08. März 2013 |
Vom Winter in den FrĂĽhling in den Winter
Ende Februar gab es in vielen Teilen Deutschlands noch Dauerfrost und
eine geschlossene Schneedecke (siehe dazu z. B. das Thema des Tages
vom 24. Februar 2013). Dann kam Anfang März die Umstellung zum
FrĂĽhlingswetter mit viel Sonnenschein und eiscafetauglichen
zweistelligen Temperaturen. Ă–rtlich wurden sogar ĂĽber 20 Grad
gemessen (in Düsseldorf, Köln und Wuppertal am vergangenen Mittwoch).
Und nun geht es doch tatsächlich wieder in Richtung Winterwetter.
"Ist dieses Hin und Her denn noch normal?", das werden wir
Meteorologen in solchen Situationen häufig gefragt. Die Antwort
lautet in diesem Fall: Ja! Der März ist nämlich bekannt für extreme
Temperaturschwankungen.
So kann es auf der einen Seite frĂĽhsommerlich warm werden. Sogar
Sommertage (Tageshöchsttemperatur mindestens 25 Grad oder mehr)wurden
im März schon registriert. Das gab es beispielsweise in den Jahren
1968 oder 1989 gegen Ende des Monats. Die höchste deutschlandweit im
DWD-Messnetz gemessene Märztemperatur lag bei 26,6 Grad, sie wurde am
28. März 1989 in Baden-Baden (Baden-Württemberg) erreicht.
Auf der anderen Seite sind aber auch winterliche Verhältnisse mit
Eistagen (Tageshöchsttemperatur unter 0 Grad) vor allem am Anfang des
Monats beileibe keine Seltenheit. Als Beispiel kann hier das Jahr
1971 angeführt werden. Die tiefste gemessene Höchsttemperatur eines
Tages wurde - wenig überraschend - mit -27,9 Grad am 5. März 1971 auf
der Zugspitze verzeichnet. Im Flachland (unter 400 m) sticht das
sächsische Görlitz an der Grenze zu Polen heraus, wo am 4. März 1971
nur maximal -11,0 Grad erreicht wurden.
Wie kommt es zu solchen Gegensätzen innerhalb nur weniger Tage?
Entscheidend ist, woher die Luftmassen zu uns kommen. Strömt nämlich
Luft aus Nord- oder Nordosteuropa nach Deutschland, so ist diese im
März meist sehr kalt. Das dort aus dem Winter vorhandene
Kaltluftreservoir konnte durch den FrĂĽhling meist noch nicht
ausgeräumt werden. Kommt die Luft dagegen aus dem Mittelmeerraum oder
dem nördlichen Afrika zu uns, so ist diese durch den dort beginnenden
Frühling per se schon mal wärmer. Ist diese Luft dann bei uns, kann
sie zusammen mit dem schon gestiegen Sonnenstand und der daraus
resultierenden verstärkten Kraft der Sonne frühsommerliche Wärme
erzeugen.
Genau diese Vorgänge machten und machen dieses Hin und Her beim
Wetter der letzten und nächsten Tage aus. So lagen wir Ende Februar
noch in einer östlichen bis nordöstlichen Strömung, die Anfang März
auf südliche Richtungen drehte. Nun dreht die Strömungsrichtung
abermals, und zwar wieder zurĂĽck auf Ost bis Nordost.
Die nächsten Tage werden also wieder winterlich. Die aus
Nordosteuropa kommende Frostluft breitet sich zunehmend ĂĽber
Deutschland aus, zum Wochenanfang wird sie auch den SĂĽden erreichen.
Zwischen der Frostluft und der milderen Luft im SĂĽden liegt eine
Luftmassengrenze (deutlich erkennbar in der Grafik des Wetters in
Deutschland am Sonntag, 10.03.2013). An dieser kommt es zu
Hebungsvorgängen, die vermehrt Niederschläge auslösen. Dabei regnet
es südlich der Luftmassengrenze, im Grenzbereich fällt zum Teil
gefrierender Regen mit gefährlicher Glatteisbildung, nördlich davon
gibt es Schnee.
Im Norden Deutschlands, vor allem nördlich der Mittelgebirge, sind
sogar nicht unerhebliche Schneefälle zu erwarten. Einige
Wettermodelle zeigen von Samstagmittag bis Montagmorgen dort sogar
Neuschneemengen um 20 cm bis ins Flachland an!
Dipl.-Met. Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.03.2013
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