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06. September 2015 |

Die Madden-Julian-Oszillation

Die Madden-Julian-Oszillation

Datum 06.09.2015

Das zonale Zirkulationssystem der Madden-Julian-Oszillation beeinflusst das Wetter der Tropen und Subtropen nachhaltig. Teilweise reichen die Auswirkungen bis in die mittleren Breiten. Doch was ist die MJO?

Die Madden-Julian-Oszillation (MJO) ist ein tropisches PhĂ€nomen, das innerhalb von 30 bis 60 Tagen in den Tropen, etwa zwischen 20 Grad Nord und 20 Grad SĂŒd, ostwĂ€rts einmal um den Globus propagiert. Entdeckt wurde die MJO im Jahre 1971 von den Herren Roland Madden und Paul Julian vom National Center for Atmospheric Research (NCAR), denen sie auch ihren Namen verdankte.


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Allgemein kann die MJO in zwei verschiedene Phasen aufgeteilt werden. Dabei wird zwischen einer feuchten Phase mit verstĂ€rkten (konvektiven) RegenfĂ€llen und einer trockenen Phase, in der die Niederschlagsneigung (Konvektion) unterdrĂŒckt wird, unterschieden. Beide Phasen beschreiben dabei eine Dipolstruktur mit zwei gegensĂ€tzlichen Aktionszentren, die sich, wie aufgefĂŒhrt, ostwĂ€rts verlagert (vgl. Grafik). Bei der Verlagerung um den Globus ist das Gesamtsystem der MJO jedoch hĂ€ufig sehr variabel in der IntensitĂ€t. Perioden mit einer moderaten bis starken AktivitĂ€t folgen oft Perioden mit niedriger oder keiner. Die AusprĂ€gung der MJO ist dabei eng mit der OberflĂ€chenwassertemperatur verknĂŒpft. WĂ€hrend die MJO im Bereich von warmen bzw. sehr warmen OberflĂ€chenwassers, beispielsweise im westlichen Indik, an IntensitĂ€t zulegt und mit krĂ€ftigen konvektiven NiederschlĂ€gen einhergeht, fĂ€llt das System ĂŒber kĂ€lterem Wasser des östlichen Pazifiks zusammen, um im weiteren Verlauf ĂŒber dem tropischen Atlantik wieder neu aufzuleben. Die stĂ€rkste AktivitĂ€t auf der NordhemisphĂ€re wird im spĂ€ten Herbst, Winter sowie im zeitigen FrĂŒhling beobachtet.

Die MJO beschreibt entsprechend ein gekoppeltes Ozean-AtmosphĂ€re-System, das großen Einfluss auf die tropischen und extratropischen NiederschlĂ€ge, atmosphĂ€rischen Zirkulationen sowie die Boden- und Lufttemperaturen der Tropen und Subtropen hat. Aus diesem Grund gibt es deutliche Hinweise, dass die Madden-Julian-Oszillation sowohl mit der "El Niño Southern Oscillation (ENSO)" (vgl. Thema des Tages vom 9. August) als auch mit der Monsunentwicklung interagiert. Allerdings kann die MJO die genannten PhĂ€nomene nicht auslösen, sondern nur zu ihrer Entwicklung und IntensitĂ€t beitragen. ZusĂ€tzlich zum Monsun und der ENSO sind auch noch EinflĂŒsse auf die TageslĂ€nge sowie die Entwicklung und StĂ€rke von tropischen Zyklonen bekannt. Untersuchte RĂŒckkopplungen zum Jetstream (StarkwindbĂ€nder meist im Bereich der oberen TroposphĂ€re) zeigen zudem einen Einfluss der MJO auf KaltlufteinbrĂŒche, extreme Hitzewellen und Starkregenereignisse in den USA.

Wegen der Auswirkungen der MJO auf das tropische und extratropische Wettergeschehen sowie dessen Einfluss auf die globalen Zirkulationssysteme ist eine BerĂŒcksichtigung dieser vor allem fĂŒr die Modellierung langfristiger Wettervorhersagen (Monat/Jahreszeit) von großer Bedeutung. Dabei bieten besonders die aktiven Phasen der Madden-Julian-Oszillation die Gelegenheit, die numerische Wetter- bzw. Klimavorhersage zu verbessern.

Derzeit befindet sich die Madden-Julian-Oszillation in einer inaktiven Phase, die nach aktuellem Stand der Vorhersage auch ĂŒber die nĂ€chsten zwei Wochen anhalten wird. In diesem Jahr konnten bisher auch zwei sehr aktive MJO Phasen analysiert werden. Die erste Phase umfasste dabei den Zeitraum von Anfang MĂ€rz bis Ende April. Zum zweiten Mal verstĂ€rkte sich die MJO im Juni und Juli. In diesem Zeitraum wurde ein positiver Einfluss auf das derzeitige El Niño-Ereignis beobachtet. Ein neuerliches Aufleben der MJO könnte entsprechend der prognostizierten VerhĂ€ltnisse im Pazifik mit dem Höhepunkt des El Niño-Ereignisses zusammenfallen. Entsprechend wĂŒrden sich die Auswirkungen von El Niño vor allem im tropischen Pazifik sowie in SĂŒdamerika erheblich verstĂ€rken. Aktuelle InformationenĂŒber die MJO finden Sie beispielsweise unter: www.cpc.ncep.noaa.gov/products/precip/CWlink/MJO/mjo.shtml

Dipl.-Met. Lars KirchhĂŒbel

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 06.09.2015

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