12:38 MESZ | 24.09.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
Drucken
24. Januar 2022 |

Balkan und Kleinasien: derzeit eher Kühlkammer!

Balkan und Kleinasien: derzeit eher Kühlkammer!

Datum 24.01.2022

Während es in Mitteleuropa momentan wieder mal recht mild zur Sache geht, hat ein weiterer Kaltluftausbruch dem Balkan, der Türkei und sogar dem Nahen Osten recht tiefe Temperaturen beschert.

In Deutschland heißt es einmal mehr auch in diesen Tagen: Schnee in den Bergen (meist so ab den mittleren bis in obere Lagen) und im Flachland zu mild, teils sogar Grau in Grau und meist trocken. Alles in allem wirkt das wenig spektakulär und ist auch im Hinblick auf die vergangenen Winter keine wirklich neue Entwicklung. Das derzeitige Wettergeschehen wird sich bis Wochenmitte nicht wesentlich ändern. Aber auch danach, ja wir kommen dann wieder in eine straffe nordwestliche Strömung, mit der auch mal erwärmte Polarluft zu uns gelangt. Selbst das dürfte höchstens zum mittlerweile geflügelten Wort Berglandwinter (und das erneut ab den mittleren Lagen nach oben) reichen.


Zum Vergrößern bitte klicken


Die in den letzten Wochen immer wieder aufgetretenen Nordwestlagen begünstigten allerdings die Gebiete östlich und vor allem südöstlich von uns. Gemeint ist der Raum Balkan und Türkei, teils auch der Nahe Osten (Syrien, Libanon). Während es Deutschland häufig mit Randlagen relativ zu einer Hochdruckzone von den Britischen Inseln bis nach West- und Mitteleuropa zu tun hatte, waren und sind Kaltluftausbrüche mit Tiefdruckgebieten, die nördlich und östlich um diese Hochdruckzone herum bis weit nach Südosten ziehen, erst möglich geworden. Die Auswirkungen in diesen Gebieten sind insofern stärker, da diese Luftmassen mit polarem Ursprung den Weg nach Südosten weniger über den warmen Atlantik oder die Nordsee, sondern vielmehr über Skandinavien, die Ostsee und das Baltikum nehmen. Auch daher kommt neben verschiedenen dynamischen Effekten diese Luftmasse dort oft deutlich kälter an und verursacht kräftige Schneefälle, oft bis in tiefe Lagen.

Bis über die Wochenmitte hinaus bleibt über dem Balkan, der Türkei und Teilen des Nahen Ostens die recht kalte Luftmasse quasi liegen, während es im nördlichen Osteuropa (z.B. Baltikum) insgesamt allmählich wieder milder wird.

Anbei ist eine Grafik des EZMWF-Modells zur Prognose der mittleren wöchentlichen Abweichungen der 2 m-Temperatur im Bereich Südosteuropa dargestellt (Zeitraum vom 24.01.22 bis 31.01.22). Hier ist deutlich eine negative Anomalie (Abweichung) über Teilen des Balkans, vor allem aber über der Türkei auszumachen. Im Bereich des Tiefdruckkomplexes über Kleinasien soll ja die kälteste Luft quasi erstmal liegenbleiben. Über dem Balkan hingegen setzt sich von Nordwesten zunehmend Hochdruckeinfluss durch. Aus diesem Grund kann die Luftmasse vor allem nachts über Land weiter auskühlen, tagsüber macht sich allmählich die veränderte (zunehmend positive) Strahlungsbilanz sowohl jahreszeitlich als auch generell breitengradabhängig stärker bemerkbar. Außerdem wird die kälteste Luft zum Wochenende allmählich ostwärts abgedrängt. Insofern fallen dort die negativen Anomalien geringer aus.

Zum Abschluss noch aktuelle Wetterdaten aus der beschriebenen Region:

Die Minimumtemperatur der letzten Nacht (23./24.01.22) betrug im Inneren der Türkei ca. -10 bis unter -15 Grad im Bergland. An der Grenze zu Syrien gab es ebenso leichten Frost. In weiten Teilen der Türkei fielen in den letzten 24 Stunden nochmals rund 15 bis 30 cm Neuschnee. Beispielweise meldete die Station Zonguldak (auf 137 m Höhe) an der türkischen Schwarzmeerküste heute früh (24.01.22) eine Gesamtschneehöhe von 54 cm (gegenüber 39 cm am 23.01.22). "Ski und Rodel gut", erst recht mit solchen Schneemengen, heißt es an der südlichen Schwarzmeerküste nicht allzu oft.

Dipl.-Met. Dr. Jens Bonewitz

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 24.01.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

23.09. - Die dritte Jahreszeit

22.09. - In den Nächten zeigt sich der Herbst

21.09. - Ruhiger Start in den Herbst

20.09. - Europawetter

19.09. - Westeuropa blockiert erneut

18.09. - Zwischen Spätsommer und Frühherbst

17.09. - Weltwetterorganisation: Der globale Wasserkreislauf gerät aus den Fugen

16.09. - Sonnenscheinreiches Jahr 2026 – Erste Zwischenbilanz

15.09. - Ungewöhnlich ruhiger tropischer Atlantik!

14.09. - Magdeburger Halbkugeln - Auf der Suche nach dem Nichts

13.09. - Geschichte der Meteorologie − Teil 17: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (c) und internationale meteorologische Konferenzen

12.09. - Wo endet die Atmosphäre, wo beginnt der Weltraum?

11.09. - Verifikation von Wettermodellen

10.09. - Stark- und Dauerregen von Mittelitalien bis nach Österreich

09.09. - Tschüss Hochsommer, hallo Spätsommer und Frühherbst

08.09. - Geschichte der Meteorologie – Teil 16: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (b)

07.09. - Geschichte der Meteorologie − Teil 15: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (a)

06.09. - "WeatherNext3" – Wie zuverlässig ist ein KI-Modell ohne explizite Physik?

05.09. - Kopfschmerzen durch Wetter

04.09. - Zwischen Sturm und Spätsommer

03.09. - Deutschlandwetter im Sommer 2026

02.09. - Deutschlandwetter im August 2026

01.09. - Der Einfluss großer Windparks auf Wetter und Niederschlag

31.08. - Wie wird eigentlich ... gemessen? - Temperatur

30.08. - Kommt die hochsommerliche Hitze zurück?

29.08. - Hurrikan KATRINA: Heute vor 21 Jahren

28.08. - Göttliche Zeichen am Himmel? – Historische Interpretationen von Halos

27.08. - Die atlantische Hurrikansaison 2026: Ein Update

26.08. - Marine Hitzewellen

25.08. - Steigende Gewitter- und Unwettergefahr in dieser Woche!