16. Februar 2015 | Dipl.-Met. Lars Kirchhübel
Der Golfstrom - Die Heizung Europas
1513 entdeckte der spanische Seefahrer Ponce de Leon vor der Küste Floridas eine starke oberflächennahe Strömung, die seinen Schiffen das Vorwärtskommen nach Westen erheblich erschwerte.
Als Golfstrom wird in der Öffentlichkeit das Strömungssystem des Ozeans genannt, was vom Golf von Mexiko bis an die Küste Norwegens reicht und Europa sein außerordentlich mildes Klima verdankt. Er ist entlang der Ostküste der USA nur etwa 100 km breit und seine Strömungsgeschwindigkeit liegt bei 6 km/h. Östlich von Neufundland teilt sich der Golfstrom. Der nördliche Ast zeigt in Richtung Nordmeer und reicht mit einer Randströmung bis in die Nordsee. Der südliche Ast weist zu den Kanaren. Der nördliche Ausläufer des Golfstroms ist dabei in der Fachsprache auch als Nordatlantikstrom bekannt.
Auf seinem Weg nach Norden transportiert der Golfstrom erhebliche
Mengen an warmem Wasser aus subtropischen Breiten Richtung Europa. In
der Karibik ist das Wasser bis zu 30 °C warm, am Nordende des
Golfstroms, vor Neufundland immerhin noch 20 °C. Hier trifft er auf
den kalten Labradorstrom und verliert dadurch an Stärke. Die
Wassertemperaturen sind jedoch vor Irland noch warm genug, sodass
dort im Küstenbereich Palmen gedeihen.
Angetrieben wird der Golfstrom als warme Oberflächenströmung indirekt
hauptsächlich durch den Wind. Durch den Nordostpassat vor Afrika wird
das Oberflächenwasser von der afrikanischen Küste weg nach Westen in
Richtung Karibik getrieben. Durch die Corioliskraft (Rechtsablenkung
von bewegten Gegenständen und Flüssigkeiten auf der Nordhalbkugel
durch Erdrotation) wird das Wasser nordwestlich in den Golf von
Mexiko gepresst. Die dort aufgestauten Wassermassen suchen sich einen
Ausweg durch die enge Straße von Florida nach Norden, wo sie durch
die Westwinde der mittleren Breiten wieder nach Osten geführt werden.
Als ein weiterer Antriebsmechanismus gilt zudem die Anbindung an das
globale Förderband an Ozeanströmungen (Thermohaline Zirkulation). Das
Strömungssystem des Nordatlantiks ist allerdings nur ein Teil eines
globalen maritimen Strömungssystems, des globalen Förderbands, das in
einem System von Oberflächen- und Tiefenströmungen Wasser durch vier
Ozeane transportiert. Der Grund für dieses weltumspannende
Strömungssystem der Ozeane liegt in den Dichteunterschieden der
verschiedenen Wassermassen. Auf seinem Weg durch Tropen und Subtropen
verdunstet durch die Sonneneinstrahlung sehr viel Wasser, wodurch
sich der Salzgehalt und die Dichte erhöhen. Als Nordatlantikstrom
erwärmt das Wasser in höheren Breiten die Atmosphäre und kühlt
dadurch stark ab, was eine weitere Dichteerhöhung mit sich bringt.
Diese wird schließlich von der Meereisbildung zusätzlich erhöht, was
dazu führt, dass zwischen Grönland, Norwegen und Island sowie in der
Neufundland-See riesige Wassermassen in die Tiefe sinken. An der
Oberfläche muss entsprechend Wasser nachfließen.
Derzeit herrschen im Golf von Mexiko Wassertemperaturen von 20 bis 28
Grad. In der Straße von Florida ist es mit 26 Grad auch noch sehr
warm. Auf dem Weg nach Norden und Osten sinkt die Temperatur jedoch
deutlich ab. Vor Neufundland werden meist nur noch zwischen 2 und 10
Grad erreicht. Am Ausgang der Labradorsee liegt die Wassertemperatur
bei Werten um 2 Grad noch niedriger. Da fühlen sich die 8 bis 12 Grad
vor Irland und den Britischen Inseln schon wieder angenehm mild an.
© Deutscher Wetterdienst
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