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23. September 2021 |

Späte Sommerwärme und segelnde Spinnen: Der Altweibersommer

Späte Sommerwärme und segelnde Spinnen: Der Altweibersommer

Datum 23.09.2021

Eine sonnig-warme Wetterperiode zwischen Mitte September und Anfang Oktober nennt man Altweibersommer. Doch woher hat er seinen Namen?

Zwischen Mitte September und Anfang Oktober, wenn das Tageslicht schon spürbar schwindet und der Herbst kalendarisch Einzug hält, stellt sich nicht selten für ein paar Tage noch einmal sonniges und durchaus sommerliches Wetter ein. Dabei handelt es sich erwiesenermaßen jedoch nicht um einen Zufall oder eine subjektive Wahrnehmung, sondern um ein tatsächlich wiederkehrendes Wettermuster, einen sog. Witterungsregelfall. Im deutschen Sprachraum bezeichnet man diese frühherbstliche Hochdruckwetterlage mit warmen Temperaturen als "Altweibersommer".


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Über den Ursprung dieser Bezeichnung lässt sich leider nur spekulieren. Möglicherweise geben die im Morgenlicht auf Wiesen und Sträuchern silbrig-grau glitzernden Spinnfäden, die von Baldachinspinnen gewebt (altdeutsch: geweibt) wurden, dem Altweibersommer seinen Namen. Die Spinnen segeln mithilfe dieser Fäden durch die Luft, teilweise tausende Meter hoch und hunderte Kilometer weit. Dabei sind sie auf Thermik angewiesen, also auf aufsteigende Blasen warmer Luft, die es nur bei eher windschwachen, sonnigen Bedingungen gibt. Da man die Jahreszeiten früher ausschließlich in Winter und Sommer einteilte, nannte man den Frühling daher "Junger Weibersommer" und den Herbst "Alter Weibersommer". Aus Letzterem könnte der "Altweibersommer", wie wir ihn heute kennen, entsprungen sein.

Auch meteorologisch gesehen gibt es keine eindeutige Definition für den Altweibersommer. Üblicherweise bringt man ihn mit einer recht stabilen Wetterperiode in Verbindung, die durch ein Festlandshoch oder eine Hochdruckbrücke über Mitteleuropa gekennzeichnet ist. Dabei ist es bei längerem Sonnenschein wärmer als üblich. Bei den mittleren Temperaturen erkennt man ihn daran, dass der septembertypische Temperaturrückgang für einige Tage unterbrochen wird. Da der Altweibersommer zu den Witterungsregelfällen gehört, die zeitlich betrachtet recht unspezifisch sind und nicht an bestimmte "Lostage" gebunden sind wie beispielsweise die Eisheiligen, ist dessen Eintrittswahrscheinlichkeit verhältnismäßig hoch. Sie liegt allein für die letzte Septemberwoche nach langjährigen Statistiken bei etwa 80%.

Da der "Altweibersommer" nicht nur ein Phänomen in Deutschland ist, findet man Bezeichnungen für vergleichbare Witterungsregelfälle auch in anderen Sprachen. Im slawischen Sprachgebrauch und im Ungarischen zum Beispiel verwendet man Begriffe, die dem deutschen Wort Altweibersommer sinngemäß entsprechen (z. B.: polnisch "babie lato"). In Neuengland im Nordosten Nordamerikas kennt man die Wetterlage als "Indian Summer". In Deutschland bezeichnet man damit übrigens fälschlicherweise den Zeitraum besonders starker Laubfärbung. In einigen Mittelmeerländern wird eine verhältnismäßig warme und beständige Wetterphase im November gerne "St.-Martins-Sommer" genannt, in Spanien "St.-Michaels-Sommer" (Veranillo de San Miguel).

So sommerlich warm der Altweibersommer am Tage ist, darf man nicht vergessen, dass die Nächte schon lang sind und die Luft gerade bei klaren und windschwachen Bedingungen stark auskühlen kann. So geht der Altweibersommer nicht selten mit dem ersten Boden- oder gar Luftfrost einher. Denken Sie also an Ihre Blumen und anderen frostempfindlichen Pflanzen!

Dipl.-Met. Adrian Leyser

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 23.09.2021

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