Offenbach, Sonntag, den 29.03.2026 | Dipl.-Met. Martin Jonas
Erst Zwischenhocheinfluss mit Schönheitsfehlern, dann Aprilwetter
Am heutigen Sonntag streckt ein Hochdruckgebiet vom Ostatlantik seine Fühler nach Mitteleuropa aus.
Eine etwas meteorologischere Formulierung würde von einem Bodenkeil sprechen, der über die Biskaya hinweg bis nach Mitteleuropa reicht. Das macht, egal ob meteorologisch oder umgangssprachlich formuliert, Hoffnung auf ruhiges Sonntagswetter mit etwas - standesgemäßer - Sonne.

Am besten sieht es diesbezüglich von der Nordsee und Schleswig-Holstein bis zum Rheinland aus. Wer sich dort heute den obligatorischen Sonntagsspaziergang gönnt, kann den Regenschirm zu Hause lassen, sollte aber trotzdem an eine adäquate Jacke denken, denn Höchstwerte bis zu 12°C sind Ende März nicht sonderlich mild. Das andere Wetterextrem findet sich an den Alpen. Bei dichter Bewölkung kommen die Temperaturen dort heute so gar nicht in Schwung, selbst die 5°C werden, wenn überhaupt, allenfalls vereinzelt erreicht. Dazu fällt nur in den Tallagen Regen, sonst Schnee, was möglicherweise dem ein oder anderen Schlitten nochmal zu einem Einsatz verhilft und den Konsum heißer Getränke ankurbeln dürfte. Ähnlich dürfte es vom Erzgebirge bis in die ostbayrischen Mittelgebirge aussehen, wobei es dort etwas wärmer wird und man für Schnee entsprechend etwas höher "klettern" muss. Die breite Mitte zwischen Nordwesten und Südosten profitiert vom Zwischenhocheinfluss zumindest durch längere sonnige
Abschnitte und weitgehend trockene Bedingungen. Selbst sehr vorsichtige können den Schirm zu Hause lassen, bei schwachen und allenfalls lokal auftretenden Schauern reichen auch Mütze und Jacke.
Aus meteorologischer Sicht ist es grundsätzlich empfehlenswert, den heutigen Zwischenhocheinfluss, auch wenn er nicht dem Hochglanz-Fotoalbum entsprungen ist, zu nutzen. Nicht weil morgen die Arbeitswoche wieder beginnt (in vielen Bundesländern sind ja Osterferien), sondern weil morgen, kalendarisch leicht verfrüht, schmuddeliges Aprilwetter Einzug hält. An den Temperaturen merkt man dies eher nicht, die bewegen sich im Vergleich zum heutigen Sonntag nur wenig nach unten. Vielmehr wird es deutlich windiger, in den Hochlagen und an den Küsten können sich sogar ein paar Sturmböen in den auf Nordwest drehenden Wind mogeln. Wirklich sicher bezüglich Sturmböen ist aber auch der Rest des Landes nicht. Denn Höhenkaltluft labilisiert die Atmosphäre und somit besteht im ganzen Land die Gefahr kurzer Gewitter, die eben auch mal eine Sturmböe produzieren können.

Am Dienstag wird es dann besser mit dem Wetter, aber noch nicht gut. Die Gewitterwahrscheinlichkeit lässt nach (was nicht heißt, dass nicht gebietsweise noch kurze Gewitter unterwegs sind) und verbreitet kann man sich auf steigende Sonnenanteile freuen. Es bleibt aber dabei, dass die Luftmasse, die uns die nordatlantischen Tiefs ODILE und NGA bescheren, eine subpolare ist. Und entsprechend fallen die Nächte weiterhin recht kalt aus. Während es in der kommenden Nacht zum Dienstag "nur" südlich des Mains und in der darauffolgenden Nacht zum Mittwoch "nur" südlich der Donau verbreiteter frostig wird, soll die Nacht zum Donnerstag wieder großflächiger, auch im Norden und Osten, leichten Frost bringen. Hier heißt es "Aufgepasst" bei allen Profi- und Hobbygärtnern. Empfindliche Pflanzen sollten in den kommenden Nächten geschützt werden, sonst ist für diese das Jahr schon "vorbei" bevor der Osterhase kommt.
Wetter- und Warnlage für Deutschland
am Sonntag, 29.03.2026, 05:00 Uhr
[anzeigen]
Heute Früh regional leichter Schneefall oder Glätte. Tagsüber an den
Alpen weiter Schnee, sonst abklingend. In der Nacht in der
Nordwesthälfte starke Böen, an der Nordsee Sturmböen.
Wetter- und Warnlage:
Die eingeflossene kühle Meeresluft gelangt heute tagsüber unter
Zwischenhocheinfluss. In der Nacht zum Montag folgt bereits die
Passage des nächsten atlantischen Tiefausläufers.
GLÄTTE/SCHNEE:
Heute Früh bevorzugt im Süden und in den höheren Lagen der Mitte
leichter Schneefall oder Glätte durch Schnee. Im westlichen
Erzgebirge bis in den Vormittag etwa 1 bis 5 cm Schnee, an den Alpen
und im südlichen Alpenvorland bis Mittag weitere 3 bis 5 cm, in
Staulagen des Allgäus und des Werdenfelser Landes um 10 cm. Sonst im
Süden sowie in den Mittelgebirgen Glätte durch geringen Schnee oder
durch überfrierende Nässe, am Beginn des Vormittags rasch
entspannend.
In der Nacht zum Montag oberhalb von etwa 500 m zunächst in den
westlichen Mittelgebirgen, später auch in jenen der Mitte 1 bis 5 cm
Schnee. Ausgang der Nacht auch im Südschwarzwald und im östlichen
Bergland einsetzender Schneefall mit 1 bis 5 cm, in weiterer Folge
auf den gesamten Süden übergreifend. Dabei in den genannten Regionen
Glätte durch Schnee.
FROST/GLÄTTE:
Heute Früh an den Küsten sowie in der Osthälfte oft frostfrei, sonst
vielerorts leichter Frost bis -4 Grad. Stellenweise Glätte durch
überfrorene Nässe, am ehesten im Bergland.
In der Nacht zum Montag im Süden und im Bergland leichter Frost
zwischen 0 und -3 Grad.
WIND:
Heute Abend im Nordseeumfeld auffrischender Südwestwind mit ersten
steifen Böen bis 60 km/h (Bft 7). In der Nacht zum Montag im Westen
und Nordwesten zeitweise böig auffrischender Westwind mit 50 bis 60
km/h (Bft 7), im Bergland stürmischen Böen oder Sturmböen 70 bis 80
km/h (Bft 8 bis 9), auf dem Brocken später auch orkanartige Böen bis
105 km/h (Bft 11). In der Deutschen Bucht stürmische Böen oder
Sturmböen von 65 bis 85 km/h (Bft 8 bis 9) aus Südwest, ausgangs der
Nacht dann aus West bis Nordwest.
GEWITTER:
In der Nacht zum Montag im äußersten Nordwesten erste Graupelgewitter
mit Böen zwischen 55 und 70 km/h (Bft 7 bis 8) aus West bis Nordwest
nicht ausgeschlossen.
Detaillierter Wetterablauf:
Heute bevorzugt südlich der Donau sowie vom Bayerwald bis zum
Erzgebirge etwas Niederschlag, in höheren Lagen sowie vor allem an
den Alpen Schneefall. Sonst wolkig bis leicht bewölkt und nur wenige
Schauer. Am Abend im Nordwesten Wolkenaufzug. Höchstwerte zwischen 3
und 12 Grad. Schwacher bis mäßiger, am Abend an der Nordsee frischer,
in Böen starker bis stürmischer West- bis Südwestwind.
In der Nacht zum Montag von Nordwesten bis zur Donau ausbreitende
Bewölkung und einsetzender Regen, oberhalb 500 m Schnee mit Glätte.
Tiefstwerte von Nordwest nach Südost zwischen +5 und -3 Grad. Im
höheren Bergland sowie an den Küsten teils stürmische Böen oder
Sturmböen.
Am Montag stark bewölkt und häufig Regen oder Schauer und Gewitter,
oberhalb 500 m meist als Schnee. Höchstwerte 5 bis 11 Grad. Mäßiger
bis frischer Nordwestwind mit Sturmböen im höheren Bergland und an
der Nordsee.
In der Nacht zum Dienstag vor allem im Bergland weitere Schauer, dort
meist als Schnee, sonst einige Auflockerungen. An den Alpen längere
Zeit Schneefall. Tiefstwerte +3 bis -3 Grad.
Am Dienstag wechselnd bewölkt mit Schauern und einzelnen Gewittern,
oberhalb 600 bis 800 m als Schnee. Im südlichen und östlichen
Bergland teils länger anhaltender Schneefall. Im Lee der
Mittelgebirge und von Norden her Auflockerungen. Höchstwerte 5 bis 11
Grad, im höheren Bergland 2 Grad. Meist mäßiger Wind aus Nordwest,
anfangs mit stürmischen Böen von der Nordsee bis ins nordwestliche
Binnenland.
In der Nacht zum Mittwoch vor allem im süddeutschen Bergland und an
den Alpen noch Schneefall. Im Norden und in der Mitte oft klar.
Abkühlung auf +2 bis -4 Grad.
Am Mittwoch an den Alpen nachlassender Schneefall, ansonsten im Süden
und Südosten noch vielfach stark bewölkt und einzelne Schauer. Im
übrigen Land neben Quellwolken auch länger sonnig und meist trocken.
Höchstwerte zwischen 2 Grad an den Alpen und 14 Grad am Niederrhein.
Schwacher bis mäßiger Wind aus Nord bis Nordost.
In der Nacht zum Donnerstag im Süden teils noch stärker bewölkt und
örtlich etwas Schneeregen oder Schnee. Auch im Nordwesten teils
dichtere Wolken, aber trocken. Ansonsten größere Wolkenauflockerungen
und teils klar. Temperaturrückgang auf +2 bis -3 Grad.
Deutscher Wetterdienst, VBZ Offenbach, Mag.rer.nat. Florian Bilgeri