29. Mai 2013 |
Regen hier und anderswo
Der diesjährige Mai endet sprichwörtlich kühl und nass, weiterhin steht in großen Teilen unseres Landes ergiebiger Dauerregen auf der Tagesordnung, wobei unwetterartige Niederschlagsmengen nicht ausgeschlossen werden können. Im Nordosten Deutschlands sind darüber hinaus kräftige Gewitter mit kurzzeitigem Starkregen und Hagel mit von der Partie.
Die Ursache dafür ist seit Tagen dieselbe, ein umfangreiches
Tiefdruckgebiet in der mittleren und höheren Atmosphäre dominiert
große Teile Europas und induziert immer wieder Tiefdruckentwicklungen
im Bodenniveau, die wiederum unterschiedliche Luftmassen in ihre
Zirkulation einbeziehen.
Derzeit wird über Deutschland, grob vereinfacht gesagt, kühlere und
trockenere Luft von Südwesten mit wärmerer und feuchterer Luft aus
Nordosten verquirlt. Es entstehen Luftmassengrenzen, an denen
flächiger Dauerregen fällt, darüber hinaus bewirken Labilität und
vertikale Umlagerungen von Warm- und Kaltluft vor allem im Nordosten
lokal beschränkte, dafür aber intensivere Schauer und Gewitter.
Ein ähnlich übles Gebräu gab es auch am vergangenen Sonntag über
Deutschland, folglich wurden im Messnetz des Deutschen Wetterdienstes
innerhalb von vierundzwanzig Stunden bis Montagfrüh 06:00 UTC in
Sankt Englmar (810 m NN) im Bayrischen Wald 97.3 L/m² (= mm)
registriert, auf den Plätzen folgen der Brocken (1142 m NN) im Harz
mit 70.4 mm und die Wasserkuppe (921 m NN) in der Rhön mit 67.2 mm.
Wer aber nun glaubt, allein in Deutschland im "Tal der Tränen" zu
sitzen, irrt sich grundlegend. Auch anderswo in der Welt schüttet(e)
es gewaltig. Geht man etwa in einer Höhenwetterkarte entlang unseres
Breitengrades einmal rund um den Erdball, so findet man gewöhnlich
ein mehr oder weniger regelmäßiges, wellenförmiges Muster einander
abwechselnder Tiefdrucktröge und Hochdruckrücken.
Wellenberge folgen Wellentälern und so liegen weiter ostwärts,
ebenfalls seit Tagen, hinter einem Hochdruckrücken über Osteuropa und
dem westlichen Asien ausgedehnte Tiefdrucktröge über Zentral- und
Ostasien. Damit verbundene Tiefs am Boden führen feucht-warme
subtropische Luftmassen mit trocken-kühlen kontinentalen Luftmassen
gegeneinander und es kommt zu sintflutartigen Regenfällen.
Auch in Teilen Chinas war die Nacht zu Montag vorläufiger Höhepunkt
regnerischen Wetters. Innerhalb von vierundzwanzig Stunden bis Montag
00:00 UTC fielen in Rizhao (Provinz Shandong, 35°33'N, 119°32'E, 37 m
NN) 204.3 mm, in Ganyu (Provinz Jiangsu, 34°52'N, 119°09'E, 10 m NN)
139.2 mm und in Feixian (Provinz Shandong, 35°16'N, 117°56'E, 120 m
NN) 104.1 mm Regen.
Dipl.-Met. Thomas Ruppert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.05.2013
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