31. Oktober 2013 |
Wie lange hält die Westwetterlage?
Die letzten Oktobertage gestalteten sich - abgesehen vom derzeitigen Zwischenhocheinfluss- unbeständig. Regen wechselte sich mit Sonnenschein sowie mit Schauern und Gewittern ab. Zudem wurde mit dem Sturmtief "Burkhard" und dem Orkan "Christian" die Sturmsaison eröffnet. Ursache für die derzeitige Witterung ist eine sogenannte Westwetterlage.
Die Westwetterlage ist die häufigste Großwetterlage in Mitteleuropa.
Als Großwetterlage wird eine charakteristische Strömungsanordung
bezeichnet, die im Wesentlichen über mehrere Tage gleich bleibt.
Bei einer Westwetterlage wandern Tiefdruckgebiete, die sich häufig
südlich von Grönland bilden, in rascher Abfolge meist zwischen dem
50. und 60. Breitengrad vom Nordatlantik über die Nordsee nach
Skandinavien und anschließend nach Ost- oder Nordosteuropa. Dabei
überqueren ihre Ausläufer Mitteleuropa, welche besonders im Norden
Deutschlands für recht unbeständiges Wetter sorgen. Im Süden gibt es
dagegen häufiger auch Sonnenschein.
Typisch für Westwetterlagen ist, dass sich Phasen mit zahlreichen
Schauern oder länger andauernden Niederschlägen mit kurzen trockenen
Perioden (meist 1 - 2 Tage) abwechseln. Im Winter bleibt es bei
Westwetterlagen relativ mild. Schnee fällt dann nur zeitweise bis
hinunter in mittlere Lagen (etwa 500 m), weil die Luft vom relativ
warmen Atlantik kommt. Da im Sommer der Atlantik kälter ist als die
Landoberfläche und bei Westwetterlagen auch häufiger die Sonne nicht
scheint, bleibt es eher kühl. Besonders im Herbst und im Frühling
sind solche Wetterlagen öfters mit Stürmen verbunden, weil die
Temperaturgegensätze zwischen tropischer Warmluft und polarer
Kaltluft in unseren Breiten dann besonders groß sind. Somit können
sich während einer Westwetterlage stärkere Druckgegensätze an der
Grenze zwischen Warm- und Kaltluft aufbauen.
Nahezu alle großen Stürme in Mitteleuropa waren mit einer
Westwetterlage verbunden. In den 90er Jahren war die Westwetterlage
noch die vorherrschende Wetterlage. Doch in den letzten 10 Jahren hat
ihre Zahl deutlich abgenommen. Dies führte auch zu einer Abnahme der
Stürme. Die Ursachen dafür sind weitestgehend unbekannt.
Westwetterlagen sind in der Regel sehr stabil. So zeigt sich auch in
den Modellen bis Mitte nächster Woche keine wesentliche Änderung. Der
derzeitige Zwischenhocheinfluss lässt also wieder nach und vom
Atlantik machen sich weitere Tiefausläufer zu uns auf den Weg. So
wird es auch mit unserem Wetter wechselhaft weiter gehen. Die
Temperaturen liegen in den nächsten Tagen in einem für die Jahreszeit
leicht zu milden Bereich. Dabei wird es wieder windiger. Zwar ist ein
solches Orkantief wie am vergangenen Montag eher selten und
dementsprechend in näherer Zukunft nicht unbedingt sofort wieder zu
erwarten, dennoch birgt die Wetterlage weiterhin ein gewisses
Sturmpotenzial. So zeigen die Modelle bereits erste Hinweise, dass am
Wochenende der nächste Sturm ins Haus stehen könnte. Solange aber
diese Wetterlage Bestand hat, sind keine durchgreifenden
Wintereinbrüche bis ins Flachland, wie er im letzten Jahr Ende
Oktober vorkam, zu erwarten.
Dipl.-Met. Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 31.10.2013
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
© Deutscher Wetterdienst
Bild: DWD
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