10. Mai 2012 |
Nach der Wärme folgt die Kälte
Erinnern Sie sich noch an die letzten Apriltage, als wir mit teils
rekordverdächtigen Höchsttemperaturen vor allem im Süden und Osten
sommerliche Tage genießen konnten, während in den weiteren
Landesteilen eher kühles und regnerisches Wetter herrschte? Um es
gleich vorweg zu nehmen, eine ähnliche Situation erwartet uns auch
heute und morgen wieder.
Motor für die Zufuhr warmer Luft waren Ende April ein Tief über
Spanien bzw. Frankreich und ein Hoch über Russland. Zwischen dem Hoch
und dem Tief gelangte mit einer Südströmung Warmluft zu uns. Ein Hoch
über Russland ist auch dieses Mal wieder im Spiel. Auch ein Tief
gehört natürlich dazu, es liegt allerdings etwas weiter nördlich, als
das im April der Fall war, nämlich über Großbritannien. Dadurch kommt
der Wind in diesen Tagen eher aus Südwesten und nicht direkt aus
Süden. Im Mai ist aber auch eine Südwestströmung recht warm und vor
allen Dingen feucht. Denn die Luft, die sie heranführt, ist
subtropischen Ursprungs. Lagen die Höchsttemperaturen gestern noch
bei Werten um 20 Grad, so erwartet uns heute ein deutlicher
Temperatursprung mit Höchstwerten von bis zu 28 Grad vor allem in der
Südhälfte und im Osten Deutschlands. Am Oberrhein sind sogar bis zu
30 Grad möglich. Auch sonst sind die Höchstwerte verbreitet über 20
Grad durchaus frühsommerlich. Ende April gab es einen sehr starken
Temperaturkontrast zwischen einem sehr warmen Südosten und einem
kühlen Nordwesten. Diesmal ist die Temperaturverteilung etwas
ausgeglichener, dennoch stellt sich beim Wetter erneut eine
Zweiteilung ein. Denn während es im Süden und Osten vielfach sonnig
und trocken wird, halten sich im Westen und Norden dichte Wolken, die
Regen bringen. Auch teils kräftige Gewitter sind in der feucht-warmen
Luft nicht ausgeschlossen.
Noch deutlicher werden die Gegensätze am Freitag, denn pünktlich zu
den Eisheiligen (11. - 15. Mai) gewinnt nach der sommerlichen Wärme
wieder zunehmend Polarluft die Oberhand. Das angesprochene Tief
verlagert sich von Großbritannien nach Skandinavien. Somit gelangen
wir auf dessen Westseite, auf der mit einer nördlichen Strömung kalte
Luft heran transportiert wird. Der Kaltluftvorstoß wird von einer
Kaltfront eingeleitet. Sie wird in der Nacht zum Freitag über
Norddeutschland erwartet und verläuft dann am Freitagmittag von
Südwest nach Nordost über Deutschland hinweg. Somit wird sich im
Norden und Nordwesten als erstes der Rückgang der Temperaturen
bemerkbar machen. Im Süden und Osten hingegen wird sich die Luft vor
der Front noch mal kräftig erwärmen. Dort sind am Nachmittag und
Abend mit Annäherung der Front kräftige Gewitter zu erwarten.
Bis Samstagmittag erreicht die Kaltfront die Alpen und somit wird
dann ganz Deutschland im Zustrom von Kaltluft liegen. Die Abkühlung
wird recht markant sein, d. h. die Höchstwerte liegen verbreitet bei
nur noch maximal 15 Grad. Dafür setzt sich von Westen zunehmend
Hochdruckeinfluss durch, so dass uns vor allem am Sonntag recht
freundliches, aber noch kühles Wetter erwartet. In den Nächten zum
Sonntag und zum Montag muss bei klarem Himmel dann mit örtlichem
Bodenfrost gerechnet werden. Frostempfindliche Pflanzen sollten
vorerst noch mal in Sicherheit gebracht werden.
Dipl.-Met. Johanna Anger
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.05.2012
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