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07. Januar 2017 |

Minima der Nacht. Immer der wirkliche Tiefstwert?

Minima der Nacht. Immer der wirkliche Tiefstwert?

Datum 07.01.2017

Tiefstwerte der Nacht werden im Regelfall von 7 Uhr gemessen und verbreitet. In der Realität misst man um 10 Uhr erneut. Warum das gemacht wird, darum geht es heute im Thema des Tages.

Die Tiefstwerte sind zur Zeit wieder ein Thema in den Medien, da sie teilweise unter -20 Grad lagen. Diese Werte entstehen typischerweise bei Strahlungswetter, also klarem bzw. wolkenlosem Himmel, und werden nach internationalen Normen bei uns um 06 GMT, also 7 Uhr MEZ gemessen.


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Warum ist der Zeitpunkt für die Angabe der Tiefsttemperaturen so wichtig? Im Winter ist der Zeitpunkt der theoretisch tiefsten Temperatur bei Strahlungswetter deutlich nach dem Meldetermin 7 Uhr, denn die Sonne geht zum Jahreswechsel etwa um 08:15, derzeit etwa um 08:10 auf. Die Tiefstwerte werden bei wolkenlosem Himmel aber erst zwischen 08 Uhr und 09 Uhr erreicht, also deutlich nach dem Zeitpunkt der Wettermeldung um 7 Uhr.

Warum werden die Tiefstwerte bei klarem Himmel erst etwa eine Stunde nach Sonnenaufgang erreicht? Stellen Sie sich vor, sie befinden sich im Raum mit einem Kamin. Wenn Sie in Nähe des Kamins zu ihm hin schauen, dann stellen Sie fest, dass es in der Richtung am wärmsten ist. Wenn Sie umgekehrt vor einer kalten Wand liegen, dann kühlt der der Wand zugewandte Körperteil aus und Sie fangen an zu frieren. In beiden Fällen passiert das, ohne dass Sie den Kamin oder die Wand berühren. Ursache ist die Strahlung, die vom wärmeren zum kälteren Körper geht, also vom warmen Kamin zum 37 Grad warmen Körper bzw. vom 37 Grad warmen Körper zur kalten Wand. Extrem gut merkt man das bei einem Lagerfeuer (ca. 400 Grad) bei klarem Himmel. Vorne Bullenhitze, hinten "eiskalt". Die Strahlung geht auch hier vom heißen Feuer zum Körper. Wohin aber geht die Strahlung vom Körper, sodass man am Rücken friert? Sie geht in den Weltraum, der mit - 273° Grad deutlich kälter als der Körper ist. Und genau das macht die Erde den lieben langen Tag. Sie heizt den Weltraum und müsste eigentlich immer mehr abkühlen. Aber zum Glück haben wir ja die Sonne, die uns immer wieder aufheizt. Nehmen wir nun mal an, die Erde heizt den Weltraum mit etwa 50 Watt/m² und die Sonne liefert uns mittags 200 W/m². Wenn die Sonne aufgeht, liefert sie beim Aufgang natürlich nicht sofort die 200 Watt, sondern ihre Strahlung beginnt bei 0 Watt, während die Erde weiterhin 50 Watt abgibt. Erst wenn die Sonne so hoch steht, dass deren Einstrahlung mit 50 Watt der Ausstrahlung der Erde von 50 Watt entgegensteht, wird es nicht mehr kälter. Bis dahin vergeht ab Sonnenaufgang eine Weile. Bis das auch das vor der Sonnenstrahlung geschützte Thermometer merkt, dauert es halt etwa eine Stunde. Deshalb messen wir in Deutschland um 10 Uhr gesetzlicher Zeit die Tiefstwerte erneut. Dann haben wir sicherlich auch die wirklich kälteste Tiefsttemperatur erwischt. Als Grafik ist der Temperaturverlauf von gestern in Märklingen angefügt. Um 7 Uhr wurde als Minimum 20,8 Grad, um 10 Uhr -21,7 Grad gemeldet.

Dipl.-Met. Christoph Hartmann

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 07.01.2017

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