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11. Juli 2019 | MSc.-Met. Sebastian Schappert

Heftige Unwetter im zentralen Mittelmeerraum

Heftige Unwetter im zentralen Mittelmeerraum

Datum 11.07.2019

Während Hochdruckeinfluss gestern in Deutschland für weitgehend ruhiges Wettergeschehen sorgte, brachte ein Tief über Italien und der Adria atemraubende und zerstörerische Gewitter hervor.

Am gestrigen Mittwoch (10.07.19) verschaffte uns Hoch "Winnie" in der eingeflossenen kühlen Meeresluft weitgehend ruhiges Wetter. Lediglich am Nachmittag und am Abend bildeten sich im Nordosten im Bereich der Oder einzelne Schauer, aus denen auch wenige Blitze hervorgingen. Dunkle Wolken, die sich von der Nordsee her näherten, brachten nur etwas wohlersehnten Regen mit sich.



Ganz anders sah es hingegen in Süd- und Südosteuropa aus. Besonders im Bereich von Zentral- und Süditalien über Montenegro, Albanien, Serbien und Nordmazedonien hinweg bis in den Norden Griechenlands bestimmte eine extrem feuchte und energiegeladene Luftmasse das Wettergeschehen. Bei einer Lufttemperatur von bis zu 36 Grad und einem Taupunkt (siehe http://www.dwd.de/lexikon) in Küstennähe von bis zu 30 Grad herrschten nahezu tropische Verhältnisse vor. Auch die berechnete gefühlte Temperatur von teils deutlich über 40 Grad - an einigen Küstenorten sogar bis zu 48 Grad - spiegelt die extreme Belastung für den menschlichen Organismus wider.

Dazu sorgten Antriebe in höheren Luftschichten für eine starke Anhebung der Luftmasse. In der Folge bildeten sich bereits in der Nacht zum gestrigen Mittwoch im Norden Italiens sowie im Bereich der nördlichen Adria kräftige Gewitter aus. Im Tagesverlauf verlagerten sich diese unter Verstärkung und Neubildung weiter nach Süden, wo sie dann im Laufe des Nachmittags auch den Norden Griechenlands erreichten.

Unter anderem gingen die kräftigen Gewitter mit sintflutartigem Starkregen und kräftigen Fallböen einher. Die starken Regenfälle verwandelten beispielsweise die Straßen von Pescara, einer italienischen Stadt an der Adria, und Komotini am Südrand der Rhodopen in Griechenland in reißende Flüsse. Unzählige Bilder zeigen nicht nur umherfliegende Sonnenliegen, auch wie Streichhölzer umgeknickte Bäume und umgeworfene Autos zählen darunter, die von zerstörerischen Fallböen verursacht wurden. In Griechenland wurden sogar 23 Hektar Birnenbäume niedergewalzt.

Das war jedoch noch längst nicht alles. Darüber hinaus herrschten nahezu ideale Scherungsbedingungen vor: Nicht nur nahm die Windgeschwindigkeit mit der Höhe zu, auch die Windrichtung drehte von südöstlicher Richtung am Boden auf westliche Richtungen in der Höhe. Zusammen mit der hohen Energie in der Luft sind das beste Voraussetzungen für großen Hagel. Dabei kann man den Bildern in diversen Social-Media-Kanälen kaum glauben. Hier ein Hagelkorn so groß wie eine Orange mit einem Gewicht von 300 Gramm, da ein gigantisches Hagelkorn mit einem Durchmesser von etwa 10 Zentimetern, teilweise ist die Rede von 15 Zentimetern Durchmesser. Auch die Videos sind sowohl faszinierend als auch angsteinflößend, kommen die Hagelkörner doch wie Geschoße vom Himmel und schlagen explosionsartig auf dem Boden ein und zerstören alles, was ihnen nicht gewachsen ist.

Auch einige Tornados konnten gestern gesichtet werden. Während eine Wasserhose in Rimini (Italien) aus sicherer Entfernung vom Land aus nur über dem Wasser bestaunt werden konnte, hatte der etwas weiter nördlich gelegene und ebenfalls beliebte Badeort Milano Marittima in Cervia in der Emilia-Romagna weniger Glück. Dort zerstörte ein Tornado alles, was sich ihm in den Weg stellte, auch über 200 Jahre alte Pinienbäume wurden einfach umgeworfen. Darüber hinaus gibt es auch Berichte aus der beliebten Ferienregion Chalkidiki (Nordgriechenland), wo ebenfalls ein Tornado sein Unwesen getrieben haben soll. Dort kostete das Unwetter wohl neben unzähligen Verletzten auch sechs Touristen das Leben.

Aktuell ziehen die Gewitter unter Abschwächung weiter über die Türkei hinweg. Dort können diese ebenfalls besonders im Bergland noch lokal unwetterartig ausfallen, wenngleich sich die atmosphärischen Bedingungen im Vergleich zu gestern deutlich weniger günstig für Unwetter darstellen.

Auch im Westen und Nordwesten Deutschlands sind heute besonders ab den Nachmittagsstunden einzelne Gewitter möglich. Allerdings unterscheidet sich die hier vorherrschende Luftmasse deutlich von der in Süd- und Südosteuropa. Die Luft ist viel kühler und trockener, weniger energiereich und auch die Scherungsbedingungen sind weniger ideal. Entsprechend reicht es meist nur für einzelne markante Gewitter, die lokal eng begrenzt mit Starkregen bis 25 l/qm in kurzer Zeit einhergehen, Hagel und Sturm stehen dabei weniger im Fokus.



© Deutscher Wetterdienst

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