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28. Januar 2015 | Dipl.-Met. Sabine Krüger

Was kann die Wettervorhersage und was kann sie eben nicht?

Die meisten von uns besitzen mittlerweile Computer, Handy oder auch Smartphone, wodurch Informationen jeglicher Art sozusagen auf Knopfdruck verfügbar sind. Dank zahlreicher Wetter-Apps gilt dies auch für das aktuelle Wetter und natürlich auch die Vorhersage des Wetters bis zu 10 Tage im Voraus.

Wettervorhersage: Auch in Zukunft mit Unsicherheiten behaftet


Früher beschränkten sich die Informationsquellen auf Radio, Fernsehen oder Zeitung, bei denen man das Wetter für Bundesländer, Sendegebiete oder ganz Deutschland zu hören und sehen bekam - also den groben Wetterablauf für ein mehr oder weniger großes Gebiet. Mit den heutigen technischen Hilfsmitteln werden punktgenaue Vorhersage des Wetters für beliebig kleine Gebiete, ja sogar Stadtteile erwartet. Stellt sich nun die Frage, ob diese Erwartungen überhaupt erfüllt werden können...

Fest steht, dass sich die Güte der Vorhersagen in den letzten
Jahrzehnten durch die Weiterentwicklung aufwendiger Computermodelle
und nicht zuletzt durch die deutliche Steigerung der
Rechnerkapazitäten deutlich verbessert hat. Aussagen, die man vor
vielleicht 40 Jahren zum Wetter der nächsten 1 bis 2 Tage machen
konnte, sind heute mit ähnlicher Genauigkeit für die nächsten 5 bis 6
Tage möglich. Dennoch ist die Vorhersagbarkeit des Wetters zeitlich
und räumlich weiterhin beschränkt. Die Ursachen dafür liegen
einerseits im System der Atmosphäre selbst, die nämlich ein
sogenanntes "chaotisches System" ist. D. h. kleinste Schwankungen
können zu großen Unterschieden in der Prognose führen. Das Modell
benötigt für die Berechnungen einen möglichst genauen Anfangszustand,
der durch die weltweiten Beobachtungen des aktuellen Wetters mit
unterschiedlichen, aber natürlich international vergleichbaren
Messsystemen gegeben ist. Diese Beobachtungen können Messfehler
aufweisen, außerdem gibt es auf dem Globus große Gebiete (z.B. die
Ozeane), wo nur selten Messungen verfügbar sind. Rechnet nun das
Modell mit falschen bzw. ungenauen Anfangswerten, so wirkt sich das
auf die Vorhersagegüte aus. Andererseits ist die Auflösung der
Wettermodelle, die sogenannte Gitterweite, begrenzt. Die
Vorhersagemodelle berechnen das Wetter nämlich für festgelegte
Gitterpunkte auf der Erdkugel. Die Entfernung zwischen den Punkten
wird durch die Gitterweite bestimmt. Die Modelle können also nicht
beliebig kleine Phänomene auflösen. Kleinräumige Wettererscheinungen
wie lokale Schauer oder Gewitter oder Phänomene, die stark von
lokalen Gegebenheiten beeinflusst werden, wie z. B. Nebel, können
nicht oder nur schlecht aufgelöst werden. Dann wird vom Modell zwar
das Potenzial der Luftmasse bzw. der Wetterlage erkannt, punktgenaue
Vorhersagen sind so aber immer noch nicht möglich. Daher ist eine
postleitzahlgenaue Vorhersage auch "nur" eine Mittelung aus den
umliegenden Gitterpunkten.

Des Weiteren ist die Vorhersagbarkeit für verschiede Wetterparameter
wie Temperatur, Niederschlag, Luftdruck usw. unterschiedlich gut und
zudem abhängig von der Großwetterlage: Das Wetter an einem bestimmten
Ort ist bei Tiefdruckeinfluss größeren Veränderungen unterworfen als
das Wettergeschehen bei einem stabilen Hochdruckgebiet, bei dem es
meist wenig Änderungen über mehrere Tage gibt. Im Einflussbereich von
Tiefdruckgebieten herrscht wechselhaftes Wetter, bei dem sich
Regenphasen mit Zeiträumen zwischenzeitlicher Wetterberuhigung
abwechseln. So kann sich der zeitliche Ablauf in den Vorhersagen
schnell mal um einen halben Tag verschieben - und dann gibt es unter
Umständen komplett anderes Wetter als noch vor 2 Tagen gedacht...

Die heutige Technik kann also jedem einen sehr guten und schnellen
Überblick über das aktuelle Wetter liefern, die Schwächen bei der
punktgenauen Vorhersage, wie sie vielerorts angeboten wird, sollte
man sich allerdings bewusst machen.




© Deutscher Wetterdienst

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