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14. April 2012 | Dipl.-Met. Peter Hartmann

Geschichte der synoptischen Meteorologie

Teil 1: Anfänge in Messtechnik und Kommunikation

Als synoptische Meteorologie oder kurz "Synoptik" bezeichnet man den
Zweig der Meteorologie, der sich mit der Analyse des aktuellen
Wetterzustandes und der Prognose des zukünftigen Wetters beschäftigt.
Das Wort stammt vom griechischen Wort "synopsis" ab, das mit
"Zusammenschau" übersetzt wird. Auch wenn sich die Arbeit des
Synoptikers seit der Entstehung des Begriffs stetig geändert hat, so
ist er immer noch sehr passend. Auch heute noch ist es die große
Herausforderung des Synoptikers, sich einen Überblick über die
riesigen Mengen an zur Verfügung stehenden meteorologischen Daten zu
machen. Dies ist natürlich sehr wichtig, wenn die Prognose gut sein
soll. Auch Bibelkundigen ist übrigens der Begriff des "Synoptikers"
durchaus bekannt, in der Meteorologie schreibt dieser aber keine
Evangelien, sondern "nur" Wettervorhersagen.

Wichtigste Voraussetzung zur Entstehung der Synoptik war zunächst
einmal, systematisch Daten zu erfassen. Dies begann in Deutschland im
Jahr 1780 mit der Einrichtung des ersten Messnetzes durch die
Societas Meteorologica Palatina. Um 1820 herum zeichnete Heinrich W.
Brandes mit Hilfe dieser Daten die ersten Wetterkarten, in die er
Isobaren, also Linien gleichen Luftdrucks, eintrug. Damit konnte er
die Lage der Hochs und Tiefs identifizieren und fand auf rein
empirischem Wege heraus, dass der Wind (auf der Nordhalbkugel) um das
Hoch im Uhrzeigersinn, um das Tief gegen den Uhrzeigersinn weht.
Eine Wettervorhersage konnte man damit natürlich noch nicht
erstellen, schließlich gab es noch keine Möglichkeit zur schnellen
Kommunikation. Die Entwicklung der Synoptik war also damals und ist
auch heute noch in hohem Maße von der Entwicklung der Technik im
Bereich der Datenverarbeitung und Kommunikation abhängig.

Der erste wichtige Meilenstein in letzterem Bereich wurde in den
1830er Jahren von Samuel F. Morse mit der Konstruktion des
Schreibtelegraphen vollzogen. So konnte im Jahr 1842 in Amerika die
erste aktuelle Wetterkarte gezeichnet werden, 1849 erschien in der
Londoner "Daily News" die erste Zeitungswetterkarte. Antrieb für
diese Entwicklungen war anfangs wohl in erster Linie das Interesse an
Natur und Forschung, der praktische Nutzen einer Wettervorhersage
schien den Regierenden wohl noch nicht bewusst gewesen zu sein.

Dies änderte sich im Jahre 1854: Während des Krimkriegs ging bei
einem Sturm am 14. November jenes Jahres ein französisches Schiff im
Schwarzen Meer unter. Dieser Sturm war zuvor durch ganz Europa
gezogen und hätte deswegen bereits mit den damaligen Mitteln
vorhergesagt werden können. Jetzt wurde die Bedeutung der
Wettervorhersage für militärische Zwecke erkannt, so dass die
Förderung der Meteorologie zur hoheitlichen Aufgabe wurde. In den
zwei folgenden Jahrzehnten begannen die europäischen Großmächte dann
ein leistungsfähiges Beobachtungsnetz aufzubauen und gaben die ersten
Wetterkarten heraus. In Deutschland war hierfür ab 1876 die Deutsche
Seewarte in Hamburg zuständig, aus der unter anderem auch die heutige
Regional- und Seewetterzentrale des DWD hervorging.

Die erste Wetterkarte
Die erste Wetterkarte


Die Bedeutung des internationalen Austauschs von Wetterdaten wurde
frühzeitig erkannt, so dass 1879 die Internationale Meteorologische
Organisation (IMO) gegründet wurde. Sie und ihr Nachfolger ab 1950,
die WMO, sind seither (unter anderem) für die Standards des
Austauschs von Beobachtungen verantwortlich.

Für die Verbesserungen der Wettervorhersage war auch die Erforschung
der Atmosphäre wichtig, bisher gab es ja nur Bodenwetterstationen.
Der deutsche Meteorologe Hugo Hergesell ließ deshalb ab den 1890er
Jahren Wetterballons mit selbstregistrierenden Messinstrumenten
steigen. Nach dem Platzen des Ballons mussten die abgestürzten
Messinstrumente allerdings erst einmal gesucht werden. Dies nahm
natürlich viel Zeit in Anspruch, so dass die Aufzeichnungen für die
tägliche Wettervorhersage noch nicht genutzt werden konnten. Ab 1908
gab es erste Versuche, die Daten von den Messinstrumenten per Funk zu
einer Bodenstation zu übertragen. Es dauerte aber noch bis es Anfang
der 1930er Jahre, bis die Mess- und Funktechnik weit genug entwickelt
war, um die sogenannten Radiosonden systematisch für die
Wettervorhersage zu nutzen.

Wie es mit der Entwicklung der synoptischen Meteorologie weiterging,
erfahren Sie in der kommenden Woche im "Thema des Tages".




© Deutscher Wetterdienst

Bild: DWD