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Vorhersage

Bericht
Offenbach, Sonntag, den 29.03.2015

Nass und stürmisch, im höheren Bergland zunehmend wieder winterlich!

Derzeit nimmt die Atmosphäre über dem Atlantik sowie auch europäischen Raum wieder richtig Fahrt auf.

Verantwortlich dafür ist das kräftige und großräumige noch namenlose Azorenhoch, welches sich bis weit in den Mittelmeerraum ausweiten konnte, sowie eine Tiefdruckzone von Neufundland bis nach Skandinavien, in die mit Niklas, Mike und Lucien mehrere, unterschiedlich intensive Tiefdrucksysteme eingebettet sind.

Wetterkarte


Zwischen den beiden Druckgebilden bildete sich eine lebhafte westliche Strömung aus, die mit der Höhe an Stärke gewinnt.


Der Polarjetstream im 300-hPa-Niveau (um 9100 m) zeigte heute Morgen um 8 Uhr entsprechend von Neufundland bis nach Großbritannien die höchsten Windgeschwindigkeiten, die in der Spitze Werte bis 370 km/h erreichten.

Selbst im 850-hPa-Niveau, was etwa einer Höhe von 1500 m entspricht, wies die westliche Strömung verbreitet noch Windgeschwindigkeiten zwischen 80 und 150 km/h auf. Auch über Deutschland prognostizierten die Modelle in 1500 m Höhe schon für den Morgen Winde bis 100 km/h. In Böen waren dort demnach Windgeschwindigkeiten bis in Orkanstärke möglich. Als Beispiel dient hier der Brocken, auf dem zwischen 6 und 7 Uhr eine maximale Böe von 130 km/h gemessen wurde.

Da der Jetstream gleichermaßen als lenkende Autobahn für Sturmtiefs samt Tiefausläufer gilt, treten heute sowie auch in den kommenden Tagen auch in tiefen Lagen verbreitet Böen in Sturmstärke auf. Zudem bringen die Tiefausläufer kräftigen und teils länger andauernden Regen mit, der die Flüsse rasch ansteigen lässt. (Weitere Informationen zum Jetstream lesen Sie auch im Thema des Tages)

Besonders hohe Windspitzen treten heute und in den kommenden Tagen in Verbindung mit Schauern und Gewittern auf, in den es zu kräftigen vertikalen Umwälzungen der Atmosphäre kommt. Dabei können die deutlichen höheren Windgeschwindigkeiten aus größeren Höhen zum Boden gemischt werden.


Heute ist dies mit Durchzug der Kaltfront am Abend und in der ersten Nachthälfte der Fall.

An der Kaltfront schiebt sich die kalte Luft unter die warme Luft und hebt diese dabei. Je größer die Temperaturunterschiede, desto größer die Hebung. Wenn jedoch an bzw. unmittelbar vor der Front die Luft aufsteigt, muss sie irgendwie auch wieder abfallen. Dies ist geschieht in den Schauern und Gewittern, die durch die schnell und stark aufsteigende Luft entstehen. Neben Aufwindregionen verfügen die Schauer und Gewitter jedoch auch über Abwindschläuche, wo die Luft zum Boden rauscht. Diese befinden sich meist im Bereich des Regens.


In den kommenden Tagen spielt jedoch die einfließende Höhenkaltluft eine gleichwertige Rolle.

Im 500-hPa-Niveau schiebt sich Luft mit Temperaturen unter -30 Grad nach Deutschland. Da am Boden jedoch aufgrund des fortschreiten des Jahres schon höhere Temperaturen erreicht werden, weist die Atmosphäre eine große vertikale Temperaturdifferenz auf. Die warme Lauft am Boden will aufsteigen und die kalte Luft absinken. Die Umwälzungen lösen ebenfalls Schauer und Gewitter aus. Mit dem gleichen Effekt, dass hohe Windgeschwindigkeiten aus größeren Höhen den Weg zum Boden finden.


Wie schon angedeutet wird das Wetter zudem von kräftigen Regenfällen geprägt.

Mit den Tiefdruckgebieten wird auch sehr feuchte Luft nach Deutschland transportiert. Durch die oben beschriebenen unterschiedlichen Hebungsantriebe fällt die Feuchte als Niederschlag aus. Teilweise regnet es mäßig bis stark und auch länger anhaltend. Vor allem in den West- bzw. Südweststaulagen der Mittelgebirge und Alpen, wo die Luft beim Überwinden der Orographie gezwungen wird aufzusteigen, kann es zu teils sogar ergiebigem Dauerregen kommen.


Da der Wind im Laufe der Woche zunehmend auf Nordwest dreht und somit kühlere Luftmassen aus Norden anzapft, sinkt auch die Schneefallgrenze wieder ab.

Ab Mittwochabend können die Schauer vor allem im Norden und in der Mitte bis auf 200 bis 500 Meter als Schnee oder Schneeregen fallen. Graupelschauer sind zeitweise sogar bis in tiefe Lagen möglich. Die Temperaturen bewegen sich dann auch nur noch im bescheidenen einstelligen Bereich, nachts sogar bis nahe an den Gefrierpunkt. Im höheren Bergland herrscht sogar Dauerfrost. Damit verbunden muss auch wieder mit Glätte gerechnet werden. Gut, wer noch Winterreifen fährt und noch nicht umgerüstet hat!



Das erklärt Dipl.-Met. Lars Kirchhübel von der Wettervorhersagezentrale des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach zum Wetter der kommenden Tage.


Deutscher Wetterdienst
Bericht des Deutschen Wetterdienstes für Deutschland
vom 30.03.2015, 03:19 Uhr

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