14. Januar 2015 | Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann
Schnell wie der Wind
"Passat", "Scirocco", "Bora" oder "Vento" - das sind alles Begriffe für...? Richtig: Für Winde!
Wind war in Deutschland in den letzten Wochen ein häufiges Thema: Die
Sturmtiefs DANIEL, ELON, FELIX und GUNTER zogen wie auf einem
Fließband vom Atlantik in Richtung Nordosteuropa und brachten
stürmisches Wetter, zum Teil auch Orkanböen mit sich. Auch aktuell
haben wir es wieder mit viel Wind zu tun - derzeit ist es das Tief
HERMANN, das uns bis zum morgigen Donnerstag in weiten Landesteilen
eine frische Brise um die Nase weht.
Neben der atmosphärischen Zirkulation (zu der auch die Passatwinde
gehören), die im Wesentlichen durch die unterschiedlich starke
Erwärmung der Erde am Äquator und an den Polen entsteht, gibt es eine
Reihe von kleinräumigeren Windsystemen, die in verschiedenen Gebieten
auftreten und die auf unterschiedliche Entstehungsmechanismen
zurückzuführen sind:
Allgemein bekannt ist beispielsweise der Föhn, der beim Überströmen
von Gebirgen (wie z.B. den Alpen) im Lee auftritt und meist mit
warmem und sonnigem Wetter einhergeht.
Nicht ganz unbekannt ist auch der Scirocco, ein trockener Wüstenwind,
der von der Sahara in Richtung Mittelmeer weht und Staub und Sand mit
sich führt. Der Scirocco entsteht besonders häufig im Frühjahr und
Herbst, wenn die Temperaturdifferenz zwischen kühlen
Tiefdruckgebieten in Südeuropa und der heißen Luft über der Sahara
besonders ausgeprägt ist. Auf seinem Weg über das Mittelmeer nimmt
die Luft viel Feuchtigkeit auf, die sich an Gebirgen in Italien,
Spanien oder Griechenland mit starken Niederschlägen abregnen kann.
Ebenfalls im Mittelmeerraum auftretend, aber deutlich kälter, ist die
Bora. Sie ist ein kalter, trockener und böiger Fallwind an der
istrischen und dalmatinischen Küste. Häufig entsteht dieser Wind,
wenn sich ein Hoch über dem Balkan und gleichzeitig ein
Tiefdruckgebiet südlich der Alpen entwickelt. Dann strömt sehr kalte
kontinentale Luft in Richtung Adria und stürzt als böiger Fallwind
die Karstgebirge herunter. Dabei erwärmt sich die Luft nur
geringfügig, da die Gebirgszüge relativ niedrig sind. Im Winter sind
Spitzengeschwindigkeiten bis zu 250 km/h möglich und die Winde können
über einen langen Zeitraum von bis zu 14 Tagen auftreten.
Den Segelfreunden am Gardasee wird vielleicht auch Vento ein Begriff
sein. Dieser Nordwind (auch Peler genannt) tritt in Sommernächten
auf, wenn die kalte Luft an den Berghängen absinkt, über die warme
Wasseroberfläche zieht und am südlichen Rand des Sees wieder
aufsteigt. Tagsüber kehren sich die Verhältnisse um: Die Luft an den
Südhängen wird durch Sonneneinstrahlung erwärmt, steigt auf und
bodennah fließt Luft über den See nach. Dieser Südwind wird Ora
bezeichnet.
Natürlich gibt es neben den genannten Winden noch viele andere,
regionale und lokale Windsysteme. Für den interessierten Leser sei an
dieser Stelle auf das Lexikon des DWD verwiesen: www.dwd.de/lexikon
Der ein oder andere mag bemerkt haben, dass die beschriebenen Winde
auch Namen von Automodellen eines renommierten deutschen Herstellers
schmücken.
Ob deren Geschwindigkeiten allerdings mit denen der Winde
vergleichbar sind und ob vielleicht in nächster Zeit wieder ein neuer
Wind weht, soll an dieser Stelle offen bleiben...
© Deutscher Wetterdienst
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