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14. Juli 2016 | MSc.-Met. Sebastian Schappert

Forensische Meteorologie Teil 4 - Die negativen Seiten des Wetters

Forensische Meteorologie Teil 4 - Die negativen Seiten des Wetters

Datum 14.07.2016

In der Reihe "Forensische Meteorologie" wurden bisher einige interessante Fälle beschrieben, bei denen sich das Wetter in Ermittlungsverfahren bei der Überführung eines Täters oder bei der Aufklärung eines Sachverhalts als hilfreich erwies. In diesem Tagesthema sollen nun gegenteilige Beispiele näher beleuchtet werden. Denn nicht immer helfen Sonne, Wind und Regen den Ermittlern oder, wie im heutigen Fall, der Spurensicherung bei der Arbeit.

Aus vielen Krimis kennt man sie bereits. Gibt es einen Tatort, dann werden die Damen und Herren in den weißen Anzügen herbeigerufen. Die Rede ist von den Tatortgruppen der Bundesländer oder des Bundeskriminalamts, anders ausgedrückt: die Spurensicherung (oder abgekürzt auch "SpuSi" genannt). Deren Hauptaufgabe besteht darin, kriminalistisch relevante Spuren an einem Tatort zu dokumentieren und sicherzustellen. Auch das Absperren und Sichern eines Tatorts gehört zum Verantwortungsbereich, da es dringend zu vermeiden gilt, neue Spuren zum Ort des Geschehens hinzuzufügen. Bei ihrer Arbeitsweise kommt es vor allem auf Sorgfalt und Genauigkeit an, allerdings macht die Witterung dies jedoch nicht immer einfach.


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Liegt beispielsweise der Verdacht vor, dass die Tatwaffe eines Überfalls oder Schmuck von vermissten Personen in einem See vom Täter "entsorgt" worden sind, gehen die Spurensicherer vor allem zu kälteren Jahreszeiten schon auch mal an ihre Grenzen. Dann muss nämlich teilweise in Zusammenarbeit mit spezialisierten Tauchern in eiskalten Gewässern durch Schlamm und Dreck gewühlt werden.

Auch Niederschlag der festen Phase, also Schnee, erschwert die Spurensicherung im tiefsten Winter. Gibt es im Rahmen der Ermittlungen besondere Hinweise auf den Ort einer vergrabenen Leiche, so muss das entsprechende Gelände sichergestellt und nach Anzeichen einer Grabstätte abgesucht werden. Liegt das Gelände allerdings unter einer Schneedecke begraben, gestaltet sich das ganze Unterfangen nicht mehr so einfach. Dann spielt auch die Psychologie des Täters eine gewisse Rolle. Wo würde der Täter eine Leiche vergraben oder verstecken? Gezielt wurde in einem entsprechenden Beispiel unter einem aufgesetzten Holzstapel gesucht. Ein weiteres Hindernis bei den folgenden Ausgrabungen stellte der gefrorene Boden dar.

Aber auch eine der schwersten Katastrophen der deutschen Luftfahrtgeschichte rief die "SpuSi" auf den Plan. Die Rede ist vom Zusammenstoß einer DHL-Maschine mit einem Flugzeug der russischen Airline Bashkirian in der Nacht vom ersten auf den zweiten Juli 2002 zwischen Owingen und Überlingen am Bodensee. Bei dem tragischen Vorfall verunglückten insgesamt 71 Menschen, unter den Opfern befanden sich 49 Kinder. Das Unglück ereignete sich am 1. Juli gegen 23:35 Uhr. Entsprechend mussten zunächst brennende Wrackteile sowie ein aufgrund von Trockenheit begünstigter Waldbrand unter Kontrolle gebracht werden. Gegen 6:20 Uhr des darauffolgenden Morgens (2. Juli) wurde die Einsatzleitung der Polizei übergeben und die Spurensicherung konnte mit der Arbeit beginnen. Dabei war allerdings Eile geboten, denn der Absturz geschah im Hochsommer und in den auf den Absturz folgenden Tagen Höchstwerte bis 26 Grad im südlichen Baden-Württemberg erreicht. Bei großer Hitze musste mit einer schnelleren Verwesung der Leichen gerechnet werden, anders als das beispielsweise im Winter der Fall wäre. Entsprechend bestand die Gefahr, dass wichtige Spuren mit fortschreitendem Verwesungsstadium verschwinden, sodass bei der Arbeit der Spurensicherung nicht nur Sorgfalt, sondern auch Schnelligkeit gefragt war. In diesem Fall zeigte sich erneut, dass das Wetter auch seine negativen Seiten mit sich bringt, wenn es darum geht, Tatorte zu dokumentieren und Spuren sicherzustellen.



© Deutscher Wetterdienst

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