09. April 2012 |
Aller Anfang ist schwer
Die Osterfeiertage sind ja nun fast vorbei. Das Wetter am
Ostersonntag ist ja in weiten Teilen Deutschlands gar nicht so
ungemütlich geworden, wie noch einige Tage zuvor prognostiziert.
Haben die Wetterfrösche mal wieder nicht richtig aufgepasst?
Wie bekannt sein dürfte, beruht die Wettervorhersage heutzutage
größtenteils auf den Berechnungen von Wettermodellen auf
Großcomputern. Ein höchst interessanter Aspekt dieser
Modellrechnungen sind die Anfangswerte der Wetterparameter, die für
den Beginn der Modellrechnungen benötigt werden. In der World
Meteorological Organization (WMO) sind über 10 000 Wetterstationen
zusammengefasst, die mindestens alle 6 Stunden Beobachtungswerte wie
Temperatur, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit und noch viele andere Werte
liefern. Diese Beobachtungen bilden die Basis für die
Computerberechnungen.
Wie verwendet nun so ein "Wettermodell" diese Werte? Schauen wir uns
dazu mal als Beispiel das Globale Modell (GME) des Deutschen
Wetterdienstes an. Das GME überzieht die ganze Erde mit einem
Gitternetz mit einem Abstand der Gitterpunkte von rund 30 km. Das
ergibt für die ganze Welt 655 362 Gitterpunkte. Gleichzeitig werden
an jedem Gitterpunkt noch mal 60 Gitterpunkte in die Atmosphäre nach
oben berechnet. Das ergibt 655 362 mal 60 gleich 39 323 520
Gitterpunkte, d.h. die Werte von über 39 Millionen Gitterpunkte muss
das GME bei der Modellrechnung bearbeiten. Als Anfangswerte haben wir
aber nur die etwa 10 000 Stationen zur Verfügung. Wie kommt nun das
Modell auf Werte für die rund 39 Millionen Gitterpunkte? Dies wird
durch eine geschickte Interpolation (sozusagen eine Zwischenschätzung
zwischen den Werten) erreicht. Für diese Interpolation wird seitens
des Modells ein sehr großer Aufwand betrieben.
Und damit kommen wir zum eigentlichen Kernproblem. Die Modellrechnung
ist größtenteils abhängig von der Qualität der Anfangsdaten. Schon
kleinste Abweichungen bei den Anfangsdaten ergeben am Ende der
Modellrechnungen größere Abweichungen bei der Vorhersage des
Wetterablaufes.
Dennoch ist es sehr erstaunlich, welche Leistungen so ein
Wettermodell mit dieser mageren Ausgangsbasis zu erbringen vermag.
Und vielleicht sind Sie als geneigter Leser dieser Rubrik nun etwas
nachsichtiger, wenn die Vorhersagen für Ihre Region nicht
hundertprozentig passen!
Wenn Sie sich weitergehend über die verwendeten Modelle informieren
möchten, finden Sie im Internet ausführliche Informationen:
www.dwd.de/modellierung
Dipl.-Met. Dorothea Paetzold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.04.2012
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
© Deutscher Wetterdienst
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