15:44 MESZ | 13.05.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
28. März 2013 |

Kleine Eiszeit

Nicht nur der Nordosten Deutschland hat mit den winterlichen
Bedingungen zu kämpfen: Ein Großteil von Nord- und Osteuropa befindet
sich unter einer Schneedecke. In Kiew gab es einen der schlimmsten
Schneestürme des letzten Jahrhunderts und in Moskau liegen
rekordverdächtige 80 cm Schnee. Auch in Nordirland traten kräftige
Schneefälle mit Verwehungen auf. Zudem herrscht in Nord- und
Osteuropa seit längerer Zeit Frost, wobei einige Rekorde gebrochen
worden sind. In Nordostdeutschland wird der März im Vergleich zum
langjährigen Mittel (1961-1990) zum Teil über 4 Grad zu kalt
ausfallen.

Man könnte meinen, dass die derzeitige Witterung in Nord- und
Osteuropa schon fast an das Klima der "Kleinen Eiszeit" erinnert.
Dies war eine relativ kalte Klimaperiode, die von Anfang des 15. bis
in die Mitte des 19. Jahrhunderts hinein reichte. Damals war die
globale Durchschnittstemperatur über 1 Grad kälter als heute. Lang
anhaltende Winter, die bis weit ins Frühjahr andauerten, kamen zu
dieser Zeit demnach häufiger vor. Die Hauptursachen der "Kleinen
Eiszeit" lagen zum einen bei einer verringerten Strahlungsaktivität
der Sonne, das sogenannte Maunderminimum (1645 - 1715), das eine
Periode von geringer Sonnenfleckenaktivität darstellte und nach dem
Astronom Edward Maunder (1851 -1928) benannt wurde. Zum anderen gab
es auch häufiger Vulkanausbrüche. Dadurch gelangten
Schwefelsäuretröpfchen und Staub bis in die höhere Atmosphäre,
wodurch die eh schon verringerte Sonnenstrahlung noch weiter
abgeschwächt wurde. Die unteren Atmosphärenschichten kühlten sich
deshalb stark ab.

Temperaturverlauf der letzten 1000 Jahre, rekonstruiert aus verschiedenen Quellen


In der Kleinen Eiszeit gab es weitaus schlimmere Wetterkapriolen als
die derzeitige Kältewelle. Herausragend war dabei der Winter
1708/1709, in dem sogar der Gardasee komplett zugefroren war.
Nachtfröste kamen bis in den Juli hinein vor. Auch der harte Winter
1739/40, in dem der Bodensee zufror, dauerte bis Ende April. Nach dem
Ausbruch des Vulkans Tambora auf der Insel Sumbawa in Indonesien im
Jahr 1816 kühlte es sich so stark ab, dass es sogar im Sommer
verbreitet zu Nachtfrösten kam. In der Schweiz schneite es im Juli
und im August mehrmals bis in tiefe Lagen. Die Folge waren Missernten
und Hungersnöte. Das Jahr 1816 ging als "das Jahr ohne Sommer" in die
Geschichte ein. Die Abkühlung während der "Kleinen Eiszeit" sorgte
für ein verstärktes Gletscherwachstum in den Alpen, wodurch diese um
1850 ihre größte Ausdehnung seit etwa 8000 Jahren erreichten. Ganze
Alpendörfer wurden damals durch die vorstoßenden Eismassen zermalmt.

Eine neue "Kleine Eiszeit" oder ein Jahr ohne Sommer stehen uns
aktuell wohl nicht bevor. So wird es auch in diesem Jahr letztendlich
wieder Frühling und vor allem auch Sommer werden, auch wenn wir uns
noch etwas gedulden müssen. Denn die Wettermodelle zeigen derzeit bis
zum Ende der 1. Aprilwoche keine grundlegende Umstellung der
Großwetterlage und damit auch keine deutliche Erwärmung.



Dipl.-Met. Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.03.2013

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

13.05. - Wo ist der Polarjet hin?

12.05. - Der Geruch von Regen

11.05. - Turbulente und kühle Maitage

10.05. - Pannekoek in der Kalahari – wenn die Savanne wieder zum Leben erwacht

09.05. - Die Eisheiligen: Nur ein Mythos?

08.05. - Warmes Wochenende, kühler Wochenstart

07.05. - Wie funktioniert eine Gewittervorhersage?

06.05. - Endlich (zu viel) Regen

05.05. - Unwetterpotenzial in der Mitte: Starkregen und Gewitter

04.05. - Ausblick in die Wetterwoche

03.05. - Geschichte der Meteorologie – Teil 5: Meteorologie im Spätmittelalter an der Schwelle zur Renaissance

02.05. - Deutschlandwetter im April 2026

01.05. - Facettenreicher Schönwetterhimmel

30.04. - Geschichte der Meteorologie – Teil 4: Meteorologie im Früh- und Hochmittelalter

29.04. - Hoch WINFRIED bestimmt das Wetter – Umstellung zum Wochenende

28.04. - Einheitenchaos - Teil 3: Niederschlag

27.04. - Wettergötter und -propheten Teil 1: Wenn Petrus die Himmelspforte öffnet

26.04. - Hagelereignisse in Deutschland

25.04. - Hochdruck ohne Ende

24.04. - Wie Wetter Geschichte schrieb

23.04. - Flache Kaltluftschicht und große Tagesgänge

22.04. - Über Erhaltungsgrößen - und eine grell-bunte Animation

21.04. - Hoch ULI und die späten Nachtfröste

20.04. - Heftige Regenfälle im Osten und Nordosten

19.04. - Petrichor – Der Duft des Regens

18.04. - Einheitenchaos - Teil 2: Wind

17.04. - Der April auf Achterbahnfahrt!

16.04. - Geschichte der Meteorologie − Teil 3: Meteorologie der Spätantike sowie im europäischen Frühmittelalter

15.04. - Zwischen Hoch und Tief im meteorologischen Niemandsland

14.04. - Hinweise auf ungewöhnlich starken El-Niño im Laufe des Jahres