20. März 2013 |
Ist das noch normal?
Schnee in Mengen erlebt der Nordosten Deutschlands diese Tage im
inzwischen schon weit vorangeschrittenen März. Nicht gerade selten
sind daher die Anfragen an uns Meteorologen, ob das denn noch normal
ist? Bereits im Thema des Tages vom 8. März haben wir diese Frage im Rahmen des Hin und Hers des Wetters
(Winter - Frühling - Winter) gestellt, wobei die Antwort ein klares
"Nein" war. Ist das auch jetzt noch so?
27 cm Schnee in Laage (Mecklenburg-Vorpommern), 26 cm Schnee in
Lübeck (Schleswig-Holstein), 19 cm in Dörnick (Schleswig-Holstein),
18 cm in Goldberg (Mecklenburg-Vorpommern) und 17 cm Schnee in Putbus
auf Rügen (Mecklenburg-Vorpommern). So hoch lag der Schnee an
ausgewählten Orten am heutigen astronomischen Frühlingsanfang, der
genau auf 12.02 Uhr heute Mittag terminiert ist. Für einen 20. März
sind das stolze Höhen. In der Tat sind sogar einige
Schneehöhenrekorde zu verzeichnen. So lösen beispielsweise die 27 cm
Schnee in Laage den bisherigen Rekordwert von 21 cm vom 2. März 2005
ab. An einigen Wetterstationen im Flachland, wie etwa in
Dippoldiswalde-Reinberg und Sohland-Spree (beide Sachsen), wurde gar
an bisher 19 Tagen des Monats eine geschlossene Schneedecke gemeldet!
Erstaunlicherweise ist aber selbst das nicht ungewöhnlich: Im Jahr
2006 wurde im März in Sohland-Spree an 29 Tagen eine geschlossene
Schneedecke gemeldet, in Dippoldiswalde-Reinberg an 26 Tagen.
Das Monatsmittel der Temperatur dieses Märzes ist auch nur etwas
ungewöhnlich. So liegt dieses in den ersten 19 Tagen des Monats im
deutschlandweiten Flächenmittel bei 0,9 Grad. Das sind 2,5 Grad
kälter als die 3,4 Grad, die im langjährigen Mittel der Jahre 1961
bis 1990 gemessen wurden. Im Norden beträgt die Abweichung bisher 2
bis 4 Grad, im Süden 1 bis 2 Grad. Am "wärmsten" war es noch am
Alpenrand, wo es nur 0 bis 1 Grad zu kalt war. In Querfurt
(Sachsen-Anhalt) wurde mit 5,0 Grad die größte negative Abweichung
festgestellt, aber auch in Leipzig und Dresden (beide Sachsen) war es
4,1 Grad sehr viel kälter als im Durchschnitt der Referenzperiode.
Da aktuell für den Rest des Monats keine wesentliche Änderung hin zu
Frühlingswetter mit verbreitet zweistelligen Temperaturen zu erkennen
ist, wird die Monatstemperaturbilanz am Ende des Monats wohl deutlich
negativ ausfallen. Das Jahr 1883 wird damit aber kaum übertroffen. Da
lag das Monatsmittel bei -1,5 Grad! Und auch die Jahre 1958 (-0,3
Grad) und 1987 (-0,46 Grad) sowie eine ganze Reihe weiterer Jahre
werden am Ende des Monats wahrscheinlich kälter als der diesjährige
März gewesen sein (siehe dazu die Grafik "Mittlere
Tagesmitteltemperatur März Deutschland 1881 - 2013").
Alle genannten Fakten deuten darauf hin, dass es sich zwar um eine
etwas ungewöhnliche Wetterlage handelt, aber fast alles im Prinzip
schon mal da gewesen ist. Vor allem hinsichtlich der Schneemengen
kann man aber von einem außerordentlich markanten Ereignis sprechen.
Dipl.-Met. Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.03.2013
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