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06. Dezember 2014 | Dipl.-Met. Adrian Leyser

Raureif, Raueis, Raufrost - Was denn nun?!

Seit Tagen herrscht in den Hochlagen der Mittelgebirge bei frostigen Temperaturen zum Teil dichter Nebel vor. Alles, was sich für längere Zeit an freier Luft befindet, wird dort mit einer immer weiter wachsenden Eisschicht umhüllt.


Zwar fehlt vielfach der Schnee, die gewaltigen Eismassen sorgen aber trotzdem für einen durchweg winterlichen Eindruck - ganz im Gegensatz zu den eher grauen und tristen Niederungen. Die Eisablagerungen sind allerdings nicht nur schön anzusehen, sondern sorgen aufgrund der Eislast beispielsweise für abbrechende Äste oder gar umstürzende Bäume. Auch kommt es auf Straßen und Gehwegen mitunter zu gefährlicher Glätte. Begriffe wie "Raureif", "Raueis", "Raufrost" und "Reifglätte" fallen im Zusammenhang mit den derzeit in den Mittelgebirgen vorherrschenden Bedingungen. Doch was beschreibt nun welches Phänomen?

Die uns umgebende Luft beinhaltet stets eine bestimmte Menge an
Wasserdampf. Dieser ist gasförmig und in der Regel unsichtbar. Dabei
gilt: Je kälter die Luft, desto weniger Wasserdampf kann sie
aufnehmen. Bei fortschreitender Abkühlung ist irgendwann ein Punkt
erreicht, der sogenannte Taupunkt, an dem die Luft bezüglich des
Wasserdampfes gesättigt ist (100% relative Luftfeuchtigkeit). Der
Wasserdampf kann nicht mehr in der Luft gehalten werden und
kondensiert zu kleinsten Wassertröpfchen, die sich bei Temperaturen
über 0 Grad Celsius als Nebel in der Luft halten oder als Tau an
Gegenständen niederschlagen. Auch bei einem Taupunkt unter 0 Grad
Celsius kann sich Nebel bilden, während die Wassertröpfchen an den
Gegenständen gefrieren und dort so nicht mehr als Tau, sondern als
Eis in Erscheinung treten.



Die sich bei dichtem Nebel und Temperaturen meist zwischen -2 und -10
Grad Celsius bildenden, sehr fest anhaftenden "Eisfahnen" nennt man
Raueis oder Raufrost. Die kleinsten, unterkühlten Wassertröpfchen aus
dem Nebel werden durch Wind an die kalten Gegenstände getrieben und
gefrieren dort. Je stärker der Wind desto stärker auch die
Raueisbildung. Die "Eisfahnen" zeigen dabei dem Wind entgegen. Meist
kommt es bei der Raueisbildung an Gegenständen zu Lufteinschlüssen,
wodurch das Raueis weiß-grau und undurchsichtig erscheint. Bei sehr
langsamer Anlagerung und Gefrieren der Wassertröpfchen kann sich
unter Umständen aber auch ein klares, durchsichtiges Eis ohne
Lufteinschlüsse ausbilden. Diese Unterform des Raueises wird als
"Klareis" bezeichnet.

Im Gegensatz zu Raueis und Klareis tritt Raureif meist bei deutlich
tieferen Temperaturen auf. Üblicherweise muss das Quecksilber unter
-8 Grad sinken, damit effektiv Raureif gebildet werden kann.
Zusätzlich benötigt es eine Luftfeuchtigkeit von mindestens 90 %.
Trotz der noch nicht vollends gesättigten Luft kann ein Teil des
Wasserdampfes aus dieser bereits "ausgeschieden" werden. Bei
besonders tiefen Temperaturen geht das Wasser aber nicht mehr vom
gasförmigen in den flüssigen Aggregatzustand über, sondern direkt in
den festen. Dieser Prozess, der besonders an den unterkühlten
Gegenständen auftritt, wird als Resublimation bezeichnet.
Kennzeichnend für den durch Resublimation entstehenden Raureif ist
die kristalline Struktur, wie sie auch bei Schneeflocken unter einer
Lupe zu bestaunen sind. Häufig zeigen sich nadelförmige Eiskristalle
an den Gegenständen. Eisblumen, die man in seltenen Fällen an
Fensterscheiben entdecken kann, sind eine Sonderform des Raureifs.

"Nebelfrostablagerungen" ist die Sammelbezeichnung für die
abgesetzten Niederschläge Raureif, Raueis und Klareis. Wie bereits im
ersten Absatz angedeutet, können Nebelfrostablagerungen auch für eine
ausgeprägte Glättesituation auf Straßen und Gehwegen sorgen. Hierfür
verwendet man den Begriff "Reifglätte". Denn Nebelfrostablagerungen
können sich nach oben genannten Prozessen selbstverständlich auch auf
Straßen und Gehwegen bilden. Raureif und Raueis werden durch Begehen
und Befahren zusammengepresst und gefrieren dabei nach kurzzeitigem
Verflüssigen zu einer zum Teil spiegelglatten Eisfläche. Ähnlich
geschieht dies auch mit den Nebelfrostablagerungen, die sich an den
Ästen der Bäume gebildet haben und anschließend auf die Straßen und
Gehwege fallen. Letzterer Vorgang ist wahrscheinlich sogar der
häufiger vorkommende.




© Deutscher Wetterdienst

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