16. April 2013 |
Die Lyriden kommen
Am vergangenen Sonntag sowie am gestrigen Montag gab es zumindest
gebietsweise einen Vorgeschmack auf den Sommer:
Tageshöchsttemperaturen um 20 Grad, entlang des Rheins bereits am
Sonntag und gestern in einem breiten Streifen vom Hochrhein bis zur
Elbe sogar über 25 Grad. Spitzenreiter am gestrigen Tag war Metzingen
in Baden-Württemberg mit 26,8 Grad. Und selbst abends um 22 Uhr
wurden vielerorts noch Temperaturen von 15 bis 18 Grad registriert,
am Oberrhein örtlich sogar um 20 Grad. Bei teils wolkenlosem Himmel
waren dann auch viele Sterne und eine dünne, zunehmende Mondsichel zu
sehen. Ein Vorgeschmack also auf Sommer, milde Abende und
Himmelsbeobachtungen...
Vielleicht fragen Sie sich nun, was das nun wieder zu bedeuten hat.
Die Antwort: Lauschige Abende, wie eben zum Beispiel am Sonntag vor
allem im Südwesten Deutschlands, sind eigentlich die schönsten
Gelegenheiten, den Sternenhimmel zu beobachten. Besonders tolle
Ereignisse sind Sternschnuppen. Das sind Staub oder Gesteinsreste von
Kometen, die man auch als Meteore bezeichnet und die die Bahn der
Erde kreuzen. Beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglühen diese.
Dabei entsteht die Leuchtspur, der Schweif. Die Erde umrundet ja die
Sonne einmal pro Jahr und begegnet deshalb immer wieder den gleichen
Meteorströmen. Die bekanntesten Meteorströme sind sicher die
Perseiden (Ende Juli bis Ende August, im Maximum um 100
Sternschnuppen pro Stunde), die Leoniden (November, Maximum variabel)
und die Geminiden (Dezember, Maximum um 120 Schnuppen pro Stunde).
Aber auch im April, und zwar vom 16. (heute) bis zum 25. April, ist
ein Sternschnuppenstrom zu beobachten. Die Lyriden scheinen ihren
Ursprung im Sternbild Leier (Lyra) zu haben, das am Abend im
Nordosten am Horizont erscheint und die ganze Nacht sichtbar ist. Das
Maximum mit etwa 20 Sternschnuppen pro Stunde wird in der Nacht vom
21. auf den 22. April erwartet. Etwas ungünstig wird sich wohl der
Mond auf die Beobachtung auswirken, der sich gerade in der
zunehmenden Phase befindet und daher den Himmel recht "hell"
erleuchtet. Die besten Sichtmöglichkeiten bestehen demnach zwischen
Monduntergang gegen 1 Uhr nachts und Dämmerung ab etwa 5 Uhr morgens.
Und wie stehen nun die wetterbedingten Chancen, einen Blick auf die
Sterne und auch die Lyriden zu erhaschen?
Nachdem zunächst noch Tiefausläufer, die allerdings überwiegend
schwach ausfallen, mit wechselnder Bewölkung und gelegentlichen
Schauern oder auch Gewittern das Wetter in Deutschland bestimmen,
gelangt zum Ende der Woche vor allem der Norden und Nordwesten
allmählich in den Einflussbereich eines Hochdruckgebietes. Im Süden
werden dagegen Bewölkung und Niederschläge eines Tiefs südlich der
Alpen wetterbestimmend sein.
In der Nacht zum Mittwoch bestehen nach Durchzug eines Tiefausläufers
geringe Chancen zur Schnuppenbeobachtung im Norden und Nordwesten, in
der Nacht zum Donnerstag kann man fast überall die Sterne zeitweise
sehen. Lediglich im äußersten Westen und Süden wird wohl die
Bewölkung den Blick trüben. Ab der Nacht zum Freitag stellt sich dann
eine Zweiteilung ein: im Norden und Westen ist der Himmel nach
heutigem Stand der Vorhersagen häufig gering bewölkt oder klar und
erlaubt die Sicht auf die Lyriden. Im Süden stehen die Chancen bei
überwiegend stark bewölktem Himmel und teils andauerndem Regen
dagegen schlecht. Die Aussichten für das Maximum des Meteorstroms in
der Nacht vom Sonntag auf den Montag sind natürlich noch unsicher,
derzeit scheint aber der Süden und Südosten die besseren
Beobachtungsmöglichkeiten erwarten zu können. Das könnte man dann als
gerechten Ausgleich bezeichnen, oder?
Dipl.-Met. Sabine Krüger
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 16.04.2013
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© Deutscher Wetterdienst
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