13:38 MESZ | 09.08.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
Drucken
22. April 2017 |

Pakistan, Land der Wetterextreme

Pakistan, Land der Wetterextreme

Datum 22.04.2017

Der Naturraum Pakistan ist in jeder Hinsicht extrem - geologisch, geographisch und erst recht in meteorologisch-klimatologischer Hinsicht. Im nordhemisphärischen Frühjahr/Frühsommer sind das Indus-Tiefland und die östlich angrenzende Wüste Thar die heißesten Gegenden der Erde. Verbreitet wurden in den vergangenen Tagen Höchsttemperaturen von deutlich mehr als 40 °C gemessen, örtlich wurden sogar knapp 50 °C erreicht.

Pakistan liegt im Nordwesten Vorderindiens und erstreckt sich zwischen 61° und 77° östlicher Länge sowie zwischen 24° und 37° nördlicher Breite, damit liegt sein Territorium in der subtropischen Zone. Die Distanz zwischen den Küsten des Arabischen Meeres im Südwesten bis zu den Gipfeln des Karakorum-Gebirges im Nordosten beträgt etwa 1500 km. Geologisch ist das Land zweigeteilt, während der Osten und Südosten tektonisch zur "Indischen Platte" gehören, verläuft im Westen, Nordwesten und Norden die tektonische Plattengrenze zwischen der Indischen und der Eurasischen Platte. Geomorphologisch manifestiert sich diese Plattengrenze mit einem Gebirgssaum, der im Südwesten (Belutschistan) am Khirdargebirge (bis 2000 m Höhe) beginnt, im Westen und Nordwesten mit dem Suleiman- und dem Brahuigebirge (jeweils bis zu 3500 m Höhe) bis zum Hindukusch (bis 7700 m Höhe) führt und im Norden und Nordosten mit dem Himalaya (Nanga Parbat 8125 m Höhe) und dem Karakorum (K2 8611 m Höhe) endet. Das Indus-Tiefland im Osten und Südosten des Landes endet im Osten (Punjab) mit der Wüste Thar und im Süden mit dem "Rann von Kachchh", einem riesigen Salzsumpf.


Klimazonen Pakistans nach der Köppen-Geiger-Klassifikation


Diese geografische Lage und seine starke Gliederung in verschiedene Landschaftsformen, von tief liegenden Küstenstreifen und Flussebenen über ausgedehnte Hochflächen bis zu den höchsten Bergen der Erde, lassen auf den ersten Blick eine außerordentliche klimatische Vielfalt vermuten. Dennoch wird das Klima des gesamten indischen Subkontinents in erster Linie durch den Himalaya und das Hochland von Tibet, als Wetterscheide bzw. sommerliche "Heizfläche" für das Monsunsystem, sowie das Indus-Ganges-Tiefland mit seinem sommerlichen Hitzetief dominiert. Das sommerliche Hitzetief über dem Punjab saugt allerdings neben feuchter Meeresluft auch trockene Luftmassen aus Vorderasien an. Dadurch verliert die sommerliche feuchte Monsunströmung im Allgemeinen an Wetterwirksamkeit und die Region bleibt insgesamt ein trockenes Land. Trotzdem können die Monsunregenfälle zwischen Juni und September extreme Ausmaße erreichen, insbesondere dann, wenn eine Wechselwirkung mit kräftigen Trogentwicklungen der außertropischen Westwindzone auftritt, die den Norden Pakistans beeinflussen können. Das war beispielsweise bei den verheerenden Überschwemmungen in den Jahren 2010 und 2014 der Fall. Im Winter verhindern die weitgehend zonal verlaufenden Gebirgsketten den Zustrom von Kaltluft aus dem Hochland von Tibet und den Ebenen Zentralasiens. Durchziehende Kaltlufttröge, sog. Westerly Waves oder Western Disturbances, können aber im Bergland Schneefälle von mehreren Dezimetern verursachen, wie man sie sonst nur von den nordamerikanischen Blizzards kennt.


Zum Vergrößern bitte klicken


Das bekannteste Wetterextrem Pakistans sind jedoch die "Hitzewellen", die im nordhemisphärischen Frühjahr/Frühsommer gewöhnlich kurz vor dem Beginn des Sommermonsuns einsetzen und die Region zur heißesten auf der Erde machen. In diesem Jahr jedoch werden Teile Südasiens bereits seit einigen Tagen von außergewöhnlicher Hitze heimgesucht. Verbreitet treten derzeit vor allem im pakistanischen Indus-Tal und im indischen Rajasthan Temperaturmaxima von deutlich über 40 °C auf, örtlich stieg das Quecksilber sogar auf knapp 50 °C. Beispielsweise registrierte man am vorgestrigen Donnerstag in Jacobabad (Provinz Punjab, 28°38'N, 68°31'E, 55 m Höhe) 48,1 °C, bis heute früh 06:00 UTC waren es in Nawabschah (Provinz Sindh, 26°15'N, 68°25'E, 37 m Höhe) sogar 49,3 °C. Beispielgebend finden Sie oben eine Karte der aktuellen Temperaturen [°C] der Region vom Donnerstag, den 20.04.2017, 12:00 UTC.

Dipl.-Met. Thomas Ruppert

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 22.04.2017

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

09.08. - Geschichte der Meteorologie − Teil 14: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 in Europa (b)

08.08. - Geschichte der Meteorologie − Teil 13: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 in Europa (a)

07.08. - Starke Bodentrockenheit

06.08. - Schweißtreibender QUIRIAKUS

05.08. - Noch ganz stabil? Atmosphärische Instabilitäten, Turbulenz und Klimawandel

04.08. - Wetter, Waldbrand, Wasserdurst

03.08. - Aktuelle Schwierigkeiten bei der Gewittervorhersage

02.08. - Deutschlandwetter im Juli 2026

01.08. - Geschichte der Meteorologie − Teil 12: Meteorologie um 1800 und zu Beginn des 19. Jahrhunderts

31.07. - Zwischenbilanz der Tornadosaison 2026

30.07. - Was ist eine Fallböe?

29.07. - Erst große Hitze, dann schwere Gewitter?

28.07. - Vegetationsbrände, Wetterextreme und globale Erwärmung

27.07. - Geschichte der Meteorologie – Teil 11: Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts (b) und um 1800

26.07. - Tag der Seenotrettung

25.07. - Gebietsweise anhaltende Trockenheit und neue Hitze

24.07. - Von Hunden und Erfrischungen

23.07. - Kühle Meeresbrise oder die „Land-Seewind-Zirkulation“

22.07. - Nordströmung hält die Hitze auf Abstand

21.07. - Zwischen Physik und Künstlicher Intelligenz – Wie KI die Wettervorhersage verändert

20.07. - Spanien - Olé

19.07. - Deutliches Nordost-Südwestgefälle bei der Temperatur

18.07. - Von Trockenheit und rekordniedrigen Wasserständen

17.07. - Warum ziehen die Gewitter immer an mir vorbei?

16.07. - Kleines Höhentief, große Wirkung – eine Gewitternachlese

15.07. - Vom Scheren und schweren Gewittern

14.07. - Vom Höhenei bis hin zu schweren Gewittern

13.07. - Wie lange hält die hochsommerliche Hitze an?

12.07. - Geschichte der Meteorologie – Teil 10: Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts (a)

11.07. - Supertaifun BAVI