Um die physikalischen AblĂ€ufe, die fĂŒr das Wetter verantwortlich sind, mathematisch beschreiben und vorhersagen zu können, verwendet man komplexe Computerprogramme, die sogenannten numerische Wettervorhersagemodelle. Bevor mit diesen Modellen ĂŒberhaupt das Wetter fĂŒr die Zukunft vorhergesagt werden kann, muss man zu allererst wissen, wie das Wetter - oder besser gesagt der Zustand der AtmosphĂ€re - zum aktuellen Zeitpunkt aussieht. Was auf den ersten Blick ganz banal erscheinen mag, ist in der RealitĂ€t gar nicht so leicht zu erfassen. FĂŒr eine exakte Wetteranalyse wĂŒrde man rund um den Globus zu Land wie zu Wasser unendlich viele Wetterstationen benötigen, die nicht nur Wind, Temperatur, Luftdruck, Feuchte und Niederschlag am Boden, sondern auch in unterschiedlichen AtmosphĂ€renhöhen messen mĂŒssten. AuĂerdem mĂŒssten diese Messungen unendlich genau sein. Beides ist völlig utopisch.
Am Boden hat man zumindest auf dem Festland noch "ganz gute Karten". Wetterstationen messen nach weltweit einheitlichen Standards alle wichtigen Wetterparameter. Allerdings sind diese Stationen von Staat zu Staat rĂ€umlich sehr unterschiedlich verteilt. Mit insgesamt ĂŒber 500 hauptamtlichen und automatischen Wetterstationen und 931 Niederschlagsstationen (Stand: Juli 2017) besitzt der Deutsche Wetterdienst in Deutschland eines der dichtesten Messnetze weltweit. Aber selbst dieses reicht bei Weitem nicht aus, um die AtmosphĂ€re in BodennĂ€he exakt beschreiben zu können. Gerade kleinrĂ€umige PhĂ€nomene wie Gewitter mit Sturmböen, Platzregen oder Hagel ziehen nicht selten an Wetterstationen vorbei und werden so nicht erfasst. Noch problematischer wird es, wenn man die Kontinente verlĂ€sst. Auf den Ozeanen, die flĂ€chenmĂ€Ăig den gröĂten Teil unserer Erde ausmachen, sind noch deutlich weniger Wetterinformationen verfĂŒgbar. Lediglich einige Bojen an der MeeresoberflĂ€che und Schiffe senden Wetterdaten ins globale Messnetz.
Aber es sind nicht nur die bodennahen Messdaten von Bedeutung. FĂŒr die Wetterprognose mindestens genauso wichtig ist der der Zustand der AtmosphĂ€re in der Höhe. Klassisch bestimmt man diesen mit sogenannten Radiosonden. Diese mit Helium gefĂŒllten Wetterballons lĂ€sst man mit MessgerĂ€ten bestĂŒckt mehrmals am Tag in atmosphĂ€rische Höhen bis etwa 35 km aufsteigen. Entlang ihrer Flugbahn liefern sie Informationen darĂŒber, wie sich zum Beispiel Temperatur und Feuchte mit zunehmender Höhe verĂ€ndern. Jedoch ist die Anzahl an Radiosondenaufstiegen viel geringer als Bodenmessstationen und diese allein wĂŒrden fĂŒr eine adĂ€quate Wetteranalyse nicht ausreichen. In Deutschland gibt es insgesamt 11 Standorte, an denen regelmĂ€Ăig Ballonaufstiege stattfinden. ZusĂ€tzlich zeichnen auch Flugzeuge Wetterdaten auf.
Aber welche Möglichkeiten gibt es noch, um an die fĂŒr Wettermodelle notwendigen dreidimensionalen Informationen zu kommen? Allen voran sind hier Wettersatelliten zu nennen. Diese bieten viele Vorteile. Sie können groĂrĂ€umige Wettersysteme genauso erfassen wie kleinrĂ€umige Unwetter. Zudem ĂŒberblicken sie die riesigen meteorologischen DatenwĂŒsten der Erde. Die geostationĂ€ren Satelliten durchleuchten aus einer Höhe von knapp 35800 km die AtmosphĂ€re im sichtbaren und infraroten Bereich. WĂ€hrend man im sichtbaren Kanal die Verteilung der Wolken von oben sehen kann, liefert uns die Infrarotstrahlung Informationen zur Verteilung von Temperatur und Wasserdampf in der AtmosphĂ€re. Durch aufwĂ€ndige Nachbearbeitung dieser Satelliteninformationen erhalten wir Meteorologen so ein dreidimensionales Bild der globalen WetterkĂŒche, inklusive Temperatur, Feuchte, Niederschlag, Windgeschwindigkeit und Windrichtung. Der einzige Haken an der Sache ist, dass diese Informationen zwar rĂ€umlich lĂŒckenlos, aber recht ungenau sind - also genau das Gegenteil von erdgebundenen Messstationen, die zwar ziemlich prĂ€zise messen, aber nur punktuell vorhanden sind.
Kommen wir nun zurĂŒck zur Wettervorhersage. Bevor mit der Berechnung des zukĂŒnftigen Wetters begonnen werden kann, wird eine sogenannte Modellanalyse erstellt. Dazu nimmt man als grobe AbschĂ€tzung die Vorhersage der vorherigen Modellberechnung fĂŒr den aktuellen Zeitpunkt und korrigiert diese mit den oben genannten Messungen. Dieser Prozess wird Datenassimilation genannt. Dadurch erhĂ€lt man ein bestmögliches Abbild der AtmosphĂ€re, das als Startpunkt fĂŒr die numerische Wetterprognose dient. Da dieses Abbild aber nie exakt bestimmbar ist, versteht es sich von selbst, dass auch keine Vorhersage exakt sein kann. Dass dazu auch noch zahlreiche Vereinfachungen bei den eigentlichen Modellberechnungen selbst hinzukommen, wurde bereits in vorherigen Themen des Tages erklĂ€rt (siehe unten angefĂŒgte Links). Das Wetter wird also auch in Zukunft immer fĂŒr Ăberraschungen gut sein.
Dr. rer. nat. Markus Ăbel
Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 17.03.2019
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