Facebook Twitter
Drucken
17. September 2017 |

Die Madden Julien Oszillation

Die Madden Julien Oszillation

Datum 17.09.2017

Ein PhĂ€nomen mischt die Tropen auf! Besonderes im Fokus stehen dabei die tropischen und extratropischen konvektiven NiederschlĂ€ge, die je nach Phase deutlich verstĂ€rkt oder aber unterdrĂŒckt werden können.

Die Madden Julien Oszillation (MJO) ist ein tropisches PhĂ€nomen, das innerhalb von 30 bis 60 Tagen in den Tropen, etwa zwischen 20 Grad Nord und 20 Grad SĂŒd, ostwĂ€rts einmal um den Globus propagiert. Entdeckt wurde die MJO im Jahre 1971 von den Herren Roland Madden und Paul Julian vom National Center for Atmospheric Research (NCAR), denen sie auch ihren Namen verdankte.


Zum Vergrößern bitte klicken
Zum Vergrößern bitte klicken


Allgemein kann die MJO in zwei verschiedene Phasen aufgeteilt werden. Dabei wird zwischen einer feuchten Phase mit verstĂ€rkten (konvektiven) RegenfĂ€llen und einer trockenen Phase, in der die Niederschlagsneigung (Konvektion) unterdrĂŒckt wird, unterschieden. Beide Phasen beschreiben dabei eine Dipolstruktur (zwei benachbarte und gegensĂ€tzlich orientierte Pole) mit zwei gegensĂ€tzlichen Aktionszentren, die sich wie aufgefĂŒhrt ostwĂ€rts verlagert (vgl. Graphik). Bei der Verlagerung um den Globus ist das Gesamtsystem der MJO jedoch hĂ€ufig sehr variabel in der IntensitĂ€t. Perioden mit einer moderaten bis starken AktivitĂ€t folgen oft Perioden mit niedriger oder keiner. Die AusprĂ€gung der MJO ist dabei eng mit der OberflĂ€chenwassertemperatur verknĂŒpft. WĂ€hrend die MJO im Bereich von warmen bzw. sehr warmen OberflĂ€chenwassers, beispielsweise im westlichen Indik, an IntensitĂ€t zulegt und mit krĂ€ftigen konvektiven NiederschlĂ€gen einhergeht, fĂ€llt das System ĂŒber kĂ€lterem Wasser des östlichen Pazifiks zusammen, um im weiteren Verlauf ĂŒber dem tropischen Atlantik wieder neu aufzuleben. Die stĂ€rkste AktivitĂ€t auf der NordhemnisphĂ€re wird im spĂ€ten Herbst, im Winter sowie dem frĂŒhen FrĂŒhling beobachtet.

Die MJO beschreibt entsprechend ein gekoppeltes Ozean-AtmosphĂ€re-System, das großen Einfluss auf die tropischen und extratropischen NiederschlĂ€ge, atmosphĂ€rischen Zirkulationen sowie der Boden- und Lufttemperaturen der Tropen und Subtropen hat. Aus diesem Grund gibt es deutliche Hinweise, dass die Madden Julian Oszillation sowohl mit der "El Niño Southern Oscillation (ENSO)" als auch mit der Monsunentwicklung interagiert. Allerdings kann die MJO die genannten PhĂ€nomene nicht auslösen, sondern nur zu ihrer Entwicklung und IntensitĂ€t beitragen. ZusĂ€tzlich zum Monsun und der ENSO sind auch noch EinflĂŒsse auf die TageslĂ€nge sowie die Entwicklung und StĂ€rke von tropischen Zyklonen bekannt. Untersuchte RĂŒckkopplungen zum Jetstream (StarkwindbĂ€nder meist im Bereich der oberen TroposphĂ€re) zeigen zudem einen Einfluss der MJO auf KaltlufteinbrĂŒche, extreme Hitzewellen und Starkregenereignisse in den USA.

Wegen der Auswirkungen der MJO auf das tropische und extratropische Wettergeschehen sowie dessen Einfluss auf die globalen Zirkulationssysteme ist eine BerĂŒcksichtigung dieser vor allem fĂŒr die Modellierung langfristiger Wettervorhersagen (Monat/Jahreszeit) von großer Bedeutung. Dabei bieten besonders die aktiven Phasen der Madden Julien Oszillation die Gelegenheit die numerische Wetter- bzw. Klimavorhersage zu verbessern.

Derzeit befindet sich die Madden Julien Oszillation in einer schwachen Phase, die nach aktuellem Stand der Vorhersage auch ĂŒber die nĂ€chsten Wochen anhalten wird. Derzeit sind KelvinwellenaktivitĂ€ten vor allem ĂŒber dem Nordpazifik registriert. Die MJO-Phase hat entgegen den Indischen Ozean sowie den Westpazifik rasch ĂŒberquert und soll nun weiter schwach ausgeprĂ€gt zusammen mit der KelvinwellenaktivitĂ€t in den Bereich der westlichen HemisphĂ€re erscheinen. Aufgrund der IntensitĂ€t und LokalitĂ€t der MJO kann davon ausgegangen werden, dass diese derzeit kein Zusammenhang zu anderen Moden wie der tropischen ZyklonenaktivitĂ€t oder der Rossby-Wellen besteht. In diesem Jahr konnten bisher auf zwei sehr aktive MJO-Phasen analysiert werden. Die erste Phase umfasste dabei den Zeitraum von Ende Januar bis Mitte MĂ€rz. Zum zweiten Mal verstĂ€rkte sich die MJO von Mitte Mai bis Ende Juni. Insgesamt zeigen die unterschiedlichen GrĂ¶ĂŸer zur Identifikation des MJO jedoch ein unklares Bild der MJO-AktivitĂ€t.

Dipl.-Met. Lars KirchhĂŒbel

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 17.09.2017

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst