06. Mai 2014 |
Die kalte und oftmals neblige Bucht von San Francisco!
Die Gegend um San Francisco und Los Angeles (Kalifornien, USA) verwöhnt die vielen Besucher häufig mit Sonnenschein und sehr warmen Temperaturen.
Das Meerwasser an den Küsten will aber nicht so richtig warm werden. Stattdessen kühlt es die unteren Luftschichten so stark ab, dass sich teilweise sogar dichter Nebel bilden kann, der dann z.B. die Golden Gate Bridge in ein typisches "Grau-in-Grau" hüllt. Dieses Phänomen lässt sich jedoch nicht nur an der kalifornischen Küste beobachten. Vielmehr herrscht an allen tropischen und subtropischen Westküsten der Kontinente mehr oder minder stark ausgeprägt kaltes Küstenwasser vor. Doch warum ist dies so?
Wie die Atmosphäre ist auch der Ozean ständig in Bewegung. An der
Oberfläche und in der Tiefe dominieren dabei häufig horizontale
Strömungen. Jedoch kann das Meerwasser lokal auch absinken oder
aufsteigen, d.h. es unterliegt auch vertikalen Umwälzungen.
Oberflächenströmungen in großen Seegebieten werden im Wesentlichen
durch den Wind angetrieben. In erster Linie sind dafür die
Passatwinde (beständiger Wind in tropischen Seegebieten bis etwa 25°
südlicher und nördlicher geographischer Breite) und die
vorherrschenden Westwinde in den mittleren Breiten verantwortlich.
Dabei gibt der Wind durch die Reibung einen Impuls (Bewegungsgröße,
Stärke einer bewegten Masse) an das Wasser der oberflächennahen
Schichten des Ozeans ab. Das Wasser wird entsprechend der
Windrichtung "gezogen". Durch die Erdrotation wirkt jedoch auf alle
bewegte Flüssigkeiten oder Gegenstände eine ablenkende Kraft, die
sogenannte Corioliskraft (vgl. unter www.dwd.de/lexikon, Stichwort
"Corioliskraft"). Mit der Tiefe nimmt die Abweichung der
Wasserströmung von der vorherrschenden Windrichtung stetig zu, bis
der Windimpuls seine Antriebskraft komplett verloren hat und das
Wasser steht. Über die gesamte Tiefe gemittelt kommt es daher zu dem
Effekt, dass sich das Wasser nicht in Windrichtung, sondern in eine
Richtung senkrecht zum Wind bewegt. Auf der Nordhalbkugel zeigt diese
Richtung nach rechts (Rechtsablenkung, wenn man den Wind im Rücken
hat), auf der Südhalbkugel nach links. Eine Strömung, die durch
diesen Effekt zustande kommt, wird "Ekman-Transport" genannt.
An den tropischen und teils auch subtropischen Westküsten der
Kontinente wehen die Passatwinde häufig küstenparallel in Richtung
zum Äquator. Entsprechend des beschriebenen Ekman-Transportes wird
das küstennahe relativ warme Oberflächenwasser westwärts von den
Küsten weg auf den Ozean getrieben. Da durch die Kontinente von Osten
kein Wasser nachströmen kann, quillt aus Massenerhaltungsgründen
kaltes, nährstoffreiches Tiefenwasser auf und ersetzt somit das
abtransportierte wärmere Oberflächenwasser (siehe dazu auch die
Graphik).
Als Folge liegen die küstennahen Wassertemperaturen in den
Aufquellgebieten von Tiefenwasser und somit auch vor San Francisco
selbst im Sommer nur bei etwa 13 Grad. Daher sind diese Küstengebiete
nur bedingt für Badegäste geeignet. Gleichzeitig freuen sich jedoch
die Fischer über einen durch das kalte nährstoff- und
sauerstoffreiche Tiefenwasser überdurchschnittlich hohen
Fischreichtum.
Dipl.-Met. Lars Kirchhübel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.05.2014
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