09. Juli 2013 |
Von Urlaub, Sonne und Mee(h)r
In elf Bundesländern haben die Sommerferien schon begonnen, nächste Woche folgen weitere drei. Viele Urlauber zieht es zu dieser Zeit an die Nord- und Ostsee oder auch an ein anderes Meer.
Doch wer am Nachmittag schon einmal am Strand gelegen hat, konnte
besonders an den heimischen Küsten mitunter einen kühlen vom Wasser
her wehenden Wind verspüren. Doch wie kommt das?
Das Stichwort zur Erklärung dieses Phänomens lautet Seewind. Vom
Seewind spricht man, wenn der Wind vom Meer zum Land weht. Während
der warmen Jahreszeit wird damit kühlere Seeluft herangeführt.
Für die Entstehung von Seewind gibt es unterschiedliche Ursachen:
Einerseits kommt es aufgrund der großräumigen Druckverteilung zu
Winden aus entsprechenden Richtungen. So weht auf der Ostflanke des
aktuellen Hochs XENA mit Schwerpunkt über den Britischen Inseln der
Wind eher aus einer nördlichen bis nordwestlichen Richtung und daher
von der See her kommend an unsere Strände. Die Wassertemperaturen der
Nordsee betragen momentan kühle 17 bis 18 °C, die der Ostsee sind mit
18 bis 20 °C auch nur unwesentlich höher. Die Wassertemperaturen
ändern sich im Vergleich zu den Temperaturen an Land bedeutend
langsamer. Daher haben Gewässer im Sommer tagsüber einen kühlenden
Effekt auf ihre nähere Umgebung. Nachts lässt sich der umgekehrte
Effekt beobachten: Dann ist das Wasser in Relation zum Land wärmer
und kann die Auskühlung in gewässernahen Gebieten deutlich dämpfen.
Aufgrund des vom Meer kommenden Windes bleibt es im unmittelbaren
Küstenbereich in den nächsten Tagen mit Tageshöchstwerten von 17 bis
knapp über 20 °C kühler als weiter im norddeutschen Binnenland, wo
mit Ausnahme des morgigen Mittwochs 22 bis 24 °C erwartet werden.
Andererseits kann sich bei einer windschwachen Hochdruckwetterlage
ein lokales kleinräumiges Windsystem ausprägen. Das ist die
sogenannte Land-Seewind-Zirkulation, bei der sich Land- und Seewind
in Abhängigkeit von der Tageszeit abwechseln.
Die Land-Seewind-Zirkulation hat rein thermische Ursachen. Sie wird
nur durch die unterschiedliche Erwärmung bzw. Abkühlung von Land und
Wasser hervorgerufen und kann an den Meeresküsten und an den Ufern
großer Seen, wie beispielsweise dem Bodensee, entstehen. Die
Landfläche wird durch die Sonneneinstrahlung sehr viel stärker
erhitzt als die Wasseroberfläche.
Das liegt in der geringeren Wärmekapazität der typischerweise an Land
vorkommenden Materialien begründet. So beträgt die Wärmekapazität für
Beton 0,88 kJ/(kg·K), für Asphalt 0,92 kJ/(kg·K), für Erdboden 0,8
kJ/(kg·K) und für Sand 0,84 kJ/(kg·K), für Wasser hingegen liegt der
Wert bei 4,18 kJ/(kg·K). Das heißt, um ein Kilogramm Wasser um ein
Kelvin (sprich 1 °C) zu erwärmen, ist zirka fünfmal so viel Energie
nötig wie für ein Kilogramm Sand.
Im Folgenden bietet sich ein Blick auf die Grafik an. Wird die
Landfläche erwärmt, erwärmt sich auch die darüber befindliche Luft.
Diese dehnt sich aus und steigt wegen ihrer geringeren Dichte auf.
Durch das Aufsteigen entsteht am Boden ein lokales Tiefdruckgebiet.
Dieser Mangel an Luftmolekülen wird durch eine Luftströmung vom
Wasser zum Land, dem See- oder auflandigen Wind, ausgeglichen. Die
über dem Wasser wegtransportierten Luftmassen werden aus höheren
Schichten ersetzt, sodass unmittelbar über der Wasseroberfläche ein
lokales Hochdruckgebiet entsteht. In der Höhe sind die Druckgebilde
genau entgegengesetzt angeordnet. Es kommt daher zu einer
Ausgleichströmung vom Land zum Wasser, wodurch der Kreislauf
geschlossen ist. Diese Zirkulation setzt je nach Intensität der
Sonneneinstrahlung etwa um die Mittagszeit ein.
Am Abend und in der Nacht kehren sich die Verhältnisse um. Wegen der
niedrigeren Wärmekapazität kühlt sich das Land schneller ab als das
Wasser. Es weht Wind vom Land zum Wasser, der sogenannte Land- oder
ablandige Wind, der in der Regel weit schwächer ausgeprägt ist als
der Seewind.
Vorsicht ist bei auflandigem Wind und vom Himmel brennender Sonne
geboten. Dann fühlt es sich zunächst beim Sonnenbad aufgrund des
kühlenden Windes nicht besonders heiß auf der Haut an. Den
Sonnenbrand merkt man abends, aber dann ist es schon zu spät. Also,
die Sonnencreme nicht vergessen!
M.Sc. Met. Stefan Bach
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.07.2013
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