29. April 2012 |
30 Grad vom Bodensee bis Brandenburg
Am gestrigen Samstag erreichte der Sommer im Frühling seinen
Höhepunkt. Bei strahlendem Sonnenschein drang die 25-Grad-Grenze der
Höchsttemperatur weit in den Nordwesten vor und verlief vom
Niederrhein über Westfalen, Ostniedersachsen bis
Mecklenburg-Vorpommern. Nordwestlich dieser Linie blieb es teilweise
erheblich kühler: Um 15 Grad wurden es von Ostfriesland über
Schleswig-Holstein bis nach Vorpommern, direkt an den Küsten waren es
teils sogar nur um 10 Grad. Am kühlsten blieb es mit maximal 7,8 Grad
in List auf Sylt, dazu gab es auch noch Böen bis 60 km/h aus Nordost.
Doch wenden wir uns nun wärmeren Regionen zu: Wer gestern Nachmittag
von Rostock-Warnemünde aus zur Mecklenburgischen Seenplatte unterwegs
war, der durfte sich auf einen Temperaturanstieg von 13 auf 27 Grad
innerhalb von weniger als 100 km einstellen. Noch etwas weiter
südlich, im brandenburgischen Menz (bei Stechlin) wurden sogar 30,5
Grad erreicht. Dies war die nördlichste Station im operationellen
Messnetz des DWD, an der die 30-Grad-Marke geknackt wurde. Falls
Ihnen solche Temperaturwerte ungewöhnlich für Ende April vorkommen,
kann das aus Sicht der Statistik nur bestätigt werden. Die unten
stehende Tabelle zeigt die Top 9 der gestrigen Höchstwerte. Bei allen
dieser Stationen stellt die gestern gemessene Höchsttemperatur einen
neuen Rekord für den Monat April dar. Dabei handelt es sich teilweise
sogar um Stationen, die schon besonders lange bestehen, wie z.B.
Jena-Sternwarte. Die bisherigen Höchstwerte sind jeweils in Klammern
angegeben.
München-Stadt: 32,2 Grad (28,7 Grad, 17.04.1934)
Würzburg: 32,1 Grad (29,5 Grad, 18.04.1949)
Mannheim: 32,0 Grad (31,0 Grad, 18.04.1949)
Freudenberg am Main - Boxtal: 32,0 Grad (29,2 Grad, 30.04.1955)
Waghäusel-Kirrlach (Baden): 32,0 Grad (28,4 Grad, 27.04.2007)
Berlin-Kaniswall: 31,9 Grad (29,8 Grad, 23.04.2000)
Jena-Sternwarte: 31,9 Grad (31,2 Grad, 17.04.1934)
Gollhofen (Mittelfranken): 31,9 Grad (29,1 Grad, 22.04.1968)
Bamberg (Oberfranken): 31,9 Grad (30,0 Grad, 23.04.1968)
Selbst die älteste noch bestehende Wetterstation Deutschlands auf dem
Hohen Peißenberg vermeldete einen neuen April-Rekord. Der bisherige
Wert von 25,5 Grad am 30.04.2003 wurde gestern mit 29,4 Grad um fast
4 Grad übertroffen.
Auch der Deutschlandrekord von 32,1 Grad in Zehdenick (Brandenburg)
am 22.04.1968 gehört der Geschichte an.
Die für Ende April ungewöhnliche Wärme ist deshalb möglich, weil in
höheren Luftschichten seit mehreren Tagen Luft direkt aus Nordafrika
Richtung Deutschland transportiert wird. Da diese auch über die Alpen
hinweg muss, hat sich dort Föhn eingestellt, der die Luft in den
tieferen Schichten zusätzlich erwärmt. Davon profitiert zwar in
erster Linie das Alpenvorland, aber durch die tagelang anhaltende
Föhnsituation hat sich die aufgeheizte Luft weit nach Nordosten
ausgebreitet. So wurde es in großen Teilen Deutschlands wärmer als
zum Beispiel in Italien.
Heute wird im Südosten und Osten noch einmal die 30-Grad-Marke
überschritten, in diesen Regionen könnte es vielleicht sogar noch
einmal örtlich einen Rekord geben. Danach sickert aber allmählich
kühlere und feuchtere Luft ein, so dass sich die Temperatur wieder
"normalisiert".
Dipl.-Met. Peter Hartmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.04.2012
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