Wasserdampf spielt in der Meteorologie eine entscheidende Rolle. Der gasförmige Aggregatzustand des Wassers ist trotz seiner getarnten Erscheinungsform als unsichtbares und geruchsloses Gas ein omniprĂ€senter Bestandteil der TroposphĂ€re. So lautet der Fachbegriff fĂŒr die unterste Schicht der ErdatmosphĂ€re, die in AbhĂ€ngigkeit von der Temperatur eine MĂ€chtigkeit von etwa acht Kilometern an den Polen und bis rund 17 Kilometern am Ăquator erreicht. Dort spielen sich nahezu alle wetterrelevanten VorgĂ€nge wie beispielsweise Wolkenbildung und Niederschlagsprozesse ab.
Im heutigen Thema des Tages soll es aber insbesondere um den Wasserdampfgehalt in bodennahen Luftschichten gehen. In der Wettervorhersage hat sich diesbezĂŒglich der sogenannte Taupunkt am meisten bewĂ€hrt. Er definiert die Temperatur, auf die ein ungesĂ€ttigtes Luftquantum ĂŒber einer ebenen, chemisch reinen WasserflĂ€che abgekĂŒhlt werden muss, um zur SĂ€ttigung zu gelangen. Im SĂ€ttigungszustand betrĂ€gt die relative Luftfeuchte 100 Prozent, folglich sind Taupunkt und Temperatur dann gleich. Im Falle einer ĂbersĂ€ttigung ist die Luft nicht mehr in der Lage zusĂ€tzliche Feuchte aufzunehmen, womit sich der ĂŒberschĂŒssige Wasserdampf in Form von Dunst und Nebel bemerkbar machen wĂŒrde. Da konform der Weltorganisation fĂŒr Meteorologie (WMO) die Temperatur standardmĂ€Ăig in zwei Metern Höhe gemessen wird, liefert die Feuchtemessung im gleichen Niveau den dazugehörigen Taupunkt. Die Differenz wird als sogenannter "Spread" (engl.: Spanne) bezeichnet. Unter Meteorologen hört man dann zum Beispiel auch gerne kurz und knapp: "Oh, Berlin hat schon zehn ĂŒber minus zehn." Das bedeutet, dass in Berlin aktuell die Lufttemperatur in zwei Metern zehn Grad betrĂ€gt bei einem gleichzeitigen Taupunkt von minus zehn Grad (Spread = 20). Die relative Luftfeuchte wĂŒrde in diesem Fall nur rund 23% betragen, die Luft ist also sehr trocken.
Der Taupunkt kommt nun in der tÀglichen Praxis bei verschiedensten Vorhersageparametern zum Einsatz.
1.) Nebel
Da - wie bereits im oberen Abschnitt erwĂ€hnt - Nebel eine ĂbersĂ€ttigung der Luft darstellt, ist die Zuhilfenahme des Taupunkts fĂŒr die Nebelvorhersage essentiell. Ist beispielsweise in den Nachtstunden mit Auflockerungen und schwachem Wind zu rechnen und war der Spread in den Abendstunden ohnehin schon gering, so ist die Nebelwahrscheinlichkeit erhöht. Oder streicht in einem anderen Fall eine feucht-warme Luftmasse mit hohen Taupunkten ĂŒber kalte GewĂ€sser, bei denen die Wassertemperatur unterhalb des Taupunkts liegt , wird die Luft in den oberflĂ€chennahen Schichten rasch abgekĂŒhlt, so dass ĂbersĂ€ttigung und damit Nebelbildung einsetzt. Bei SĂŒd- oder SĂŒdwestlagen ist dieses Naturschauspiel des Seenebels hierzulande oft im FrĂŒhjahr ĂŒber der Nord- und Ostsee zu bestaunen.
2.) Minimumtemperatur
Bei Lagen ohne Luftmassenwechsel liefert der Taupunkt in den Abendstunden allgemeinhin einen guten Richtwert fĂŒr die zu erwartende Tiefsttemperatur. Bewegt er sich sehr nahe an der gemessenen Temperatur (Spread nahe null), ist kaum mit einer signifikanten AbkĂŒhlung in den Nachtstunden zu rechnen. Ist die Differenz im umgekehrten Fall sehr groĂ, setzt meist schon mit dem Sonnenuntergang eine rasche Temperaturabnahme ein.
3.) Schneefall
Auch Aussagen bezĂŒglich Fragestellungen wie: "FĂ€llt Schnee und wenn ja, bleibt er auch liegen?" können mit Hilfe des Taupunkts abgeschĂ€tzt werden. BetrĂ€gt der Mittelwert von Temperatur und Taupunkt (entspricht nĂ€herungsweise der sogenannten "Feuchttemperatur") kleiner zwei Grad, so ist das Auftreten von Schneefall in der Regel wahrscheinlich, bei null Grad oder weniger bleibt der Schnee bei geeigneten Bodentemperaturen auch liegen. Sehr eindrucksvoll konnte diese Faustformel auch beim Nassschneefall am gestrigen Mittwoch in der Lausitz und dem Erzgebirgsvorland beobachtet werden. Aufgrund der kalten Vorgeschichte der vergangenen Tage war die Luft dort bei einsetzendem Niederschlag noch sehr trocken (tiefe Taupunkte), wodurch anfangs Schnee fiel. Auf den gefrorenen Böden blieb dieser zunĂ€chst auch liegen, ehe die Feuchttemperatur (respektive der Taupunkt) in den Abendstunden auf ĂŒber null Grad anstieg. Dadurch gingen die NiederschlĂ€ge in Regen ĂŒber und der gefallene Schnee schmolz wieder weg.
4.) Wolkenuntergrenze
Gerade in der Flugmeteorologie ist die Kenntnis der Faustformel nach Henning elementar. Sie besagt, dass der Spread multipliziert mit 125 nĂ€herungsweise die Untergrenze von Quellwolken in Metern ergibt. Wie Sie sehen, kann der oft unscheinbare Taupunkt bei der eigenen Vorhersage und Durchsicht der Wetterkarten auf vielfĂ€ltigste Art und Weise nĂŒtzliche Dienste leisten. Vielleicht in Zukunft ja vermehrt auch bei Ihnen?
Dipl.-Met. Robert Hausen
Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 01.12.2016
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