Die Himmelsfarben haben etwas mit der Streuung des Sonnenlichtes in der AtmosphĂ€re zu tun. Das Sonnenlicht selbst erscheint hellweiĂ. TatsĂ€chlich setzt es sich allerdings aus den bekannten Regenbogenfarben von violett, blau, grĂŒn ĂŒber gelb bis hin zu rot zusammen. Dabei entsprechen verschiedene Farben jeweils separaten WellenlĂ€ngen. Je kĂŒrzer die WellenlĂ€nge, desto energiereicher das Licht und umso mehr verschiebt sich die Farbe Richtung violett. Langwelligeres Licht ist energieĂ€rmer und geht daher eher ins Rötliche. Die höchste StrahlungsintensitĂ€t hat die Sonne bei einer WellenlĂ€nge von etwa 550 nm, was etwa gelbgrĂŒn entspricht. Trifft nun dieses Licht auf Partikel oder MolekĂŒle in der AtmosphĂ€re, so wird es in verschiedene Richtungen abgelenkt, Ă€hnlich wie ein Wasserstrahl, der auf ein Hindernis trifft.
Dies ist natĂŒrlich nur eine sehr vereinfachte Darstellung. FĂŒr die Experten, die es genauer wissen wollen, muss man in die Atomphysik gehen. (FĂŒr das AllgemeinverstĂ€ndnis kann dieser Abschnitt auch ĂŒbersprungen werden.) Das Licht besteht aus Lichtquanten, den sogenannten Photonen. Bei einem Streuprozess trifft ein Photon auf eine Elektron, das sich in einer Wolke um den Atomkern bewegt. Es wird von diesem Elektron absorbiert, wobei das Elektron dessen Energie aufnimmt und in einen angeregten, also energiereicheren Zustand ĂŒbergeht. Diese Energiemenge gibt das Elektron in Form eines neuen Photons aber sofort wieder ab, wobei das Elektron wieder in den Ausgangszustand zurĂŒckfĂ€llt. Das neue Photon fliegt nun aber in eine andere Richtung, sodass der Eindruck entsteht, dass das Licht abgelenkt wird. Da das neue Photon exakt dieselbe Energiemenge wie das alte Photon hat, hat das gestreute Licht auch dieselbe Farbe.
Ist das streuende Partikel deutlich kleiner als die WellenlĂ€nge des Lichtes, was bei MolekĂŒlen der Fall ist, so ist die StĂ€rke der Streuung von der WellenlĂ€nge abhĂ€ngig. Man spricht dann auch von Rayleigh-Streuung (nach dem englischen Physiker Baron Rayleigh 1846 -1919). Das heiĂt, blaues oder violettes Licht wird deutlich stĂ€rker gestreut als rotes. So erscheint der Himmel durch die Streuung der Sonnenstrahlen an MolekĂŒlen blau.
Sind die streuenden Partikel jedoch gleichgroĂ oder gröĂer als die WellenlĂ€nge des Lichtes, so wird das Licht ĂŒber alle WellenlĂ€ngen gleich stark gestreut (Mie-Streuung nach dem Physiker Gustav Mie 1868 - 1956). Somit erscheint das gestreute Licht weiĂ. GröĂere Partikel hat man beispielsweise bei Dunst, verschmutzter Luft oder wie vergangene Woche bei Saharastaub. Dann erscheint das Blau des Himmels hellblau oder leicht milchig-trĂŒb. Hat man allerdings nur wenige groĂe Partikel in sehr trockner Luft, sowie es an diesem Wochenende der Fall war oder wie man es hĂ€ufig im Gebirge erlebt, so hat man kaum Mie-Streuung und der Himmel zeigt sich tiefblau.
Dipl.-Met. Christian Herold
Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 09.03.2021
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



