18:26 MESZ | 21.09.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
Drucken
05. Juli 2017 |

Wahrscheinlichkeitsaussagen in Wettervorhersagen

Wahrscheinlichkeitsaussagen in Wettervorhersagen

Datum 05.07.2017

Sind die heutigen Gewitter vereinzelt, örtlich oder verbreitet? Das können Sie im aktuellen Wetterbericht lesen. Aber was bedeuten die einzelnen Begriffe?

Wettervorhersagen sind bekanntlich schwierig, insbesondere deshalb, weil sie die Zukunft betreffen. Hat man verschiedene Vorhersagen zur Auswahl, wie z.B. trockenes Wetter oder Schauerwetter, so versucht man die Wahrscheinlichkeit für das jeweilige Ereignis in der Wettervorhersage mit Begriffen zu beschreiben. Auch wenn man es nicht vermutet: In den Texten, die Sie vom Deutschen Wetterdienst (DWD) lesen, ist klar festgelegt, welche Begriffe mit welchen Wahrscheinlichkeiten verbunden sind. Am häufigsten können Sie die Begriffe bei Niederschlags- und Unwetterprognosen hören bzw. lesen.



Im DWD unterscheiden wir in Bezug auf räumliche Verteilung der Wetterereignisse und zeitliche Angaben. Die Vorhersagen anderer, privater Wetterdienste, von denen die Medien heute vielfach die Wettervorhersagen beziehen, unterscheiden sich teilweise. Deren Definitionen können Sie dann den entsprechenden Websites entnehmen.

Beim DWD gelten für RÄUMLICHE Angaben folgende Definitionen: Vereinzelt oder einzelne: weniger als 10% (des Gebietes) Örtlich: 10 bis 20% Strichweise: 10 bis 30% Gebietsweise: 20 bis 50% Verbreitet: mehr als 50%

Für ZEITLICHE Angaben sind folgende Begriffe definiert: Kaum: unter 10% (des Vorhersagezeitraums) Gelegentlich: unter 30% Zeitweise: 30 bis 60% Länger andauernd: länger als 60% Überwiegend (niederschlagsfrei): über 80% Meist (niederschlagsfrei): über 90%

Wie kommen wir zu den Wahrscheinlichkeitsangaben? Bis vor einigen Jahren ergaben sich diese aus einem Mix von Messwerten und der Erfahrung der Meteorologen. Messwerte waren z.B. die Temperaturen in verschiedenen Höhen. Eine Temperaturdifferenz von 25 Grad zwischen 1500 und 5000 m Höhe bedeuteten vereinzelte Schauer. Größere Temperaturdifferenzen führten im Vorhersagetext zu verbreiteten und stärkeren Schauern.

Heute geht man etwas anders vor. Wir haben hier schon öfter (Stichworte "Rauchfahne" oder "Spaghetti Plot") über die Berechnung von Parallelläufen (Ensemblevorhersagen) berichtet. Da die Anfangswerte, also der aktuelle Zustand der Atmosphäre, bei den Modellberechnungen nicht exakt genug bekannt sind, berechnet man mehrere Prognosen mit leicht unterschiedlichen Anfangswerten. Dann schaut man sich die dadurch ergebenden verschiedenen Modellergebnisse an, auch wenn jedes einzelne für sich nicht den exakten Wetterverlauf beschreibt. Ergibt sich bei 20 verschiedenen Parallelläufen 6 mal ein bestimmtes Ereignis, so ordnet man ihm eine Wahrscheinlichkeit von 30% zu und arbeitet das in die Vorhersagetexte ein.

Aktuell werden die Gewitter über den Bergen Süddeutschlands mit dem Begriff "vereinzelt", also mit einem Gebietsbereich kleiner als 10% beschrieben. Das können Sie heute Abend im Netz anhand der Blitzverteilung verifizieren.*

Dipl.-Met. Christoph Hartmann

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 05.07.2017

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

21.09. - Ruhiger Start in den Herbst

20.09. - Europawetter

19.09. - Westeuropa blockiert erneut

18.09. - Zwischen Spätsommer und Frühherbst

17.09. - Weltwetterorganisation: Der globale Wasserkreislauf gerät aus den Fugen

16.09. - Sonnenscheinreiches Jahr 2026 – Erste Zwischenbilanz

15.09. - Ungewöhnlich ruhiger tropischer Atlantik!

14.09. - Magdeburger Halbkugeln - Auf der Suche nach dem Nichts

13.09. - Geschichte der Meteorologie − Teil 17: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (c) und internationale meteorologische Konferenzen

12.09. - Wo endet die Atmosphäre, wo beginnt der Weltraum?

11.09. - Verifikation von Wettermodellen

10.09. - Stark- und Dauerregen von Mittelitalien bis nach Österreich

09.09. - Tschüss Hochsommer, hallo Spätsommer und Frühherbst

08.09. - Geschichte der Meteorologie – Teil 16: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (b)

07.09. - Geschichte der Meteorologie − Teil 15: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (a)

06.09. - "WeatherNext3" – Wie zuverlässig ist ein KI-Modell ohne explizite Physik?

05.09. - Kopfschmerzen durch Wetter

04.09. - Zwischen Sturm und Spätsommer

03.09. - Deutschlandwetter im Sommer 2026

02.09. - Deutschlandwetter im August 2026

01.09. - Der Einfluss großer Windparks auf Wetter und Niederschlag

31.08. - Wie wird eigentlich ... gemessen? - Temperatur

30.08. - Kommt die hochsommerliche Hitze zurück?

29.08. - Hurrikan KATRINA: Heute vor 21 Jahren

28.08. - Göttliche Zeichen am Himmel? – Historische Interpretationen von Halos

27.08. - Die atlantische Hurrikansaison 2026: Ein Update

26.08. - Marine Hitzewellen

25.08. - Steigende Gewitter- und Unwettergefahr in dieser Woche!

24.08. - SINFONY: Vom aktuellen Wetter zur nahtlosen Vorhersage der nächsten Stunden

23.08. - Mögliche Auswirkungen eines starken El-Niño auf Europa?