Im ersten Teil dieser Reihe wurde der Einfluss des Wetters auf zwei historische Ereignisse zur Zeit des Zweiten Weltkrieges thematisiert. Zum einen wurde auf die AtombombenabwĂŒrfe auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945 eingegangen. Zum anderen kam der D-Day (06. Juni 1944) zur Sprache, der erste Tag der Invasion der Alliierten an der französischen AtlantikkĂŒste in der Normandie. Entscheidend waren hierbei vor allem die Sichtbedingungen sowie beim D-Day noch die Kriterien "Wind" und "Regen" (www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2023/8/7.html).
Im heutigen Teil wird es nun ein wenig winterlich (in vier Monaten ist ja schlieĂlich auch schon wieder Weihnachten âŠ).
Zu Beginn soll zunÀchst einmal die Frage geklÀrt werden, was Napoleon und Hitler gemeinsam hatten. Beide scheiterten mit ihrem Feldzug in Russland und das lag mitunter auch am Wetter.
Hitler gab am 22. Juni 1941 den Befehl zum "Unternehmen Barbarossa", dem Einmarsch in die Sowjetunion. Bis dato hatte Nazideutschland bereits groĂe Teile Europas durch seinen Blitzkrieg ĂŒberrollt. Nun begann mit dem Krieg des nationalsozialistischen Deutschlands gegen die kommunistische Sowjetunion ein Krieg der Ideologien.
Fast auf den Tag genau, am 24. Juni, aber 129 Jahre zuvor, startete Napoleon einen Feldzug gegen Russland, dessen Ende nicht nur die Zerschlagung einer zu diesem Zeitpunkt schon stark reduzierten Grande Armée bedeutete, sondern auch einen Wendepunkt in der Geschichte darstellte.
Die Winter 1812/13 und 1941/42 zĂ€hlten in groĂen Teilen Europas zu den kĂ€ltesten Wintern. Kommt dann ein dezimierter und schlecht ausgerĂŒsteter Angreifer hinzu, der einem zahlenmĂ€Ăig ĂŒberlegenen, nach einigen Anlaufschwierigkeiten gut ausgerĂŒsteten und vor allem motivierten Gegner gegenĂŒbersteht, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis der Angreifer den RĂŒckzug antreten muss. Auf beiden Seiten forderten aber nicht nur Kampfhandlungen hohe Opferzahlen, sondern auch Hunger, Krankheit und vor allem KĂ€lte. Die sowjetische Armee konnte mit der Situation besser umgehen, weswegen sie nicht ganz so hohe Opferzahlen wie die Angreifer zu beklagen hatte. Aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges ist bekannt, dass die deutschen Soldaten versuchten, sich mit Stroh in den kaputten Stiefeln sowie gestohlenen Fausthandschuhen und Schals alter Frauen oder MĂ€nteln gefallener Sowjetsoldaten warmzuhalten, aber gegen Temperaturen von bis zu -40 Grad half das wenig. In der Zivilbevölkerung Deutschlands wurden fĂŒr die Soldaten WintermĂ€ntel gesammelt, allerdings erreichten diese sie nicht vor Februar.
Vom Krieg schwer gebeutelt war Deutschland auch noch im Winter 1946/47 und die StĂ€dte glichen TrĂŒmmerwĂŒsten. Dieser Winter zĂ€hlte zu den kĂ€ltesten Wintern des letzten Jahrhunderts. Davon betroffen war aber nicht nur Deutschland, sondern auch dessen NachbarlĂ€nder, die ebenfalls noch unter den Folgen des Krieges litten. Der Hungerwinter 1946/47 ist im Gegensatz zu den bisher erlĂ€uterten Beispielen kein historisches Ereignis, welches durch vorherrschende WitterungsverhĂ€ltnisse beeinflusst wurde, sondern ist selbst ein historisches Ereignis, welches aufgrund der LebensumstĂ€nde vielen Menschen das Leben kostete und den Ăberlebenden nachhaltig in Erinnerung geblieben ist. Der Begriff "fringsen" fand damals Eingang in die deutsche Sprache und fasst die damaligen LebensumstĂ€nde in einem Wort zusammen. Der Kölner Erzbischof Josef Kardinal Frings zeigte in seiner Silvesterpredigt 1946 VerstĂ€ndnis fĂŒr diejenigen, die sich im Angesicht der Existenzbedrohung mit kleinen DiebstĂ€hlen ĂŒber Wasser hielten und sich das Dringendste nahmen, wenn sie es nicht durch ehrliche Arbeit bekommen konnten. Der Winter dauerte von Oktober bis in den MĂ€rz hinein. Bereits wenige Wochen spĂ€ter wartete der Juni mit einer Rekordhitze mit Höchsttemperaturen von rund 39 Grad auf. Der Sommer 1947 ist der viertwĂ€rmste der Messgeschichte. Der September 1947 sticht zudem mit einer relativ langen Hitzeperiode in der zweiten (!) Monatsdekade bis heute in den Statistiken heraus. In diesem Sommer vertrockneten die Ăcker und es fehlten abermals die dringend benötigten Lebensmittel.
Der Einfluss von Wetter und Klima auf die Menschheitsgeschichte â Teil 2
Im zweiten Teil dieser Reihe wird es etwas frostig; ganz im Gegensatz zu den Temperaturen der letzten Tage. Die Schwerpunkte dieses Mal sind die RusslandfeldzĂŒge von Napoleon und Hitler und der Hungerwinter 1946/47.


