Tief in der eisigen und sternklaren Nacht Der Himmel allmĂ€hlich zum Leben erwacht. Ein zartes Winden, ein vorsichtiges Zucken Die Show beginnt-der Mensch darf nun gucken. Ein formenreiches Farbenmeer am Himmel entflammt, die Farben GrĂŒn und Lila werden in die Sterne gebrannt. Kein GerĂ€usch begleitet dieses Farbenspiel Und man hofft, es möge doch enden gar nie. Doch wenn der Zauber nach Stunden vergeht Und die Nacht ganz dunkel und klar wieder vor einem steht, dann schlieĂt man die Augen und sagt vertrĂ€umt und ganz vermessen: Diese Polarlichter, die werde ich nie mehr vergessen!
Zugegeben, fĂŒr das "Land der Dichter und Denker" mögen diese Zeilen nicht sehr bahnbrechend erscheinen, doch soll dieser ĂŒberwiegend naturwissenschaftlich aufbereitete Beitrag entsprechend der magisch anmutenden Erscheinung auch ein bisschen "mit Leben" angehaucht werden. Lösten Polarlichter z.B. im 16. Jahrhundert noch Furcht und Schrecken aus, sorgen sie heutzutage wĂ€hrend ihres Auftretens fĂŒr verzĂŒckte und staunende Gesichter - wie auch beim Autor, der Anfang Februar in Nordnorwegen Zeuge dieser Erscheinung wurde. Wenden wir uns nun aber der ErklĂ€rung dieses so prĂ€genden NaturphĂ€nomens zu. Der Ăbersicht halber und der KomplexitĂ€t der physikalischen ZusammenhĂ€nge wegen werden die jeweiligen VorgĂ€nge nur kurz und knapp beschrieben.
Die Quelle der Polarlichter stellt ĂŒberwiegend das Zentrum unseres Sonnensystems dar, ein Stern, der auf der Erde als "Sonne" bekannt ist. In der Sonne herrschen unbeschreibliche Temperatur- und Dichteschwankungen, die fĂŒr komplexe physikalische und (kosmo)chemische VorgĂ€nge verantwortlich sind. BeschrĂ€nken wir unser Interesse daher auf den Ă€uĂersten Rand der Sonne, also auf den Bereich der "Korona", der obersten AtmosphĂ€renschicht der Sonne. Hier entweichen dem Stern aus seinem rund 6000 Grad heiĂen Randbereich in kĂŒrzester Zeit fortwĂ€hrend Unmengen an Masse, die in Form des Sonnenwindes in den interstellaren Raum (sternferner Bereich im Weltraum innerhalb einer Galaxie) herausgeschleudert wird. Besonders krĂ€ftige AuswĂŒrfe sind hĂ€ufig an Sonnenflecken zu beobachten. Das sind kĂŒhlere Bereiche auf der SonnenoberflĂ€che, die durch Störungen im Sonnenmagnetfeld entstehen. Sichtbar werden sie als dunkle Flecken auf der OberflĂ€che.
Mit diesem "Wind" strömt nun eine Unmenge von Protonen und Elektronen in Richtung Erde. Dabei ist "strömen" wohl der falsche Begriff, denn der Sonnenwind rast mit einer kaum vorstellbaren Geschwindigkeit auf die Erde zu. Die Geschwindigkeiten variieren je nach AusbruchsstÀrke zwischen 400 und 800 km/s. Mit dieser Geschwindigkeit erreichen die Teilchen binnen 2 bis 4 Tagen die Erde, die in einer Distanz von rund 150 Millionen Kilometern um die Sonne kreist.
Die sehr komplexe Interaktion dieses Sonnenwindes mit dem Magnetfeld der Erde sorgt nun fĂŒr die Ausbildung der Polarlichter. Auf der sonnenzugewandten Seite wird das Magnetfeld stark zusammengepresst, wĂ€hrend es auf der abgewandten Seite wie eine Fahne im Wind "flattert", abhĂ€ngig von der StĂ€rke des Sonnenwindes. Elektronen, denen es gelingt bis in die ErdatmosphĂ€re einzudringen (nur ein sehr geringer Anteil), stoĂen mit dort vorhandenen MolekĂŒlen wie Sauerstoff oder Stickstoff zusammen. Elektronen in den MolekĂŒlen werden durch den Energieinput angeregt, und Licht wird abgestrahlt - das Polarlicht. Das Interessante dabei ist, dass die Farbe anzeigt, in welcher Höhe und mit welchem Element das Elektron interagierte: Sauerstoff rot und grĂŒn (120 bis 500 km), Stickstoff blau oder violett (90-100 km).
WĂ€hrend meines Aufenthaltes wies der Sonnenwind ĂŒberwiegend mĂ€Ăige Geschwindigkeiten von 300-400 km/s auf, was hĂ€ufig nahezu ortsfeste PolarlichtbĂ€nder zur Folge hatte, die mit dem Auge meist nur als grauer, hell-grĂŒner Schleier zu erkennen waren. An zwei Tagen ereigneten sich jedoch schwache geomagnetische StĂŒrme (sehr starke Sonnenwinde) und dabei konnte man zuschauen, wie die Polarlichter farbenfroh ĂŒber den Sternenhimmel wehten und tanzten.
Meist bleiben die Polarlichter nur den Regionen vorbestimmt, die im sogenannten Polarlichtoval zu finden sind (erstreckt sich unter anderem ĂŒber Island und Nordnorwegen), doch bei besonders krĂ€ftigen StĂŒrmen können die Lichter auch deutlich weiter im SĂŒden auftreten und uns gelegentlich sogar in Deutschland besuchen (siehe auf Sylt in der vergangenen Nacht). Auch wenn wir uns dem Sonnenzyklus entsprechend einer sehr inaktiven Phase der SonnenaktivitĂ€t nĂ€hern, so kann jederzeit ein krĂ€ftiger Ausbruch nicht ausgeschlossen werden. Es muss ja nicht die AusmaĂe von 1859 erreichen, wo ein intensiver Sonnenwind Polarlichter bis zum Ăquator erzeugte. Sollte das Wetter im Fall des Auftretens von Polarlichtern mitspielen und man dem störenden, durch Menschen verursachten Licht entfliehen können, dann wĂŒrde einem unvergesslichen Spektakel am nĂ€chtlichen Himmel nichts mehr im Weg stehen.
Dipl.-Met. Helge Tuschy
Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 17.02.2016
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst





