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24. November 2019 | Dipl.-Met. Marcus Beyer

Jetzt wird alles anders?

Jetzt wird alles anders?

Datum 24.11.2019

Im heutigen Tagesthema geht es um den mittel- und langfristig Ausblick und die Frage: Ist nun endlich Schluss mit der Seite Monatsbeginn festgefahrenen Großwetterlage und was kommt dann?

"Die Lage ist festgefahren", war im Thema des Tages von Montag zu lesen gewesen (https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2019/11/18.html). Und tatsächlich hat sich in der vergangenen Woche, einschließlich des Wochenendes, nichts Wesentliches am Wetter geändert. Im westlichen Mittelmeerraum und im Südstau der Alpen gab es seit Freitag enorme Regenmassen und daraus resultierende Überschwemmungen. Die Hochlagen der Berge bekamen gleichwohl nochmal eine ordentliche Neuschneeauflage. In Vendig kam es in den sonntäglichen Morgenstunden erneut zu einem größeren Hochwasser (Acqua Alta), bei dem der Wasserstand nur wenig unter der magischen Schwelle von 1,40 m lag. Und in Deutschland schwankt man an diesem Wochenende wieder einmal zwischen nebligem Dauergrau und sonniger Freundlichkeit. Das spannendste ist da noch die Föhnwärme am Alpenrand mit über 17 Grad im Berchtesgadener Land.


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Nun stellt sich die Frage: Wird sich die im Mittel seit Monatsbeginn bestehende Großwetterlage zeitnah ändern ...und was kommt dann?

Tatsächlich kommt im Laufe der kommenden Woche etwas Schwung in die festgefahrene Lage. Am Montag und Dienstag ist zunächst noch alles beim Alten, man muss die Berge und Nordhänge der Mittelgebirge aufsuchen, um etwas Sonne zu tanken. Ab Mittwoch stellt sich dann aber vorübergehend eine Westwetterlage ein. Dabei zieht das steuernde Tief von England über die Nordsee und weiter bis zum Baltikum. Die Strömung dreht dadurch auf südwestliche Richtung, mit der milde Luftmassen vom Atlantik herangeführt werden. Diese sind dann auch feuchter, sodass auch wieder über Niederschlag in den Wettertexten geschrieben wird.

Inwiefern unterscheidet sich die neue Großwetterlage von der vorherigen? In den letzten 2 bis 3 Wochen lag im Mittel ein Tiefdruckgebiet über Ostfrankreich. Dadurch konnten an seiner Westflanke kalte Luftmassen weit nach Süden in den westlichen Mittelmeerraum ausgreifen und gleichzeitig östlich des Tiefs sehr warme Luft große Teile von Südost- und Osteuropa beeinflussen. Die Grundströmung war also stark von Nord nach Süd bzw. umgekehrt ausgerichtet. Man spricht in diesem Fall von einer stark "meridional geprägten" Großwetterlage. In der kommenden Woche stellt sich hingegen eher eine "zonal geprägte" Wetterlage ein. Das heißt, die Grundströmung ist von West nach Ost ausgerichtet, sodass nun der Weg frei wird für recht milde Atlantikluft.

Welche Auswirkungen hat die Umstellung der Großwetterlage auf das Wetter in Deutschland? Nun, das Grau dominiert auch weiterhin. Am Ende stellt sich für viele die Frage: Möchte ich einen grauen Himmel aus Hochnebel oder durch Tiefdruckaktivität. Was sich aber im Vergleich zum Wochenbeginn ändert: Es wird insgesamt milder und zweistellige Höchstwerte sind dann eher die Regel als die Ausnahme. Der Nachtfrost wird hingegen in die Hochlagen der Berge zurückgedrängt. Dadurch wird dann auch der schon in vielen Teilen des Landes bestehenden positiven Temperaturabweichung im Vergleich zum Monatsmittel weiter Vorschub geleistet. Zudem wird es auch wieder häufiger Niederschläge geben. Ob der Regen auch reicht um aus den aktuell in vielen Regionen im Vergleich noch recht trockenem Novembermonat einen durchschnittlichen zu machen, bleibt allerdings abzuwarten.

Zu guter Letzt noch ein Blick in die Glaskugel. Für die erste Dezemberwoche deuten einige Modellösungen an, dass sich die Großwetterlage wieder stärker meridional ausrichtet. Allerdings würde die Tiefdruckaktivität dann weiter östlich zu finden sein, als in den ersten beiden Novemberdekaden. Damit bestünde die Option, dass Deutschland eher in eine nördliche Strömung und damit in den Einflussbereich von Kaltluft polaren Ursprungs gelangt. Dann könnte vielleicht auch der Winter mal Anklopfen. Ob es wirklich so kommt, ist indes mit größeren Unsicherheiten behaftet, da die Streubreite in der Modellwelt noch ziemlich hoch ist. Gegenteilig schauen zum Beispiel die längerfristigen Prognosen des europäischen Modells (EZMWF) vom vergangenen Freitag aus. Demnach würde sich das milde Wetter im gesamten Zeitraum bis zum Weihnachtsfest im Mittel (!) fortsetzen. Wie es am Ende kommt, kann man noch nicht sagen, aber immerhin ist die 3 Wochen andauernde stationäre Großwetterlage beendet.



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