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07. Januar 2021 |

Von vagen Formulierungen und Schwierigkeiten in der Schneeprognose

Von vagen Formulierungen und Schwierigkeiten in der Schneeprognose

Datum 07.01.2021

Wo liegen die Schwierigkeiten in der Schneeprognose und warum ist es manchmal nicht möglich eine klare Prognose zu formulieren? Darum geht es im heutigen Tagesthema.

In den Wetter- und Warnlageberichten liest man hĂ€ufig Formulierung wie: "Teils als Schnee, teils als Regen", "Gebietsweise kann sich auch im Tiefland eine Schneedecke bilden" oder "Kann es streckenweise glatt werden". Dies sind oft sehr vage Formulierungen, bei denen der Leser am Ende nicht weiß, gibt es nun Regen oder Schnee, bleibt der Schnee liegen oder nicht und ist es auf meiner Fahrtstrecke glatt?



Oft kommt dann die berechtigte Frage auf, warum wir da keine klare Aussage liefern können. Darauf gibt es zwei mögliche Antworten: 1.) Es gibt grĂ¶ĂŸere regionale Unterschiede oder 2.) Wir wissen es schlichtweg nicht genau. Aber wie kann es sein, dass wir trotz der vielen Modelle und schnellen Rechner nicht wissen, ob es nun schneit und glatt wird, oder nicht?

Um darauf antworten zu können, mĂŒssen wir etwas genauer schauen, welche Randbedingungen fĂŒr das Auftreten von Schneefall eine Rolle spielen. Eine wichtige Komponente ist natĂŒrlich die Temperatur. Dabei spielen verschiedene TemperaturgrĂ¶ĂŸen eine Rolle. Klassischerweise kennt man ja die Temperatur in 2 m Höhe. Allerdings kann es durchaus auch bei positiven Werten schneien. Eine bessere Aussagekraft liefert da die sogenannte Feuchttemperatur. Das ist ein Temperaturmaß, das sagt, wie die Temperatur sein wird, wenn die Luft 100 % gesĂ€ttigt ist. Die Feuchttemperatur liegt vor dem Niederschlagsereignis hĂ€ufig niedriger als die "normale" Lufttemperatur. Wenn der Niederschlag einsetzt beginnt dieser in der noch nicht gesĂ€ttigten Luft zu verdunsten. DafĂŒr ist Energie notwendig, die der Umgebungsluft entzogen wird. Was passiert also? Die Temperatur sinkt und die Luftfeuchte steigt an. Das geschieht solange bis SĂ€ttigung erreicht ist. Die Feuchttemperatur sagt also vereinfacht, wie stark die fĂŒhlbare Temperatur absinkt, wenn das Niederschlagsereignis in Gang kommt.

Bei Feuchttemperaturen die unterhalb von 1 bis 1.5 Grad liegen ist es in aller Regel so, dass die aus höheren Luftschichten zu Erde fallenden Eiskristalle und Schneeflocken nicht komplett abschmelzen können. Es fĂ€llt dann also in aller Regel Schnee. Liegt die Feuchttemperatur aber ĂŒber 1.5 Grad, ist mit Regen zu rechnen. DarĂŒber hinaus muss auch noch die Temperatur des Bodenbelags berĂŒcksichtigt werden. Selbst wenn es den ganzen Tag schneit, kann sich bei positiv temperierten BelĂ€gen keine Schneedecke bilden.

Soweit klingt das noch recht simpel, es gibt aber doch einige Faktoren, die den Sachverhalt nochmal verkomplizieren. Ein Faktor ist die sogenannte Durchmischung. Wenn ein lebhafter Wind weht, wird Luftmasse in den unteren Luftschichten gut durchmischt, wie mit einem Quirl. Wenn der Wind allerdings nur schwach ist, fehlt dieser Effekt. Weil kalte Luft aufgrund einer höheren Dichte schwerer ist, als warme Luft, kann sich bodennah ein Kaltluftfilm bilden. Dieser Effekt kann noch zusĂ€tzlich durch die IntensitĂ€t des fallenden Niederschlags verstĂ€rkt werden. Bei stĂ€rkeren IntensitĂ€ten kommt die NiederschlagsabkĂŒhlung besser zum Tragen, als bei schwĂ€cheren Niederschlagsereignissen.

Noch komplizierter wird es, wenn das Bergland mit ins Spiel kommt. In TĂ€lern kann sich je nach Anströmrichtung die Kaltluft lĂ€nger halten bzw. stĂ€rker anreichern, als im flachen Land (Prinzip Badewanne). Damit kann es in manchen Regionen tiefer nach unten schneien, als andernorts. Folglich ergibt sich eine regional stark schwankende Schneefallgrenze. Im Bergland kommen darĂŒber hinaus noch lokale Staueffekte hinzu.

Bei klaren TemperaturverhĂ€ltnissen ist dies in aller Regel kein grĂ¶ĂŸeres Problem. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt sind die beschrieben Einflussfaktoren aber das ZĂŒnglein an der Waage. Zumal man auch berĂŒcksichtigen muss, dass die Modellprognosen mit Fehlern behaftet sind.

Was bleibt uns in solch einem Fall? Wir nutzen Formulierungen, die die Spannbreite an Möglichkeiten und die bestehenden Unsicherheiten abdecken. Bei den Warnungen werden zunĂ€chst die Dinge bewarnt, die als recht gesichert eingestuft werden. Beispiel: Im Norden war in der vergangenen Nacht absehbar, dass es durch Schneematsch oder ĂŒberfrierende NĂ€sse glatt werden kann. Es war aber noch unsicher, ob der Schnee auch verbreitet liegen bleibt. Daher wurde zunĂ€chst eine GlĂ€ttewarnung herausgegeben. Als sich abzeichnete, dass sich beispielsweise im Hamburg auch eine Schneedecke ausbildet, wurde eine entsprechende Schneefallwarnung nachgezogen.

Vielleicht können Sie die vagen Formulierungen und die Problematik in der Schneevorhersage nun etwas besser einordnen, denn auch in den Folgetagen bleibt diese Problematik bei Temperaturen um den Gefrierpunkt bestehen.

Dipl.-Met. Marcus Beyer

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 07.01.2021

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