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30. August 2017 |

Der indische Sommermonsun

Der indische Sommermonsun

Datum 30.08.2017

Der Sommer auf dem Indischen Subkontinent wird durch den regnerischen SĂŒdwestmonsun bestimmt. Nachdem in den vergangenen Tagen sintflutartige NiederschlĂ€ge am Mittel- und Unterlauf des Ganges verheerende Überschwemmungen mit mehreren hundert Toten verursachten, legt der Monsunregen seit gestern die indische Millionenmetropole Bombay lahm. Das AuswĂ€rtige Amt hat fĂŒr Teile des Bundesstaates Maharashtra eine Reisewarnung herausgegeben.

Monsune sind großrĂ€umige, mit bestĂ€ndigen Winden einher gehende Luftströmungen in den Tropen und niederen Subtropen mit halbjĂ€hrlichem Richtungswechsel. Ihre Ursache sind die unterschiedliche ErwĂ€rmung von Meer und Land sowie die damit zusammenhĂ€ngende, jahreszeitliche Verlagerung der innertropischen Konvergenzzone (ITCZ), einem durch ErwĂ€rmung der bodennahen Luftschichten und Konvektion verursachten, weltumspannenden TiefdruckgĂŒrtel. In SĂŒd- und SĂŒdostasien, aber auch in Westafrika, findet man klimaprĂ€gende regionale Monsune, unter denen der "indische Monsun" der gewaltigste ist. Im Gegensatz zu den anderen Monsunsystemen, die man vor allem als großrĂ€umige Land- und Seewind-Zirkulation auffassen kann, spielen beim indischen Monsun auch dynamische Prozesse in der mittleren und höheren TroposphĂ€re eine wichtige Rolle, deren Ursache die besondere Lage des indischen Subkontinents und seine nordöstliche Begrenzung durch den Himalaya und das sich anschließende Hochland von Tibet sind.


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Im FrĂŒhjahr wandert mit zunehmendem Sonnenstand auf der NordhemisphĂ€re die innertropische Konvergenzzone (ITCZ) nach Norden und auch das Festland SĂŒdasiens erwĂ€rmt sich stark. Über dem Tiefland des indischen Subkontinents bildet sich ein ausgedehntes thermisches Tiefdruckgebiet ("Hitzetief"). Die umgebenden Meere sind dagegen etwas kĂŒhler, dort herrscht im Bodenniveau höherer Luftdruck. Diese bodennahen Druckunterschiede treiben eine großflĂ€chige Luftströmung in Richtung des sĂŒdasiatischen Hitzetiefs an - den indischen Sommermonsun, der etwa von Ende Mai/Anfang Juni bis Ende September/Anfang Oktober dauert. Infolge der Coriolis-Kraft werden großrĂ€umige Horizontalbewegungen auf der Nordhalbkugel nach rechts, auf der SĂŒdhalbkugel nach links abgelenkt. Dementsprechend wird der Sommermonsun nach der Passage des Äquators zum SĂŒdwestmonsun.

Außerdem kann der indische SĂŒdwestmonsun durch das im FrĂŒhjahr entstandene Hitzetief ĂŒber SĂŒdasien ("Monsuntief") eine markante Ostwindkomponente entwickeln ("bengalischer Ast" des Monsuns). Dadurch erklĂ€rt sich auch das Fortschreiten des in seiner IntensitĂ€t raum-zeitlich stark variierenden Monsunregengebietes ("Monsunfront") in nordwestlicher Richtung, vom Golf von Bengalen bis zum Aravalli-Gebirge (Rajasthan, Nordwestindien) oder sogar bis zum Indus (Punjab, Pakistan) im Verlaufe der ersten HĂ€lfte des nordhemisphĂ€rischen Sommers. Da der (in der Vertikalen etwa 3000 m mĂ€chtige) indische Sommermonsun ĂŒber weite und relativ warme MeeresflĂ€chen weht, kann sich die Luft mit Wasser anreichern. Der Sommermonsun ist also feuchtwarm und bringt dem indischen Subkontinent ergiebige RegenfĂ€lle ("Monsunregen"), die durch Staueffekte an den Gebirgen (z.B. Westghats, Assam-Himalaya) ausgelöst oder verstĂ€rkt werden. Jedoch bestehen die NiederschlĂ€ge des indischen Sommermonsuns keinesfalls nur aus orographisch bedingtem "Steigungsregen".

Betrachtet man nĂ€mlich die VorgĂ€nge in höheren AtmosphĂ€renschichten, so ĂŒbt das mit einer durchschnittlichen Höhe von ca. 4500 m ĂŒber dem Meeresspiegel oft als "Dach der Welt" bezeichnete Hochland von Tibet einen besonderen Einfluss auf den indischen Monsun aus. Seine HöhenzĂŒge und Hochebenen fungieren im Sommer, bei hohem Sonnenstand und durch Schneeschmelze verringertem Reflexionsvermögen, quasi als "HeizflĂ€che", so dass dort in der mittleren und höheren TroposphĂ€re das Geopotential steigt und ein "thermisches Hochdruckgebiet" entsteht. Zwischen diesem tibetanischen HochdruckrĂŒcken und der weiter sĂŒdlich bzw. sĂŒdwestlich ĂŒber dem Tiefland des indischen Subkontinents entstandenen, oftmals hoch reichenden "Monsundepression" stellt sich in der mittleren und höheren TroposphĂ€re eine östliche Strömung ein. Die Drehung des Windes mit der Höhe von sĂŒdwestlichen auf östliche Richtungen geht mit einer "Kaltluftadvektion" in höheren Schichten der TroposphĂ€re und damit einer Labilisierung der vergleichsweise flachen sĂŒdwestlichen Monsunströmung einher. So entstehen "kurzwellige" tropische Störungen, die mit vertikal und horizontal mĂ€chtigen Gewitterkomplexen verbunden sind und gebietsweise zu einer extremen Intensivierung des Monsunregens beitragen. Dabei spielt natĂŒrlich der Tagesgang der Konvektion eine Rolle, d.h. vor allem in der zweiten TageshĂ€lfte und bis in die erste NachthĂ€lfte hinein ist der Regen oft schauerartig verstĂ€rkt bzw. gewittrig.

Seit dem gestrigen Dienstag verursacht ein Monsuntief ĂŒber Nordindien einmal mehr sintflutartige RegenfĂ€lle. Dabei registrierte man in der Millionenmetropole Bombay an der Wetterstation Santa Cruz innerhalb von vierundzwanzig Stunden, bis heute 00:00 Uhr UTC, 328 Liter Regen pro Quadratmeter. Das ist auch fĂŒr die dortigen VerhĂ€ltnisse viel, betrĂ€gt doch die langjĂ€hrige mittlere Niederschlagsmenge fĂŒr den Monat August 553 L/mÂł (= mm). Die unten stehende Karte des indischen Subkontinents, unterlegt mit einem infraroten Satellitenbild, zeigt das Monsuntief am gestrigen Dienstag, den 29.08.2017, um 06:00 Uhr UTC. Dargestellt werden die vom gestrigen 00:00-UTC-Lauf des Vorhersagemodells des ECMWF berechneten Prognosen der geopotentiellen Höhe [gpdam] der 500-hPa-HauptdruckflĂ€che, welche die mittlere TroposphĂ€re reprĂ€sentiert, sowie die Isobaren des Bodendruckfeldes [hPa]. Weiterhin sind die vom selben Modelllauf an den Gitterpunkten kalkulierten Windvektoren, mit dem Betrag der Windgeschwindigkeit in Knoten (Einheitenzeichen engl. [kt], lange Fieder = 10 kt, kurze Fieder = 5 kt, 1 kt = 1,852 km/h) sowie der Windrichtung, auf der bodennahen 1000-hPa- HauptdruckflĂ€che dargestellt.

Dipl.-Met. Thomas Ruppert

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 30.08.2017

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