief "Uwe" liegt am heutigen Freitag über dem Golf von Genua und zieht im Laufe des Tages zur Adria und erreicht am Samstag schließlich Griechenland. Durch den starken Luftdruckunterschied zwischen dem Azoren-Hoch (1033 hPa) und dem sich verstärkenden Tief "Uwe" (982 hPa) kann sich ein nennenswerter Druckgradient entwickeln. Je größer der Druckgradient zwischen Hochs und Tiefs ist, desto stärker ist der daraus resultierende Wind.

Man spricht bei einer solchen Wetterlage (Hoch über den Azoren und Tief über Oberitalien) von einer "Mistralwetterlage". Die Folge ist ein ausgewachsenes Sturmfeld an der Westflanke des Tiefs "Uwe". Der nordwestliche Wind, der "Mistral" erreicht entsprechend heute und in der Nacht zum Samstag im zentralen Mittelmeerraum volle Sturmstärke. Dabei werden von der Provence, Sardinien und Korsika über Süditalien bis nach Griechenland verbreitet schwere Sturmböen um 100 km/h, über dem offenen Meer und in den Hoch- und exponierten Lagen Orkanböen um 120 km/h erwartet. In den Gipfellagen der Berge auf Sardinien und Sizilien sowie in Kalabrien treten sogar extreme Orkanböen über 140 km/h auf.

Nicht nur über Land sorgt der Sturm für Behinderungen, sondern auch auf dem Wasser. Denn durch den Sturm werden die Gewässer um Italien regelrecht aufgewühlt. Riesige Wellen zwischen 6 und 9 m werden auf die exponierten Küstenabschnitte brechen. Die Fährverbindungen zu den italienischen Kleininseln wie die Liparischen Inseln werden dann eingestellt.

Dazu kommt es in den an das Tyrrhenische Meer angrenzenden Gebieten Italiens sowie von Slowenien bis nach Griechenland zu ergiebigen Niederschlägen. Die Mengen liegen zwischen 50 und 100 Liter pro Quadratmeter in 24 Stunden. Auf den Bergen fallen diese Mengen als Schnee. Auch in Oberitalien geht der Regen zum Teil bis in tiefe Lagen in Schnee über.

Danach beruhigt sich das Wetter schnell wieder. Schon ab Sonntag stellt sich im Mittelmeerraum Hochdruckeinfluss ein. Viel Sonnenschein, schwacher Wind, ruhiger Seegang und fast frühlingshafte Temperaturen sind dann die Begleiterscheinungen. Dies sind gute Voraussetzungen für einen Kurzurlaub dort, oder?

Dipl.-Met. Marco Manitta

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 13.12.2019

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

24.09. - Flugwettervorhersagen: Der GAFOR

23.09. - Die dritte Jahreszeit

22.09. - In den Nächten zeigt sich der Herbst

21.09. - Ruhiger Start in den Herbst

20.09. - Europawetter

19.09. - Westeuropa blockiert erneut

18.09. - Zwischen Spätsommer und Frühherbst

17.09. - Weltwetterorganisation: Der globale Wasserkreislauf gerät aus den Fugen

16.09. - Sonnenscheinreiches Jahr 2026 – Erste Zwischenbilanz

15.09. - Ungewöhnlich ruhiger tropischer Atlantik!

14.09. - Magdeburger Halbkugeln - Auf der Suche nach dem Nichts

13.09. - Geschichte der Meteorologie − Teil 17: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (c) und internationale meteorologische Konferenzen

12.09. - Wo endet die Atmosphäre, wo beginnt der Weltraum?

11.09. - Verifikation von Wettermodellen

10.09. - Stark- und Dauerregen von Mittelitalien bis nach Österreich

09.09. - Tschüss Hochsommer, hallo Spätsommer und Frühherbst

08.09. - Geschichte der Meteorologie – Teil 16: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (b)

07.09. - Geschichte der Meteorologie − Teil 15: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (a)

06.09. - "WeatherNext3" – Wie zuverlässig ist ein KI-Modell ohne explizite Physik?

05.09. - Kopfschmerzen durch Wetter

04.09. - Zwischen Sturm und Spätsommer

03.09. - Deutschlandwetter im Sommer 2026

02.09. - Deutschlandwetter im August 2026

01.09. - Der Einfluss großer Windparks auf Wetter und Niederschlag

31.08. - Wie wird eigentlich ... gemessen? - Temperatur

30.08. - Kommt die hochsommerliche Hitze zurück?

29.08. - Hurrikan KATRINA: Heute vor 21 Jahren

28.08. - Göttliche Zeichen am Himmel? – Historische Interpretationen von Halos

27.08. - Die atlantische Hurrikansaison 2026: Ein Update

26.08. - Marine Hitzewellen