22:45 MESZ | 25.09.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
Drucken
25. November 2017 |

Frontensystem über Deutschland

Frontensystem über Deutschland

Datum 25.11.2017

Fronten sind die wesentliche Ursache markanter Wettererscheinungen in den mittleren geographischen Breiten. Derzeit überquert die in Südwest-Nordost-Richtung orientierte Kaltfront des Tiefdruckwirbels REINHARD mit Kern über dem Nordmeer Deutschland von West nach Ost. Auf ihrer Rückseite sorgt die einfließende polare Meeresluft für einen nass-kalten Wettercharakter.

Das Wetter in Europa wird im Wesentlichen durch das Wechselspiel von Luftmassen unterschiedlichen Energieinhaltes, nämlich "warmer und feuchter" gegenüber "kalter und trockener" Luft, die durch die allgemeine Zirkulation der Atmosphäre gegeneinander geführt werden, bestimmt. Als "Front" bezeichnet man dabei die Schnittlinie einer Fläche zwischen verschiedenen Luftmassen am Erdboden beziehungsweise auf der Bodenwetterkarte.


Zum Vergrößern bitte klicken


Auf dieser Vorstellung basiert die "Polarfronttheorie", die die Entstehung und Evolution von Tiefdruckgebieten in den gemäßigten Klimazonen als Prozesse instabiler Wellenbildungen im Grenzbereich unterschiedlicher Luftmassen interpretiert. Sie wurde vor ca. 100 Jahren von dem Norweger Vilhelm Bjerknes (14. März 1862 bis 9. April 1951) eingeführt und stellt immer noch ein wichtiges Paradigma der "synoptischen Meteorologie" und der Wettervorhersage in den mittleren Breiten dar.

Innerhalb einer Luftmasse sowieso, aber auch beim Übergang von einer Luftmasse zu einer anderen, erfolgt die horizontale Änderung ihrer thermodynamischen Eigenschaften streng genommen kontinuierlich. Meist wird sie jedoch als sprunghaft wahrgenommen, so dass man in praxi tatsächlich von "Grenzflächen" ausgehen kann. Physikalische Eigenschaften wie Temperatur, Dichte und Feuchtigkeit bestimmen die Wärmeenergie der jeweiligen Luftmasse, die man in "fühlbare Wärme" (schlichtweg "warm" oder "kalt") und "latente Wärme" ("feucht" oder "trocken") aufteilen kann.

Für vergleichende Betrachtungen ist es erstrebenswert, die Wärmeenergie einer Luftmasse auch mit einer einzigen physikalischen Größe beschreiben zu können. Dazu eignet sich besonders die "Äquivalenttemperatur". Darunter versteht man die Temperatur der Luft, die erreicht wird, wenn der gesamte in der Luft enthaltene Wasserdampf kondensiert und die dabei freiwerdende Wärmeenergie zur Erhöhung der Lufttemperatur verwendet wird. Im Falle zweier Luftmassen mit gleicher "aktueller Temperatur", aber verschiedener Feuchtigkeit, hat die feuchtere Luft eine höhere Äquivalenttemperatur und ist damit energiereicher.

Wettererscheinungen in den mittleren Breiten sind in der Regel an das Vorhandensein von Fronten gebunden. Durch die relative Bewegung der unterschiedlich temperierten Luftmassen gegeneinander kommt es zu "Hebungsvorgängen" derart, dass bei "Warmfronten" die spezifisch leichtere Warmluftmasse auf den Kaltluftkörper "aufgleitet", wogegen sich bei "Kaltfronten" die spezifisch schwerere Kaltluft unter die Warmluft schiebt und diese anhebt. Die gehobene Warmluft gelangt in der Höhe unter niedrigeren Luftdruck, dehnt sich aus und kühlt sich "adiabatisch" ab. Dabei kondensiert der in ihr enthaltene Wasserdampf und es bilden sich Wolken und Niederschläge.

Seit gestern früh überquert die in Südwest-Nordost-Richtung orientierte, bisweilen "wellende" Kaltfront des mächtigen Nordmeertiefs REINHARD Deutschland von West nach Ost und verursacht vor allem im Stau des Berglandes ergiebige Niederschläge. Dabei sinkt heute die Schneefallgrenze auf etwa 600 bis 400 Meter und verharrt in den nächsten Tagen in der auf der Rückseite einfließenden polaren Meeresluft am unteren Rande des angegebenen Intervalls.

Dipl.-Met. Thomas Ruppert

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 25.11.2017

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

25.09. - Warum Tallagen besonders frostgefährdet sind

24.09. - Flugwettervorhersagen: Der GAFOR

23.09. - Die dritte Jahreszeit

22.09. - In den Nächten zeigt sich der Herbst

21.09. - Ruhiger Start in den Herbst

20.09. - Europawetter

19.09. - Westeuropa blockiert erneut

18.09. - Zwischen Spätsommer und Frühherbst

17.09. - Weltwetterorganisation: Der globale Wasserkreislauf gerät aus den Fugen

16.09. - Sonnenscheinreiches Jahr 2026 – Erste Zwischenbilanz

15.09. - Ungewöhnlich ruhiger tropischer Atlantik!

14.09. - Magdeburger Halbkugeln - Auf der Suche nach dem Nichts

13.09. - Geschichte der Meteorologie − Teil 17: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (c) und internationale meteorologische Konferenzen

12.09. - Wo endet die Atmosphäre, wo beginnt der Weltraum?

11.09. - Verifikation von Wettermodellen

10.09. - Stark- und Dauerregen von Mittelitalien bis nach Österreich

09.09. - Tschüss Hochsommer, hallo Spätsommer und Frühherbst

08.09. - Geschichte der Meteorologie – Teil 16: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (b)

07.09. - Geschichte der Meteorologie − Teil 15: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (a)

06.09. - "WeatherNext3" – Wie zuverlässig ist ein KI-Modell ohne explizite Physik?

05.09. - Kopfschmerzen durch Wetter

04.09. - Zwischen Sturm und Spätsommer

03.09. - Deutschlandwetter im Sommer 2026

02.09. - Deutschlandwetter im August 2026

01.09. - Der Einfluss großer Windparks auf Wetter und Niederschlag

31.08. - Wie wird eigentlich ... gemessen? - Temperatur

30.08. - Kommt die hochsommerliche Hitze zurück?

29.08. - Hurrikan KATRINA: Heute vor 21 Jahren

28.08. - Göttliche Zeichen am Himmel? – Historische Interpretationen von Halos

27.08. - Die atlantische Hurrikansaison 2026: Ein Update